«Chaos-Paar» in Balterswil floh, als die Polizei kam – und hinterliess eine zerstörte Wohnung

Am Montag umstellte die Polizei den Anbau zur Liegenschaft des «Heaven Music Club» in Balterswil. Dessen Besitzer hatte die Polizei gerufen, um die Ausweisung der Mieter im zweiten Anlauf durchzusetzen. Die Mieter waren polizeibekannt. 55-mal rückten Polizeikräfte wegen heftiger Streitereien zu dieser Liegenschaft aus.

Die Polizei umstellte am Montag die Wohnung in Balterswil, die zwangsgeräumt werden sollte. Die Mieter waren schon verschwunden.

Die Polizei umstellte am Montag die Wohnung in Balterswil, die zwangsgeräumt werden sollte. Die Mieter waren schon verschwunden.

Bild: Christof Lampart

Kommen Kinder ins Spiel, so wird manch einer nachlässig. Auch dem Balterswiler Gastronomen Alfred «Freddy» Weibel, Inhaber des bekannten «Heaven Music Club» und Besitzer des angrenzenden Wohnblocks, erging es nicht anders. Als Mitte Januar 2021 ein Paar mit seinen drei Kindern, im Alter von fünf, sieben und neun Jahren, bei ihm aufkreuzte und fragte, ob es die 4,5-Zimmer-Maisonette im Dorfzentrum mieten könne, sagte er schnell Ja. Denn:

«Wenn es um das Wohl von Kindern geht, dann ist man ja schnell bereit, Hilfe anzubieten.»

Das sagt Freddy Weibel, der selbst fünf Kinder hat. Heute weiss der Wirt: Hätte er nicht allzu sehr den unschuldigen Kinderaugen geglaubt, sondern vielmehr einen Strafregisterauszug der mehrfach vorbestraften Eltern verlangt, dann wären ihm sehr viel Ärger und ein grosser finanzieller Schaden erspart geblieben.

Die Polizei rückte 55-mal aus

Unmittelbar nach dem Einzug des Paares gab es schon die ersten Probleme. «Bereits am ersten Tag kam es zu einem so heftigen Streit, dass die Polizei gerufen werden musste», erinnert sich Weibel. Wäre es dabei geblieben, dann hätte man wohl nur von einer unangenehmen Episode gesprochen. Doch im Verlauf des nächsten halben Jahres sollte die Polizei nicht weniger als 55 weitere Male wegen des Paares ausrücken.

Als die Miete ausblieb, die nur anfangs und in geringem Umfang bezahlt worden war, ersuchte Weibel am 14. April beim Bezirksgericht Münchwilen um Mieterausweisung. Das Gericht entsprach dem am 7. Juli. Die Mieter hätten die Wohnung innert 20 Tagen räumen und Weibel übergeben müssen. Was sie jedoch nicht taten. Stattdessen wurde auch von aussen her immer mehr ersichtlich, dass das Paar die Wohnung verlottern liess. In der Zwischenzeit waren nämlich mehrere Scheiben zu Bruch gegangen, ohne dass diese ersetzt oder die Löcher zumindest repariert wurden.

Langjähriger Mieter kündigte wegen Chaos-Paar

Der Schaden, den das Paar anrichtete, nahm immer grössere Dimensionen an. Denn aufgrund des rücksichtslosen Verhaltens kündigte auch ein langjähriger Mieter und direkter Nachbar der Chaoten seine Wohnung – 27 Jahre habe er dort zufrieden gewohnt.

Der zugemüllte Balkon der Maisonette-Wohnung in Balterswil.

Der zugemüllte Balkon der Maisonette-Wohnung in Balterswil.

Bild: Christof Lampart

Als die Polizei am 28. Juli zu viert für die Zwangsräumung der Wohnung anrückte, verbarrikadierte sich das Paar. Die Beamten brachen die Übung ab, da sie nicht sicher sein konnten, ob das Paar Gewalt anwenden würde. Am Montagmorgen, 2. August, kam es nun zum zweiten Anlauf. Acht Polizisten umstellten zuerst das Gebäude und drangen anschliessend, unterstützt von einem Schlüsseldienst, in die Wohnung ein. Dabei mussten sie die Türe im wahrsten Sinne des Wortes aufbrechen, denn das Paar hatte diese von innen her zugeschraubt. Weibel schüttelt den Kopf und sagt:

«Sie konnten somit nur noch durch den Balkon hinaus.»

Wohnung ist komplett zerstört

Was ihn aber noch viel schockierter zurückliess, war die Vermüllung und der Zerstörungsgrad der Wohnung. Denn überall lagen Abfälle, Essensreste und Scherben herum. In der Küche stapelte sich ungewaschenes Geschirr, im Bad war kaum ein Gerät mehr brauchbar. Ein sichtlich geschockter Alfred Weibel erklärte, dass er zwar mit einem Chaos und ein paar kaputten Scheiben gerechnet habe.

«Aber ganz sicher nicht mit so etwas. Diese Wohnung ist komplett zerstört.»

Wie gross der Schaden ist, zeigt ein weiteres Detail: Gut eine halbe Stunde nach der Zwangsöffnung brachte ein Lastwagen eine Entsorgungsmulde vorbei: Sie fasste nicht weniger als 28 Kubikmeter.

Freddy Weibel vor der Entsorgungsmulde – sichtlich erleichtert, dass der Albtraum jetzt vorbei ist.

Freddy Weibel vor der Entsorgungsmulde – sichtlich erleichtert, dass der Albtraum jetzt vorbei ist.

Bild: Christof Lampart

«Chaos-Paar» in Balterswil floh, als die Polizei kam – und hinterliess eine zerstörte Wohnung
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