Amokdrohung wegen Corona: Hat sich der schwerbewaffnete Berufssoldat im Nationalpark verschanzt?

Seit drei Tagen suchen hunderte Beamte in Belgien nach Jürgen Conings, einem 46-jährigen Schiessinstruktor der Armee. Der als Rechtsextremer bekannte Soldat hat Drohungen gegen einen Virologen ausgesprochen, Abschiedsbriefe hinterlassen und sich mit einem ganzen Waffenarsenal eingedeckt. Die Polizei geht von einer akuten Bedrohung aus.

Belgische Polizeikräfte suchen fieberhaft nach dem Mann (Symbolbild).

Belgische Polizeikräfte suchen fieberhaft nach dem Mann (Symbolbild).

Keystone

Auch am dritten Tag fragt sich ganz Belgien: Wo ist Jürgen Conings? Seit Dienstag sucht die Polizei fieberhaft nach dem 46-jährigen Berufssoldaten. Der Schiessinstruktur der belgischen Armee hat sich zuvor mit Waffen eingedeckt und Abschiedsbriefe hinterlassen, worin er einen Amoklauf andeutete. Die Suche konzentriert sich mittlerweile auf den Nationalpark «Hoge Kempen» in der Provinz Limburg in Flandern nahe der niederländischen Grenze. Mehr als 350 Beamte aus Polizei und Militär durchkämmen das rund 12000 Hektar grosse Wald- und Naturschutzgebiet. Bisher erfolglos.

So präsentiert sich Jürgen Conings in den sozialen Netzwerken.

So präsentiert sich Jürgen Conings in den sozialen Netzwerken.

Twitter

Der Unteroffizier und Veteran mehrerer Auslandeinsätze, unter anderem in Afghanistan, hat am Montag in seinem Haus zwei Abschiedsbriefe hinterlassen. Darin schrieb er, er wolle «nicht länger in einer Gesellschaft leben, in der die Politiker und Virologen uns alles weggenommen haben». Er kündigte an, «sich dem Widerstand anschliessen und sich nicht kampflos ergeben zu wollen», wie belgische Medien berichten. Schon Monate zuvor äusserte er eindeutige Drohungen gegen den bekannten belgischen Virologen Marc Van Ranst.

Die Polizei geht von einer akuten Bedrohung aus. Conings hatte sich am Dienstag in seiner Kaserne unter dem Vorwand, ein Schiesstraining organisieren zu wollen, mit vier LAW-Raketenwerfer, einem FN P90-Maschinengewehr und einer Pistole eingedeckt. Am Dienstagabend dann wurde am Waldrand in der flämischen Gemeinde Dilsen-Stokkem das Auto von Conings gefunden. Die Nummernschilder waren abgeschraubt und die Türgriffe mit Drähten verkabelt. Die vier Raketenwerfer und entsprechende Munition wurden sichergestellt, wie die Polizei mitteilte.

Maschinengeweher FN P90.

Maschinengeweher FN P90.

Wikipedia Public Domain

Raketenwerfer vom Typ LAW

Raketenwerfer vom Typ LAW

Wikipedia Public Domain

Im Auto gefunden wurde zudem ein weiterer Abschiedsbrief, wo Conings Drohungen gegen das Militär aussprach. Die Behörden gehen davon aus, dass er das Maschinengewehr und die Pistole er noch immer auf sich trägt. Mittlerweile hat die belgische Staatsanwaltschaft den Fall übernommen und eine offizielle Gefährdungsmeldung herausgegeben. Der Bevölkerung wird geraten, dem knapp zwei Meter grossen Mann fern zu bleiben und eine Sichtung umgehend der Polizei zu melden.

Wie heeft Jurgen CONINGS gezien? Aan Jurgen CONINGS wordt gevraagd zich zo snel mogelijk te melden bij de dichtstbijzijnde politiedienst. https://t.co/yOXOh5nMwF pic.twitter.com/sWVwQw9NKr

— Opsporingsberichten (@politie_zoekt) May 19, 2021

In der belgischen Öffentlichkeit tobt unterdessen die Debatte, wie es soweit kommen konnte. Jürgen Conings war den Behörden wegen seiner einschlägig rechtsextremen Ansichten bekannt und wurde auf einer Gefährder-Liste geführt. Im vergangenen Jahr erhielt er von seinem Arbeitgeber, der Armee, zwei Disziplinarstrafen. Einmal wegen rassistischen Äusserungen und einmal wegen der Drohung gegen den Virologen Marc Van Ranst. Im vergangenen Juli wurde er von der Staatsanwaltschaft wegen der Drohung sogar befragt. Auch wurde er intern von seinem Posten bei der Militärpolizei in eine Logistik-Einheit versetzt, wo er half, Soldaten auf ihren Auslandeinsatz vorzubereiten. Nur: Ausgerechnet dort hatte er weiter direkten Zugang zum Waffenlager. Für Auslandeinsätze kam er selbst aber bis auf Weiteres nicht mehr infrage, was ihn gegen seinen Arbeitgeber aufgebracht haben soll.

Premierminister Alexander De Croo zeigte sich empört: «Es ist unfassbar, dass jemand auf der Ocad-Liste (Gefährder-Liste, Anm. d. Red.) steht und bei der Armee weiter aktiv ist und Zugang zu Waffen hat».

In den sozialen Medien zeigte sich Conings in den letzten Jahren offen islamfeindlich und rechtsextrem. In der Coronakrise betätigte er sich als Fitness-Coach und gab im Park von Dilsen Fitnesstrainings. Angehörige beschreiben ihn als «Muskelpaket mit weichem Herz», der alles für seine Familie tun würde. Er habe auch in der Nachbarschaftswache im Quartier mitgewirkt. Kollegen bei der Armee beschreiben ihn hingegen als «rechtsextremen Waffennarr, der nicht vor Gewalt zurückschrecke» und den Virologen Marc Van Ranst hasse, so die Zeitung «Het Laatste Nieuws». Conings soll zudem eine enge Beziehung zum Ex-Soldaten Thomas Bouten unterhalten, dem Aushängeschild und Guru einer neonazistischen Gruppe in Flandern, der wegen terroristischer Umtriebe verurteilt wurde. Dieser schrieb am Dienstag auf seiner Facebook-Seite: «Die Gedanken sind mit dem Waffenbruder und alten Kollegen, wo immer du bist, du bist nicht allein, auch wenn es in einer Welt ist, die auf die Volkstreuen spuckt.»

Amokdrohung wegen Corona: Hat sich der schwerbewaffnete Berufssoldat im Nationalpark verschanzt?
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