Andrews juristische Blutgrätsche: Jetzt wirft der Prinz seinem mutmasslichen Opfer vor, selbst Sex-Täterin zu sein

Die Anwälte des britischen Royals versuchen, die Haut ihres Mandanten mit einer aggressiven Strategie zu retten.

Fährt vor Gericht eine aggressive Strategie: der britische Prinz Andrew.

Fährt vor Gericht eine aggressive Strategie: der britische Prinz Andrew.

AP

Angriff ist die beste Verteidigung. Diesen alten Grundsatz kennt offenbar auch der britische Prinz Andrew. Er fährt grad schweres Geschütz auf gegen sein mutmassliches Opfer Virginia Giuffre. Die US-Bürgerin beschuldigt den Lieblingssohn der Queen, sie vor zwanzig Jahren mehrfach sexuell missbraucht zu haben. Giuffre war damals 17. In einem viel beachteten Interview zu dem Vorwurf verstrickte sich Andrew in Widersprüche. Es existieren Fotos des Royals mit der 17-jährigen Giuffre. Alles erfunden, alles gefälscht, sagte der Prinz bislang.

Seine Anwälte fordern nun, die Zivilklage vor einem New Yorker Gericht müsse abgewiesen werden. Gleichzeitig erhebt Andrews Verteidiger schwere Vorwürfe gegen das mutmassliche Opfer: Giuffre gehe es nur ums Geld. Womöglich sei sie sogar selbst an Sexualverbrechen beteiligt gewesen.

Virginia Giuffre soll als 17-Jährige mehrfach zum Sex mit dem Prinzen gezwungen worden sein.

Virginia Giuffre soll als 17-Jährige mehrfach zum Sex mit dem Prinzen gezwungen worden sein.

Keystone

Der 36-seitige Schriftsatz von Andrews Anwalt Andrew Brettler stellt eine Generalabrechnung mit der Beschuldigerin dar. Deren Klagen gegen eine Reihe von Prominenten würden «vielen Unschuldigen irreparablen Schaden zufügen». Ihre Vorwürfe gegen Andrew seien «dünn» und basierten auf reiner Geldgier.

Anwalt behauptet, Giuffre sei selbst Täterin gewesen

Wie dem auch sei: Sogar das Königshaus will mit dem selbstverliebt und wehleidig geltenden Prinzen möglichst wenig zu tun haben. Sein älterer Bruder, Thronfolger Charles, hat ihn von allen öffentlichen Funktionen entbunden. Andrews Ruf ist in der britischen Öffentlichkeit gründlich ruiniert – und die Freundschaft mit dem Millionen-schweren Sexualverbrecher Jeffrey Epstein hat dazu erheblich beigetragen.

Dessen kostenlose Gastfreundschaft auf diversen Anwesen in Manhattan, Florida und in der Karibik nahm Andrew um die Jahrhundertwende stets gern in Anspruch. Dass dort junge Mädchen und Frauen ein und aus gingen, will der Prinz nie bemerkt haben.

Epsteins einstige Partnerin Ghislaine Maxwell soll bei den sexuellen Vergehen ihres Partners und seiner Bekannten eine zentrale Rolle gespielt haben. Sie steht demnächst wegen systematischer Abrichtung junger Frauen, «Verführung Minderjähriger» sowie Meineides vor Gericht. Ihr droht eine 35-jährige Haftstrafe. Maxwell soll auch die vermeintlichen Kontakte zwischen Giuffre und dem Prinzen hergestellt haben. Eigenen Angaben zufolge gab die damals 17-Jährige mehrmals Maxwells Drängen nach und hatte mit dem Prinzen, damals 41, Geschlechtsverkehr.

Anwalt Brettler zitiert nun einen Zeitungsartikel, in dem eine frühere Bekannte Giuffres diese selbst in die Nähe von Verbrechen rückt: Giuffre habe die Frau um Hilfe dabei gebeten, für Epstein «nuttenhafte» (slutty) Mädchen zu rekrutieren. Dem Schriftsatz des Juristen ist auch ein 139-seitiges Manuskript der Beschuldigerin beigefügt, das diese bislang unbekannte Seite des mutmasslichen Opfers Giuffre aufzeigen soll.

Die royale Blutgrätsche stellt eine strategische Kehrtwende dar. Jahrelang hatten die Anwälte des Herzogs von York argumentiert, Andrew müsse sich den gerichtlichen Vorwürfen nicht stellen. Dementsprechend verweigerte der Prinz auch stets die Zeugenaussagen. Diese Vorgehensweise wurde durch die Zivilklage unhaltbar: In solchen Verfahren gilt der Grundsatz: Wer schweigt, hat verloren.

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