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Wer sich freiwillig nicht impfen lässt, soll für die Kosten von Schnelltests selber aufkommen. Das fordert die FDP. Während die GLP eine Verteilung der Kosten diskutierbar findet, stösst der Vorschlag bei der SVP auf Unverständnis.

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Im Club oder an Grossveranstaltungen: Bei einigen Veranstaltungen erfolgt Einlass nur mit einem Covid-Zertifikat. Dieses erhält man durch die Impfung, den Genesenen-Status oder einem negativen Covid-Test-Resultat.

Im Club oder an Grossveranstaltungen: Bei einigen Veranstaltungen erfolgt Einlass nur mit einem Covid-Zertifikat. Dieses erhält man durch die Impfung, den Genesenen-Status oder einem negativen Covid-Test-Resultat.

20min/Michael Scherrer

Die Kosten für die Schnelltests für asymptomatische Ungeimpfte übernimmt aktuell der Bund.

Die Kosten für die Schnelltests für asymptomatische Ungeimpfte übernimmt aktuell der Bund.

20min/Vanessa Lam

Die FDP fordert nun in einer Mitteilung, dass die Kosten für Schnelltests von asymptomatischen Ungeimpften selber bezahlt werden. Für symptomatische Ungeimpfte sowie solche, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können, soll der Schnell-Test gratis bleiben.

Die FDP fordert nun in einer Mitteilung, dass die Kosten für Schnelltests von asymptomatischen Ungeimpften selber bezahlt werden. Für symptomatische Ungeimpfte sowie solche, die sich aus gesundheitlichen Gründen nicht impfen lassen können, soll der Schnell-Test gratis bleiben.

20min/Taddeo Cerletti

  • Die FDP fordert das Ende der kostenlosen Selbsttests für Ungeimpfte.

  • Die Massnahme soll Kosten senken und die Impfquote steigern.

  • GLP-Nationalrat Jürg Grossen findet eine Kostenaufteilung «diskutierbar».

  • Die SVP spricht sich gegen die Massnahme aus.


Keine Gratistests für Ungeimpfte: Wer ungeimpft und nicht-genesen ist, erhält ein Covid-Zertifikat nur mit einem negativen PCR- oder Schnelltest-Resultat. Aktuell müssen ungeimpfte asymptomatische Personen diese Schnelltests nicht aus der eigenen Tasche bezahlen, denn die Kosten werden vom Bund übernommen. Das soll sich gemäss der FDP aber ändern. In einer Mitteilung fordern sie, dass «Personen, die sich impfen lassen könnten und asymptomatisch sind, die Schnelltests künftig selbst bezahlen».

Mit der Forderung soll unter anderem der Verlangsamung der Durchimpfungsrate in der Schweiz entgegengewirkt werden, wie die FDP in der Mitteilung schreibt: «Etliche Personen bevorzugen, manchmal auch mehrfach, kostenlose Antigen-Schnelltests anstelle der Covid-19-Impfung.» Es müssten nun möglichst rasch Massnahmen ergriffen werden, um der Verlangsamung des Impf-Tempos entgegenzuwirken und weitere flächendeckende Schliessungen zu vermeiden.

Auch eine Kostensenkung stehe im Vordergrund

Auf Anfrage sagt FDP-Vizepräsident Andrea Caroni, dass es bei der Forderung zudem auch um Kostenwahrheit gehe: «Für die Allgemeinheit kommen die Kosten für die regelmässigen Schnelltests teurer zu stehen als für eine Impfung.» Gemäss Caroni haben ungeimpfte Getestete sowie Genese ein höheres Ansteckungsrisiko als Geimpfte. «Wer sich bewusst nicht impfen lässt, obwohl er die Möglichkeit dazu hätte, soll auch die Mehrkosten selber tragen.»

In den meisten Kantonen ist die Impfquote bei der jungen Bevölkerungsgruppe tiefer als bei der älteren – ein Verbot würde also vor allem auch einkommensschwache Jugendliche und junge Erwachsene betreffen, die öfters Veranstaltungen besuchen, bei denen ein Covid-Zertifikat für den Einlass zwingend ist, als ältere Personen. Dazu sagt Caroni: «Die Impfung ist auch für die Jungen eine Gratislösung. Wenn sie diese nicht in Anspruch nehmen möchten, müssten halt auch sie bezahlen.»

Einem Impf-Obligatorium käme die Kostenüberwälzung der Schnelltests auf Privatpersonen aber nicht gleich, so Caroni: «Es geht nicht ums Hindrängen zur Impfung. Ob man sich impfen lässt oder nicht soll ein eigenverantwortlicher Entscheid bleiben.» Dass sich durch eine Umsetzung der Forderung wohl einige Personen, die sich bis anhin aus Bequemlichkeit nicht impfen liessen, dies trotzdem tun würden, sei aber aus Sicht der Allgemeinheit als «positiver Nebeneffekt» zu gewichten.

Caroni findet zudem, dass sämtliche Einschränkungen – inklusive Covid-Zertifikat – fallen sollten, sobald alle die Möglichkeit zur Impfung hatten. «Solange das nicht der Fall ist, soll man die Mehrkosten der durch den Bund verordneten Massnahmen selbst tragen.»

GLP-Nationalrat findet volle Kostenübernahme unangebracht

Für GLP-Nationalrat Jürg Grossen sei eine solche Massnahmen diskutierbar, sobald alle Schweizer und Schweizerinnen Zugang zur vollständigen doppelten Impfung gehabt haben: «Eine volle Kostenübernahme durch Privatpersonen finde ich aber nicht angebracht. Jedoch wäre es eine Möglichkeit, dass ungeimpfte Privatpersonen einen Teil der Kosten selbst tragen.» Gemäss Grossen könnte auch eine Verteilung der Kosten zu einer Erhöhung der Impfquote führen: «Das liegt im Interesse des Bundes und der Allgemeinheit.»

Bei der SVP hingegen unterstützt man die Forderung nicht. So findet SVP-Nationalrätin Nadja Umbricht-Pieren: «Man darf Ungeimpfte nicht mit zusätzlichen Kosten diskriminieren und eine indirekte Impfpflicht einführen. Das wäre insbesondere für einkommensschwache junge Personen, die oft an Veranstaltungen gehen, wo ein Covid-Zertifikat für den Einlass erforderlich ist, eine Bestrafung.» Es sei verständlich, dass man wieder zur Normalität zurückkehren möchte: «Das gesellschaftliche Leben muss aber auch Ungeimpften ohne Kostenmehraufwand zur Verfügung stehen.»

«Es braucht Aufklärung statt Bestrafungsmassnahmen»

Ausserdem bezweifelt sie, dass sich dadurch die Impfquote steigern lasse: «Personen, die sich aus persönlichen Überzeugungen nicht impfen lassen, würden es auch wegen dieser Massnahme nicht tun.» Ausserdem bestehe dann die Gefahr, dass sich Ungeimpfte weniger testen liessen und sich Partys und Veranstaltungen ins private Umfeld verlagern würde: «Das wäre kontraproduktiv und könnte die Fallzahlen wieder ansteigen lassen. Ausserdem würde es der der Test-Strategie des Bundes widersprechen.»

Um die Impfquote zu steigern, sollte man stattdessen auf Aufklärung setzen, so Umbricht-Pieren: «Man muss der Bevölkerung die Vorteile der Impfung nahebringen, statt Bestrafungsmassnahmen einzuführen.»

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«Auch die Jungen müssten die Schnelltests selber bezahlen»
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