Beauty-Konzern verbannt den Begriff «normal» – Coop zögert, doch die Migros findet’s «spannend»

Der britische Konsumgüter-Riese Unilever ändert die gängigen Bezeichnungen von Hautcrèmes und Beauty-Artikeln, um niemanden auszuschliessen. Die Schweizer Detailhändler äussern sich unterschiedlich dazu.

Welche Haut ist «normal»? Bei Beauty-Konzernen findet ein Umdenken statt.

Welche Haut ist «normal»? Bei Beauty-Konzernen findet ein Umdenken statt.

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Der britische Konsumgüterkonzern Unilever – bekannt für Marken wie «Dove», «Vaseline» oder «Axe» – verzichtet künftig auf den Begriff «normal» für die Beschreibung von Pflegeprodukten. Der Entscheid, den die Firma am Dienstag kommunizierte, soll dafür sorgen, dass sich Menschen nicht ausgeschlossen fühlen. Rund 200 Haar- und Hautpflegeprodukte werden künftig umbenannt, auf denen es heute zum Beispiel heisst «für normale Haut».

«Wir sind entschlossen, schädliche Normen und Stereotypen zu bekämpfen und eine breitere, inklusivere Definition von Schönheit zu formen», liess sich Sunny Jain, Chef der Schönheits- und Pflege-Sparte von Unilever in der Mitteilung zitieren.

Coop überprüft Sortiment regelmässig

Und was machen die beiden Schweizer Detailhändler Migros und Coop, deren Industriebetriebe zahlreiche Shampoos, Bodylotions und Handcrèmes selbst herstellen? Auf Anfrage geben sich die Grossverteiler zurückhaltend. So schreibt eine Coop-Sprecherin auf die Frage, inwiefern man einen ähnlichen Schritt wie Unilever prüfe, bloss: «Wir überprüfen unser Sortiment und die Produktbezeichnungen regelmässig.» Erst auf Nachfrage sagt sie, dass zurzeit keine Anpassungen geplant seien. Bei den Coop-Eigenmarken wie zum Beispiel Naturaline weisen 15 Produkte den Begriff «normal» auf.

Ein Migros-Sprecher sagt, man orientiere sich an den gängigen Standards in der Branche in Bezug auf Beauty-Produkte. Allerdings bezeichnet er den Schritt von Unilever als «interessanten Ansatz». «Die Migros wird diese Entwicklung genau verfolgen.» Dies gelte für die Produktbeschreibung wie auch für die Bildbearbeitung. Wie viele Migros-Pflegeprodukte die Bezeichnung «normal» aufweisen, könne man nicht sagen, da man dazu keine Statistik führe.

Vor zweieinhalb Jahren hat die Migros intern eine neue Stelle geschaffen mit dem Namen «Diversity & Inclusion» (zu Deutsch: Diversität und Inklusion), um die Gleichberechtigung und Integration aller Personen zu fördern, unabhängig ihrer Hautfarbe, Ethnie, Religion, Behinderung, sexuellen Orientierung, ihres Alters, Geschlechts oder Geschlechteridentität (diese Zeitung berichtete).

Kein Photoshop mehr für Models

Unilever hat zudem angekündigt, bei der Werbung künftig auf Photoshop zu verzichten, um Körperformen, Proportionen oder die Hautfarbe zu ändern. Diese digitale Bearbeitung von Fotos von Models hat in der Vergangenheit mehrfach für Kritik gesorgt. Vermehrt sollen auch Menschen von unterschiedlichen, unterrepräsentierten Gruppen in der Werbung zum Zug kommen, um Stereotypen zu bekämpfen.

Bei Coop heisst es in Bezug auf die Werbung, dass man Photoshop «überwiegend» zur Optimierung der Lesbarkeit und der Lichtverhältnisse von Produktbildern einsetze. Inwiefern die nachträgliche Retouchierung bei Models verwendet wird, und ob Coop plant, dies zu stoppen, sagt die Sprecherin nicht.

Im vergangenen Jahr, als weltweit «Black Lives Matter»-Proteste stattfanden, reagierte Unilever unter Druck auch bei seinen Beauty-Crèmes «Fair & Lovely», welche die Haut aufhellen sollen. Der Konzern kündigte an, künftig bei der Bewerbung dieser Produkte, die vor allem im asiatischen Raum gefragt sind, auf Bezeichnungen wie «weiss machend» oder «aufhellend» zu verzichten. Anstatt «Fair & Lovely» (zu Deutsch: hell und liebreizend), heisst die Marke nun «Glow & Lovely» (leuchtend und liebreizend).

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