Afghanistan ist wieder im Lockdown – aber nicht wegen Corona

Die Regierung versucht, den Vormarsch der Taliban zu stoppen. Und US-Präsident Joe Biden macht ein grosses Versprechen.

Bald auf sich allein gestellt: Ende August ziehen die letzten US-Soldaten aus Afghanistan ab. Danach müssen die afghanischen Truppen den Kampf gegen die Taliban selber weiterführen.

Bald auf sich allein gestellt: Ende August ziehen die letzten US-Soldaten aus Afghanistan ab. Danach müssen die afghanischen Truppen den Kampf gegen die Taliban selber weiterführen.

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Millionen von Afghanen sind erneut einer Ausgangssperre unterworfen. Die Regierung in Kabul sah sich zu dem Schritt gezwungen, weil die militant-islamistischen Taliban immer neue Militäroffensiven starten und dabei grosse Gebietsgewinne verzeichnen.

Um die Situation besser unter Kontrolle zu bringen und zivile Opfer bei Terroranschlägen zu verhindern, müssen die Bewohner deshalb in 31 der 34 Provinzen des bitterarmen Landes zwischen 22 und 04 Uhr zuhause bleiben. Nur drei Provinzen, darunter Kabul mit der gleichnamigen Hauptstadt, ist von der Regel ausgenommen.

Grund für das militärische Erstarken der Taliban ist der Abzug der amerikanischen Truppen aus dem Land, der auf Geheiss von US-Präsident Joe Biden im Mai begonnen hatte. Ende August sollen die letzten amerikanischen Soldaten aus dem Land abziehen. Zurückbleiben sollen einzige ein paar Einheiten zum Schutz der amerikanischen Botschaft. Mittlerweile kontrollieren die islamistischen Kampfverbände über die Hälfte aller Bezirke des Landes. Friedensgespräche zwischen den Islamisten und der Regierung in Kabul laufen seit September des Vorjahres, allerdings bislang ohne Durchbruch.

2500 Familien dürfen sich auf US-Visum freuen

Um wenigsten den verletzlichsten Bevölkerungsschichten einen Rettungsring hinzuwerfen, hat US-Präsident Biden derweil bis zu 100 Millionen Dollar für Flüchtlinge aus Afghanistan genehmigt. Das aus einem Notfallfonds kommende Geld solle eingesetzt werden, um «unerwartet dringende Bedürfnisse» von Menschen zu erfüllen, die wegen der Situation in dem Land gefährdet seien.

Will die Truppen abziehen, ohne die Afghanen im Stich zu lassen: US-Präsident Joe Biden.

Will die Truppen abziehen, ohne die Afghanen im Stich zu lassen: US-Präsident Joe Biden.

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Die Mittel sollen auch afghanischen Helfern zugute kommen, die das US-Militär vor Ort unterstützt hatten. Zahlreiche Afghanen, die während des Einsatzes für die USA gearbeitet haben, etwa Dolmetscher, können spezielle Einwanderungsvisa für die USA beantragen. Nach Einschätzung von Fachleuten droht den Helfern nach dem Abzug der Truppen die Rache der Taliban.

Das US-Aussenministerium hatte vor kurzem mitgeteilt, dass etliche einheimische Helfer aus Afghanistan vorerst in einer Militärbasis im US-Bundesstaat Virginia untergebracht werden sollen. Es handle sich dabei um Menschen, die eine spezielle Sicherheitsüberprüfung durchlaufen hätten und im Antragsverfahren für ein entsprechendes US-Visum besonders weit fortgeschritten seien. Die ersten Umsiedlungen sollen Ende Juli beginnen, in Frage für die speziellen Einwanderungsvisa kommen demnach etwa 2500 Helfer inklusive ihrer Familienangehörigen. (dpa)

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