Apokalyptische Feuerstürme in Athen: «Alles verloren – in einer Nacht»

Seit einer Woche kämpfen Feuerwehrleute gegen die Grossbrände in Griechenland. Dass in den Flammen erst ein Mensch gestorben ist, ist dem ausgeklügelten Alarmsystem zu verdanken.

Erschöpfte Feuerwehrmänner in Athen blicken auf einen Grossbrand vor der Stadt.

Erschöpfte Feuerwehrmänner in Athen blicken auf einen Grossbrand vor der Stadt.

Die Tatoiou-Strasse, die sich von Varibobi im Norden Athens die Hänge des Parnes-Massivs hinaufschlängelt, führt in eine Mondlandschaft. Beiderseits des Wegs abgebrannte Wälder, soweit der Blick reicht. Schwarze Baumgerippe ragen in den Himmel, ein grauer Ascheteppich bedeckt den Boden.

Bis auf einige wenige Brandnester sind im Norden von Athen die Flammen gelöscht. Aber immer noch steigt Rauch aus den eingeäscherten Wäldern und den ausgebrannten Ruinen. Beissender Brandgeruch liegt in der Luft. Die Feuerwehren sind noch nicht abgerückt. Ein roter Löschhubschrauber kreist wie ein riesiges Insekt über dem Brandgebiet. Die Piloten halten Ausschau nach Brandnestern, die der Wind jederzeit wieder anfachen könnte. Am Boden patrouillieren Soldaten.

Alarmmeldungen werden per SMS verschickt

Von vielen Gebäuden stehen nur noch die russgeschwärzten Mauern. Am Ortsrand von Ano Varibobi stochert ein Mann mit einem Feuerhaken in den verkohlten Resten seiner Schreinerwerkstatt. «Alles verbrannt», sagt er mutlos, «alles verloren – in einer Nacht».

Bisher hat erst ein Mensch in den Bränden sein Leben verloren. Das ist vor allem dem griechischen Alarmsystem zu verdanken. Man verlässt sich nicht auf altertümliche Sirenen. Alarmmeldungen werden als SMS und schrille akustische Signale auf die Mobiltelefone verschickt. So können die Menschen lokal gezielt vor drohenden Gefahren gewarnt und zur Evakuierung aufgefordert werden. Zugleich bekommen sie per Textnachricht präzise Angaben über sichere Fluchtrouten. Entwickelt wurde das Verfahren nach der Brandkatastrophe im Athener Vorort Mati, wo vor drei Jahren über 100 Menschen starben.

Immer wieder flammen während heisser Sommer in Griechenland Brände auf. Aber so verheerend wie jetzt wüteten die Feuer noch nie. Nach einer Berechnung des Europäischen Waldbrand-Informationssystems EFFIS sind in Griechenland in diesem Jahr bis zum 5. August schon fast doppelt so viele Wälder abgebrannt wie im Durchschnitt der Jahre 2008 bis 2020. «Der August wird ein Monat der Alpträume», warnt Efthymios Lekkas, Professor für Geologie und Katastrophenmanagement an der Kapodistrias-Universität Athen.

Vielerorts habe man während der jüngsten Hitzewelle Bodentemperaturen von 65 Grad gemessen, während die Luftfeuchtigkeit auf Werte von zehn bis 15 Prozent gefallen sei, berichtet Lekkas. Das könne zu «explosionsartigen Bränden» führen. Gegen solche Feuerstürme mit Temperaturen von 600 Grad und mehr können auch Löschflugzeuge wenig ausrichten. Das Wasser, das sie abwerfen, verdunstet zum grössten Teil, bevor es die Flammen erreicht.

Auch Süditalien und die Türkei im Griff der Feuer

Während sich die Lage bei Athen am Sonntag entspannte, gab es andernorts in Griechenland noch keine Entwarnung. Auf der Insel Euböa tobten riesige Feuerfronten. Dutzende Dörfer wurden evakuiert. Fischerboote, Fähren und Schiffe der Küstenwache nahmen Tausende Menschen an den Stränden auf, weil es keine anderen Fluchtwege mehr gab.

Auch in Süditalien sind die Sorgen weiterhin gross. «Ein weiteres Mal befinden sich die geschützten Naturareale im Klammergriff verheerender Brände», erklärte der Präsident des Verbands für Parks und Naturreservate Federparchi, Giampiero Sammuri. Betroffen seien der Aspromonte Nationalpark im süditalienischen Kalabrien und der Parco delle Madonie nahe der sizilianischen Hauptstadt Palermo.

Die Türkei kämpft derweil schon den zwölften Tag in Folge gegen die schwersten Waldbrände seit mehr als zehn Jahren. Mindestens sechs Brände waren am Sonntag noch nicht unter Kontrolle. Die Einsatzkräfte konzentrierten sich auf die südwesttürkische Provinz Mugla. Dort brach der Nachrichtenagentur Anadolu zufolge ein weiteres Feuer in der Nähe des internationalen Flughafens Dalaman aus. Von einer Beeinträchtigung des Reiseverkehrs war zunächst nichts bekannt.

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