Aus Angst vor den Taliban: Bundeswehr will Helfer evakuieren

20 Jahre arbeitete die Bundeswehr in Afghanistan. Unterstützt von hunderten lokalen Helfern. Die fürchten nun um die Rache der Taliban. Die Bundeswehr will die Leute nun ausfliegen.

Ein Transportflugzeug vom Typ Airbus A400M der Luftwaffe: Mit diesen Maschinen sollen Helfer aus Afghanistan ausgeflogen werden.

Ein Transportflugzeug vom Typ Airbus A400M der Luftwaffe: Mit diesen Maschinen sollen Helfer aus Afghanistan ausgeflogen werden.

Hauke-Christian Dittrich / dpa-Pool

Die Bundeswehr will an diesem Sonntag in einer spektakulären Aktion lokale Bundeswehr-Helfer und diplomatisches Personal aus der von den radikal-islamistischen Taliban-Kämpfern umzingelten afghanischen Hauptstadt Kabul evakuieren. Zunächst hiess es, dass die Aktion erst am Montag beginnen soll.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer

Keystone/DPA/

Jörg Carstensen

Laut dem Verteidigungsministerium sollen mehrere Transportmaschinen vom Typ A400 M zum Einsatz kommen. Um die Soldaten und die Menschen zu schützen, soll der Einsatz von Fallschirmjägern abgesichert werden. «Es hat jetzt absolute Priorität, dass wir die zu Schützenden sicher nach Deutschland bringen», sagte die deutsche Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) am Samstag.

Kritik wegen Umgang mit afghanischen Helfern

Die Bundeswehr steht insbesondere wegen des Umgangs mit hunderten lokalen Helfern seit Wochen in der Kritik. Ende Juni sind die letzten Bundeswehr-Soldaten samt Equipment in Deutschland eingetroffen, das Ende eines 20-jährigen Einsatzes im Norden des Landes. Selbst Innenminister Horst Seehofer (CSU) bezeichnet die Mission am Sonntag als gescheitert.

Bei ihrem raschen Abzug hat die Bundeswehr das Schicksal hunderter von afghanischen Ortskräften offenbar zu wenig bedacht – von Afghanen also, die in den letzten Jahren direkt bei der Bundeswehr angestellt oder via Subunternehmen für das deutsche Militär als Köche, Übersetzer, Fahrer oder Informanten gearbeitet hatten.

Verräter in den Augen der Taliban

In den Augen der vorrückenden Taliban-Kämpfern handelt es sich bei diesen Landsleuten um Verräter. Die lokalen Bundeswehr-Helfer fürchten um die Rache der radikalen Islamisten. «Wenn die Taliban mich kriegen, bringen sie mich sofort um», sagte ein in Afghanistan zurückgelassener Helfer kürzlich gegenüber dem «Spiegel».

Zwar konnten inzwischen etwa 1800 lokale Ortskräfte in Deutschland in Sicherheit gebracht werden. Allerdings gelten mindestens 1500 in Afghanistan zurückgelassene Ortskräfte und ihre Familien heute als enorm gefährdet.

Hat die deutsche Regierung die Entwicklungen unterschätzt?

Deutschland sieht sich unter anderem dem Vorwurf ausgesetzt, die Gefahr für die lokalen Helfer und das Tempo des Taliban-Vormarsches unterschätzt zu haben. Zudem sind die bürokratischen Hürden für die Afghanen hoch. Um von Deutschland zumindest vorübergehenden Schutz zu bekommen, mussten die Menschen in dem Bürgerkriegsland eine Bedrohung durch die Taliban erst nachweisen.

«Es ist unfassbar viel Zeit verloren gegangen», äusserte sich die Friedens- und Konfliktforscherin Hannah Neumann. «Man hat unfassbare bürokratische Vorgänge aufgebaut. Und ich befürchte, dass es für einzelne der Ortskräfte jetzt einfach zu spät sein wird. Und auch das sind unsere deutschen Toten in Afghanistan.» Immerhin hier soll die Hilfe nun rascher erfolgen, kündigte Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer letzte Woche an. Die Detailprüfung über eine mögliche Bedrohungslage für lokale Helfer und deren Familien solle nun erst in Deutschland selbst vorgenommen werden.

Nicht nur lokale Helfer sollen aus dem Land gebracht werden, auch deutsche Diplomaten und deren Mitarbeiter. «Oberstes Gebot ist jetzt die Sicherheit unseres Botschaftspersonals. Wir werden nicht riskieren, dass unsere Leute den Taliban in die Hände fallen», sagte Aussenminister Heiko Maas.

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