21 Städte, 50’000 neue Angestellte: Lausanner Putz-Start-up Batmaid plant grosse Europa- und USA-Expansion

Der Westschweizer Online-Reinigungsvermittler will in Europa dank neuem Investitionskapital durchstarten. Dabei setzt es nach Gewerkschaftskritik auf ein neues Arbeitsmodell – und wagt zudem den Sprung nach New York.

Hauptsitz des Reinigungsvermittlers Batmaid in Lausanne VD.

Hauptsitz des Reinigungsvermittlers Batmaid in Lausanne VD.

zvg

Gerade mal seit sechs Jahren existiert das Westschweizer Start-up Batmaid – und nun schickt es sich an, Europa zu erobern. Die Online-Plattform vermittelt ihrer Kundschaft Reinigungskräfte. Seit der Gründung zählt die Firma über 55’000 Kunden. Bald sollen es mehr werden. Viel mehr.

«In den nächsten zwölf Monaten expandieren wir in 21 europäische Städte, darunter London und Paris», sagt Batmaid-Gründer und -Chef Andreas Schollin-Borg im Gespräch. Die entspricht dem Markteintritt in 15 Ländern. Hinzu kommt auch der Start in New York. «Unser Modell hat sich in der Schweiz bewährt, nun möchten wir international wachsen», sagt der 32-jährige Lausanner.

5 Millionen Franken neues Investment-Kapital

Im Mai erfolgt der Anpfiff zur Grossexpansion mit der Büro-Eröffnung in Paris, im Sommer folgt die polnische Hauptstadt Warschau. In jeder neuen Stadt wolle man mit einem eigenen Büro präsent sein. Mittelfristig dürfte sich die Zahl der fix Angestellten in den Büros von 100 auf bis zu 900 erhöhen, sagt Schollin-Borg.

Andreas Schollin-Borg, Gründer und Chef von Batmaid.

Andreas Schollin-Borg, Gründer und Chef von Batmaid.

zvg

Und wie will die Jungfirma den Ausbau stemmen? «Wir haben in einer Finanzierungsrunde dank bestehenden und neuen Investoren rund fünf Millionen Franken sammeln können», sagt Schollin-Borg. Zu den bestehenden Geldgebern gehört die Bâloise-Versicherung.

In den nächsten drei bis fünf Jahren rechne er europaweit mit 35000 bis 50000 neuen Batmaid-Reinigungskräften, sagt Schollin-Borg. Diese würden von der Firma angestellt, so wie man dies seit diesem Jahr auch in der Schweiz handhabe.

Der ungeliebte Uber-Vergleich

Zuvor funktionierte Batmaid als reiner Online-Vermittler, weshalb rasch der Vergleich mit Uber fiel: Die Kunden bestellten die Reinigungskraft zum gewünschten Datum und zur gewünschten Uhrzeit – und wurden so zum Arbeitgeber auf Stundenbasis.

Schollin-Borg gefällt der Uber-Vergleich nicht, da in den Batmaid-Preisen die AHV-, PK- und Versicherungsbeiträge inbegriffen seien. Zudem übernehme man die Anmeldung bei den Behörden. Dafür kassiert die Firma eine Gebühr. Gegenüber der «NZZ» bezifferte er die entsprechende Bruttomarge zuletzt auf knapp 20 Prozent des Stundenansatzes.

Die stete Kritik der Gewerkschaften, dass Batmaid die Reinigungskräfte nicht direkt anstellte, fruchtete lange nicht. Wieso also jetzt? Gerade die Coronakrise habe gezeigt, dass das alte Arbeitsmodell den Reinigungskräften nicht genug Sicherheit biete, sagt Schollin-Borg. «Ohne Anstellung bei einer Firma war es für sie schwierig, Kurzarbeitsentschädigung zu erhalten.»

Noch immer 1800 Reinigungskräfte ohne direkten Vertrag

Nun seien rund 2000 Reinigungskräfte direkt bei Batmaid unter Vertrag, sagt der Jungunternehmer. Aber: Nach wie vor arbeiten 1800 Personen ohne direkte Anstellung. «Das möchten wir zunehmend ändern, obwohl einige Reinigungskräfte diese Flexibilität auf Kosten der Sicherheit bevorzugen.»

Auch bei der Auslandexpansion wolle man als Arbeitgeber auftreten, obwohl dies den Service verteure. Allerdings dürfte auch eine Rolle spielen, dass das reine Vermittlungsmodell im Zuge der Uberisierungs-Debatte in vielen Ländern in der Kritik ist. In Zürich beträgt der Stundentarif mit dem neuen Modell 39 statt 37 Franken. Was bleibt ist die kurzfristige Buchung bis zu 48 Stunden vor dem Reinigungstermin – ein Vorteil aus Sicht der Kunden, ein Unsicherheitsfaktor für das Reinigungspersonal.

2022 sind schwarze Zahlen das Ziel

Potenzial sieht der Gründer auch im Heimmarkt. Hier konnte Batmaid den Umsatz trotz Pandemie um 32 Prozent steigern. Eine konkrete Zahl nennt die Firma nicht, der Umsatz liege aber im hohen zweistelligen Millionenbereich. Dies entspreche einem geschätzten Marktanteil von bis zu 10 Prozent, sagt Schollin-Borg.

Mit der Expansion in weitere Schweizer Regionen rechnet der Romand mittelfristig mit 10’000 Reinigungsangestellten hierzulande. Rund 95 Prozent der heutigen Batmaid-Reinigungskräfte sind Frauen.

Noch schreibt das Start-Up rote Zahlen. Nächstes Jahr will Batmaid erstmals profitabel sein.

21 Städte, 50’000 neue Angestellte: Lausanner Putz-Start-up Batmaid plant grosse Europa- und USA-Expansion
Source:
Source 1

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here