Biden beschliesst einen «diplomatischen Boykott» der Olympischen Winterspiele in China – US-Athletinnen und Athleten dürfen aber weiterhin teilnehmen

Mit Verweis auf die Menschrechtsverletzungen der chinesischen Regierung kündigt US-Präsident Joe Biden einen Boykott von «Peking 2022» an. Mikaela Shiffrin und Konsorten sind von dieser Entscheidung aber nicht betroffen.

Die Amerikanerin Mikaela Shiffrin darf weiterhin an den Olympischen Winterspielen in Peking teilnehmen, auch wenn die US-Regierung die Wettkämpfe boykottieren wird.

Die Amerikanerin Mikaela Shiffrin darf weiterhin an den Olympischen Winterspielen in Peking teilnehmen, auch wenn die US-Regierung die Wettkämpfe boykottieren wird.

Nick Didlick / EPA

Washington setzt ein Zeichen: Wenn am 4. Februar 2022 in Peking die 24. Olympischen Winterspiele beginnen, dann wird kein Vertreter der Regierung von Präsident Joe Biden der Zeremonie beiwohnen. Auch sollen keine offiziellen Delegationen aus Amerika den mehr als 100 Wettkämpfen zuschauen. Das Weisse Haus habe sich entschieden, aufgrund der anhaltenden Menschenrechtsverletzungen der chinesischen Regierung eine «klare Botschaft» zu senden, sagte Sprecherin Jen Psaki am Montag. Angesichts «des Genozids» an der muslimischen Minderheit der Uiguren könne die amerikanische Regierung nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.

Die Biden-Sprecherin betonte allerdings auch, dass «Team USA» von diesem Boykott nicht betroffen sei. «Wir sind nicht der Meinung, dass es angebracht wäre, Athleten zu bestrafen», sagte Psaki. Will heissen: Die amerikanischen Athletinnen und Athleten dürfen weiterhin nach China reisen, um sich dort mit anderen Spitzensportlern zu messen. «Sie haben unsere volle Unterstützung», sagte Psaki – aber der Präsident, seine Minister und Vertreter des diplomatischen Korps würden ihnen halt von zu Hause aus zujubeln. (Beim U.S. Olympic and Paralympic Committee, dem amerikanischen olympischen Verband, handelt es sich um eine regierungsunabhängige Organisation.)

Joe Biden boykottiert die Olympischen Spiele im kommenden Jahr in der chinesischen Hauptstadt Peking.

Joe Biden boykottiert die Olympischen Spiele im kommenden Jahr in der chinesischen Hauptstadt Peking.

Jim Lo Scalzo / EPA

Carter beschloss vollständigen Boykott im Jahr 1980

Damit unterscheidet sich der geplante US-Boykott von Peking 2022 von einer ähnlichen Aktion der amerikanischen Regierung im Jahr 1980. Damals rief Präsident Jimmy Carter, wie Biden ein Demokrat, nach der Invasion der sowjetischen Armee in Afghanistan, zu einem vollständigen Boykott der Olympischen Sommerspielen in Moskau auf.

Der amerikanische olympische Verband, eine regierungsunabhängige Organisation, entschied in der Folge, mit 1604 zu 797 Stimmen, diesen Boykottaufruf zu befolgen. 61 Nationen schlossen sich schliesslich diesem Protest Washingtons an, und verzichteten darauf, ihre Athletinnen und Athleten in die Sowjetunion reisen zu lassen. (Im Gegenzug boykottierte der damals noch existierende Ostblock dann die Sommerspiele 1984 in Los Angeles.)

Das offizielle China reagierte in einer ersten Stellungnahme scharf auf die Entscheidung Bidens: Für «politische Selbstdarstellung und Manipulation» habe es an den Winterspielen keinen Platz, sagte ein Sprecher des Aussenministeriums. Auch hätten die amerikanischen Regierungsvertreter einen Boykott der Wettkämpfe beschlossen, ohne überhaupt eine Einladung zu besitzen. Damit verstosse Washington gegen den Geist der olympischen Bewegung.

Innenpolitisch allerdings stiess die Entscheidung Bidens auf Zustimmung. So sprach der republikanische Senator Mitt Romney, Geschäftsführer des Organisationskomitees der Winterspiele in Salt Lake City (Utah) im Jahr 2002, dem Präsidenten Lob aus.

The Administration is right to refuse diplomatic presence at the Beijing Olympics: America will not turn a blind eye to China’s predation, persecution, and genocide.

— Mitt Romney (@MittRomney) December 6, 2021

Biden beschliesst einen «diplomatischen Boykott» der Olympischen Winterspiele in China – US-Athletinnen und Athleten dürfen aber weiterhin teilnehmen
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