Alkohol bei der Migros: Jetzt bläst das Blaue Kreuz zur Abstimmungsschlacht – und fordert ein Treffen mit dem Chef

Verkauft die Genossenschaft schon bald Bier und Tequila? Das Blaue Kreuz will das verhindern und hat sich deshalb mit einem Brief ans Management gewandt – und dabei wird es nicht bleiben.

Es war ein Schock für Migros-Urgesteine und Dutti-Fans: Am 6. November sprach sich die Delegiertenversammlung dazu aus, auf das Alkoholverkaufsverbot künftig zu verzichten. Doch die Sache ist noch nicht im Trockenen. Nun sind die regionalen Genossenschaften gefordert. Sie müssen bis Ende nächster Woche entscheiden, ob sie bei ihren Mitgliedern eine Urabstimmung durchführen – mit dem Resultat, dass in manchen Kantonen die Migros Alkohol verkaufen könnte, in anderen jedoch nicht.

Philipp Hadorn, Präsident des Blauen Kreuzes Schweiz.

Philipp Hadorn, Präsident des Blauen Kreuzes Schweiz.

PD

Für Anhänger des Alkoholverbots besteht also nach wie vor Hoffnung. Doch dabei möchte es Philipp Hadorn, Präsident von der Suchtorganisation Blaues Kreuz, nicht belassen. «Die Migros spricht selbst von einem demokratischen Prozess, und in dieser Debatte möchten wir uns aktiv engagieren», sagt der Alt-Nationalrat.

Treffen mit Zumbrunnen gefordert

Vergangene Woche hat er der Generaldirektion des Migros-Genossenschaftsbunds unter der Führung von Fabrice Zumbrunnen einen Brief geschrieben. «Wir fordern die Migros auf, sich mit uns zusammen an einen Tisch zu setzen und die Folgen einer möglichen Verbotsaufhebung zu diskutieren.»

Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen.

Migros-Chef Fabrice Zumbrunnen.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Hadorn betont, dass seine Organisation den Entscheid der Migros und ihrer Mitglieder respektieren werde. «Aber solange nichts entschieden ist, setzen wir uns mit aller Kraft für eine Beibehaltung der heutigen Regel sein.»

Kampagne auf Social Media

Hadorn verweist darauf, dass viele Mitglieder des Blauen Kreuzes auch Genossenschaftsmitglieder bei der Migros seien, unter anderem weil ihnen die Anti-Alkohol-Philosophie von Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler gefalle. Man werde mit diesen Personen das Gespräch suchen, in der Hoffnung, dass sie Einfluss auf andere Migros-Genossenschafter nehmen und sie für ein Nein bei der Abstimmung überzeugen können. «Zudem sehen wir vor, auch eine Kampagne zu starten, unter anderem über die sozialen Medien.»

Hadorn appelliert an alle zehn Migros-Genossenschaften, Duttweilers Philosophie nicht über Bord zu werfen. «Trockene Alkoholiker sind ständig in Gefahr, in die alte Sucht zurückzufallen.» Auch ein schwacher Auslöser könne einer zu viel sein. Die Migros sei mit ihren Supermärkten in der Schweiz allgegenwärtig. «Bei einem Ja der Genossenschaften wäre künftig auch die Alkohol-Versuchung allgegenwärtig.»

Schulung fürs Personal

Sollte sich eine Mehrheit am Schluss dennoch für eine Abschaffung des Verbots aussprechen, wolle man der Migros Hilfe anbieten. «Wir haben viele Experten, die der Migros beratend zur Seite stehen können, um flankierende Massnahmen bei einer Alkohol-Lancierung zu berücksichtigen.»

Solche Begleitmassnahmen wären zwingend nötig, sagt der SP-Politiker. Dabei gehe es unter anderem darum, wo im Regal die Alkoholika stehen sollen, und wie sehr sie beworben werden sollen, um Jugendliche und Suchtgefährdete nicht zu stark den Produkten auszusetzen. Auch die Schulung der Angestellten in den Filialen sei wichtig, damit diese kein Bier an unter 16-Jährige verkaufen würden.

Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler hielt in den Statuten fest, dass die Detailhändlerin keine Tabak- und Alkoholprodukte verkauft.

Migros-Gründer Gottlieb Duttweiler hielt in den Statuten fest, dass die Detailhändlerin keine Tabak- und Alkoholprodukte verkauft.

PHOTOPRESS-ARCHIV

Urabstimmungen bis im Sommer 2022

Der Präsident des Blauen Kreuzes betont zudem, dass heute viele karitative Organisationen Menschen mit Suchtproblemen oftmals Migros-Gutscheine aushändigen. «So können sie sicher sein, dass das Geld nicht für Alkohol und Tabak ausgegeben wird.»

Ob und wo es zu Abstimmungen kommt, entscheidet sich demnächst. Bis kommenden Freitag, 3. Dezember, müssen die Verwaltungen und Genossenschaftsräte der zehn Genossenschaften zusammenkommen und für ihre Region entscheiden, ob sie der Aufhebung des Alkoholverkaufsverbots ebenfalls zustimmen und die Frage in einer Urabstimmung den Genossenschafterinnen und Genossenschaftern vorlegen wollen.

Ein solches Alkohol-Votum wäre dann bis spätestens am 4. Juni 2022 fällig, und ab 2023 könnten dann die Migros-Supermärkte – je nach Region und Resultat – bei der Kundschaft mit Promille punkten.

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