Die Uhren- und Schmuckmesse findet im kommenden März doch nicht statt. Der Direktor Michel Loris-Melikoff tritt zurück.

Baselworld 2019. Die letzte Uhren- und Schmuckmesse mit Glanz und Gloria.

Baselworld 2019. Die letzte Uhren- und Schmuckmesse mit Glanz und Gloria.

Nicole Nars-Zimmer (niz) / BLZ

Michel Loris-Melikoff wurde in der «Bilanz» kürzlich gefragt, wie oft er es schon bereut habe, 2018 die Leitung der Baselworld zu übernehmen. «Nie», sagte der Eventmanager: «Wenn man an das glaubt, was man tut, steht Bereuen nicht auf dem Programm.»

Die Unternehmensleitung der MCH Group hat den Glauben jedoch offensichtlich verloren, dass Loris-Melikoffs Tun im kommenden Frühjahr zu einer erfolgreichen Neulancierung der einstigen Luxusmesse führen wird. Sie sagte gestern die Messe ab. Passend zur Uhrenmesse lautet die Begründung: «Der Neustart der Baselworld braucht mehr Zeit.» Loris-Melikoff legte mit diesem Entscheid sein Amt nieder. Sein Wirken wird verdankt.

Die Plattform «Baselworld 365» ging nie online

Im vergangenen Juni hatte Loris-Melikoff eine Auferstehung der Baselworld angekündigt, nachdem sie zuvor nach einem beispiellosen Niedergang und zwei coronabedingten Ausfällen für klinisch tot erklärt worden war. Das zwischenzeitliche Konzept unter dem Namen «Houruniverse» verschwand in den Schubladen, auf den Tisch zauberte er das Projekt einer Messe im mittleren Luxussegment, mit den Händlern als erste Ansprechgruppe.

Um nicht nur von Degradierung sprechen zu müssen, sollte die Baselworld nach dem Vorbild der Art Basel dafür internationalisiert werden und zudem mit einer ganzjährig betriebenen Plattform auf der Agenda der Kunden bleiben. Der Onlineauftritt unter dem Namen «Baselworld 365» war auf September angekündigt, wobei es bei der Ankündigung geblieben ist. Wie auch für die physische Messe gelte, dass das Produkt noch nicht marktreif sei, erklärt die Medienstelle auf Anfrage.

Erst 100 Aussteller haben sich angemeldet

Die nächste Baselworld hätte zwar erst im kommenden März parallel zur aufstrebenden Uhren- und Schmuckmesse in Genf stattfinden sollen. Die Notbremse hat die MCH Group jedoch schon heute gezogen. Denn es ist absehbar, dass die gesetzten Ziele unerreichbar bleiben.

Loris-Melikoff hatte mit 300 Ausstellern kalkuliert, je ein Drittel aus der Uhren-, der Schmuck- und der Edelstein-­Industrie. Aktuell liegen bloss 100 Anmeldungen vor. Aufgrund der Cyberattacke auf die MCH Group war die Akquisition von Ausstellern zuletzt handicapiert, doch die Diskrepanz zur Zielgrösse ist ohnehin zu gross, um sie noch annähernd ausgleichen zu können.

Der nächste Versuch wird der letzte sein

Das von Loris-Melikoff mit Herzblut verkaufte Konzept erhielt offensichtlich nicht das Vertrauen, das er sich versprochen hatte. Auch Aussteller, die zuvor ein Bekenntnis zur Baselworld abgelegt hatten, zögerten mit der konkreten Unterschrift für einen weiterhin kostspieligen Messestand. In den nächsten Wochen hätte die MCH Group zudem wesentliche Investitionen auslösen müssen, die sich kaum je gerechnet hätten.

Der Stopp, den nun die Unternehmensleitung nach Rücksprache mit dem Verwaltungsrat verfügt hat, ist jedoch nicht bloss eine wirtschaftliche Risikominimierung. Sie lässt sich auch ein letztes Schlupfloch offen, dereinst doch noch einmal mit einer Baselworld an den Start gehen zu können. Die MCH Group weiss: Dafür hat sie bloss noch einen Versuch.

Absage der Uhrenmesse: Die Furcht vor einem Flopp stoppt die Baselworld
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