Spenden und Beteiligungen

Bill Gates’ verlängerter Arm in der Schweiz – in diese Organisationen und Firmen fliessen seine Milliarden

Trotz ihrer Scheidung wollen Bill und Melinda Gates ihre milliardenschwere Stiftung zusammen weiterführen. Diese unterstützt auch zahlreiche Institutionen in der Schweiz.

Melinda und Bill Gates am World Economic Forum (WEF) in Davos im Januar 2015.

Melinda und Bill Gates am World Economic Forum (WEF) in Davos im Januar 2015.

Jean-Christophe Bott / EPA

Der Microsoft-Gründer Bill Gates, der aktuell wegen seiner Scheidung von Melinda Gates in den Schlagzeilen steht, ist einer der reichsten Menschen der Welt. Lange führte er die Forbes-Liste an, inzwischen ist er mit seinem Vermögen von aktuell 125,6 Milliarden US-Dollar auf den vierten Platz gerutscht, hinter den Luxusmarken-Besitzer Bernard Arnault (3), Tesla-Gründer Elon Musk (2) und Amazon-Gründer Jeff Bezos (1).

Sein Privatvermögen verwaltet Gates hauptsächlich über eine Asset-Management-Firma namens Cascade Investment. Sie ist eine der weltweit grössten Beteiligungsgesellschaften und vermehrt sein Vermögen mit Investitionen und Firmenbeteiligungen. Das übergeordnete Ziel dieser Wertvermehrungsmaschinerie: Geld zu erwirtschaften, das dann über die Bill & Melinda Gates Stiftung gemeinnützig eingesetzt werden kann. Mit rund 46,8 Milliarden US-Dollar ist sie die grösste private Stiftung der Welt.

Bill Gates bei einer Rede 2019.

Bill Gates bei einer Rede 2019.

Ludovic Marin / AP

Die Schweiz spielt in dieser Maschinerie ebenfalls eine Rolle – sowohl auf der Seite der Beteiligungen als auch auf der Seite der Spenden. Im Folgenden eine nicht vollständige Übersicht über Schweizer Firmen und Institutionen, die für den Milliardär Gates weiteres Geld generieren oder in den Genuss des Geldsegens kommen:

Beteiligungen an Schweizer Unternehmen

  • Sika: Seit rund 15 Jahren sind Bill und Melinda Gates über ihr Beteiligungsvehikel Cascade Investment und die Bill & Melinda Gates Foundation mit 5.3 Prozent am Baarer Bauchemiehersteller Sika beteiligt. Dabei hat sich der zweitgrösste Aktionär nicht als stiller Teilhaber verhalten. Zusammen mit dem Sika-Management haben sich Bill und Melinda Gates gegen den Verkauf der Firma an den französischen Konzern Saint Gobain gewehrt. Mit Erfolg. Die feindliche Übernahme wurde abgewehrt. Mit Justin Howell sitzt seit 2018 ein Vertreter von Melinda und Bill Gates im Sika-Verwaltungsrat.
  • Givaudan: Mit 13,86 Prozent ist Cascade Investments zweitgrösster Investor des Genfer Herstellers von Aromen und Riechstoffen. Im Februar 2011 hatte Givaudan erstmals eine Beteiligung von Bill Gates von 3,3 Prozent vermeldet. Seither hat seine Stiftung die Anteile an Givaudan sukzessive ausgebaut. 
  • Microsoft Schweiz: Bill Gates hat seinen Reichtum bekanntlich als Microsoft-Gründer gemacht. Inzwischen hat er sich aus dem Unternehmen praktisch zurückgezogen, vor einem Jahr legte er sein Verwaltungsratsmandat nieder. Er bleibt dem IT-Konzern aber als Berater erhalten. Die hiesige Niederlassung Microsoft Schweiz beschäftigt 620 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und hat Standorte in Wallisellen (Hauptsitz), Genf, Bern und Zürich. 17 Prozent der Arbeitsplätze in der Schweizer IT-Branche (ohne Hardware) stammen laut Firmenangaben aus dem Microsoft-Partner-Netzwerk.

Spenden an Schweizer Institutionen und Mandate

  • WHO: Die in Genf ansässige Weltgesundheitsorganisation WHO wird mittlerweile zu 80 Prozent von privaten Geldgebern und Stiftungen finanziert. Grösster privater Geldgeber ist die Bill und Melinda Gates Stiftung. Seit der Jahrtausendwende hat die Gates-Stiftung der WHO laut einer Sendung des Südwestrundfunks insgesamt 2,5 Milliarden Dollar gespendet. Insgesamt gibt die Stiftung jährlich vier Milliarden Dollar aus. Das Geld fliesst in einen Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria, in die medizinische Forschung und in Impf-Partnerschaften mit Pharmakonzernen. Während die grossen Verdienste der Stiftung weltweit anerkannt werden, wird auch kritisiert, dass Gates so seine Vorstellung von Gesundheitsförderung durchsetzt. Und: Seine Milliarden erwirtschaftet er teils in bestimmten Branchen, die mit krankmachenden Bedingungen zu tun haben. Etwa mit Pepsi und Coca Cola, die Zucker-Getränke aggressiv bewerben.
  • Swissmedic: Das Schweizerische Heilmittelinstitut Swissmedic erhält regelmässig erhebliche Geldsummen von der Stiftung. Im Februar 2020 verpflichten sich beide Seiten, für weitere drei Jahre die Aufsichtsbehörden in ressourcenarmen Ländern zu fördern und so den beteiligten Ländern einen besseren Zugang zu medizinischer Versorgung zu ermöglichen. Das Gates-Ehepaar unterstützte Swissmedic 2020 mit 2 Millionen Franken, wie das Konsumentenmagazin «Saldo» schrieb. Diesbezüglich wurde aber auch schon Kritik laut und die Unabhängigkeit von Swissmedic infrage gestellt – allen voran, weil Gates ein grosser Investor im Impf-Business sei. Swissmedic konterte, dass die Beiträge zweckgebunden seien und etwa für Trainings und Schulungen eingesetzt würden. 
  • Tropeninstitut und Wasserforschung: Im vergangenen Jahrzehnt erhielt das Eidgenössische Tropeninstitut von der Gates-Stiftung knapp 38 Millionen Franken. Das Eidgenössische Institut für Wasserforschung (Eawag) erhielt 14,1 Millionen Franken. Beide Institute versichern, von der Stiftung unabhängig zu sein. 
  • Am World Economic Forum WEF in Davos ist Bill Gates ein regelmässiger Gast. zuletzt sprach er am virtuellen WEF darüber, wie Unternehmen ihre CO2-Emissionen kompensieren können – etwa indem sie Bäume pflanzen oder klimafreundliche Projekte unterstützen. Klimaaktivisten kritisierten ihn danach. Diese Praxis sei «Greenwashing». Gemeinsam traten Melinda und Bill Gates 2015 in Davos auf.
  • Laut der Steuererklärung der Stiftung des Ehepaars aus dem Jahr 2019 wurden über 200 Spenden an Schweizer Institutionen getätigt. Darunter an die ETH Zürich, die Syngenta-Stiftung oder Terre des Hommes.

Bill Gates’ verlängerter Arm in der Schweiz – in diese Organisationen und Firmen fliessen seine Milliarden
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