Clinton, Bush, Obama, Trump und Biden: Wladimir Putin hat sie alle getroffen

Wladimir Putin ist seit 1999 an der Macht. Seine Treffen mit US-Präsidenten sind legendär. Auch Joe Biden hat er schon die Hand geschüttelt.

Vor 22 Jahren: Ein junger Wladimir Putin triff US-Präsident Bill Clinton in Neuseeland.

Vor 22 Jahren: Ein junger Wladimir Putin triff US-Präsident Bill Clinton in Neuseeland.

Stephen Jaffe / AFP

Treffen mit Bill Clinton

Wann: 12. September 1999

Wo: Am Gipfel der APEC-Länder in Auckland (Neuseeland)

«Die Korruption zerstört die russische Gesellschaft» (Clinton)

Als Bill Clinton erstmals auf Wladimir Putin traf, kurz nach dessen Berufung zum russischen Ministerpräsidenten, da war er nicht besonders beeindruckt. Immerhin nahm der US-Präsident zur Kenntnis, dass Putin «einen starken Kontrast» zu Boris Jelzin darstellte, dem russischen Präsidenten, mit dem sich Clinton ausgesprochen gut verstand. (Unvergessen ist der Lachanfall Clintons im September 1995 im Weissen Haus, als Jelzin betrunken die versammelten Journalisten als «Desaster» beschimpfte.) Vielleicht, sinnierte Clinton in seinen 2004 veröffentlichten Memoiren, sei Putin die bittere Arznei, die die einstige Supermacht benötige: Ein Politiker, der harte Arbeit schätze, und der den turbulenten Alltag in Russland in Griff bekomme. Zu diesem Zeitpunkt schien Putin allerdings die Ratschläge, die ihm Clinton auf dem Weg gegeben hatte, bereits vergessen zu haben. So sagte Clinton 1999: «Die Korruption zerstört die russische Gesellschaft.» Auch betonte der Amerikaner, wie «extrem wichtig» freie und faire Wahlen beim Aufbau einer Demokratie seien.

US-President George W. Bush und Wladimir Putin schütteln sich freundschaftlich die Hände.

US-President George W. Bush und Wladimir Putin schütteln sich freundschaftlich die Hände.

Sean Gallup / Getty Images North America

Treffen mit George W. Bush

Wann: 16. Juni 2001

Wo: In einem Schloss bei Ljubljana (Slowenien)

«Ich habe seine Seele gesehen» (Bush)

Nach dem Treffen von George W. Bush und seinem russischen Gegenüber schien alles möglich. Er habe Wladimir Putin in die Augen geschaut, sagte der amerikanische Präsident nach dem ersten Tête-à-Tête in Slowenien, und dabei die Seele eines Mannes gesehen, dem er vertrauen könne. Dies klang wie der Beginn einer wunderbaren Männerfreundschaft. 40 weitere Treffen und sieben Russland-Reisen folgten, doch allerspätestens im Sommer 2008, als russische Truppen in Georgien einmarschierten, begriff Bush, dass er sich getäuscht hatte. Nach seinem Rückzug ins Privatleben schrieb Bush in seinen Memoiren, dass der neugewonnene Wohlstand Russlands sich negativ auf Putin ausgewirkt habe. «Er wurde im Ausland aggressiv und zu Hause defensiver, was seine Verdienste anging.» Putin sei eben ein stolzer Mann, der sein Vaterland liebe, schlussfolgerte Bush. Dazu passt die Anekdote, dass Putin dem amerikanischen Präsidenten sein Hund Konni gezeigt habe. Der Labrador Retriever aus russischer Zucht sei «grösser, stärker und schneller» als Bushs Hund, ein Scottish Terrier, habe Putin geprahlt.

Trafen sich in der Nähe von Moskau: US-Präsident Barack Obama un der damalige Ministerpräsident Russlands Wladimir Putin.

Trafen sich in der Nähe von Moskau: US-Präsident Barack Obama un der damalige Ministerpräsident Russlands Wladimir Putin.

Shawn Thew / EPA

Treffen mit Barack Obama

Wann: 7. Juli 2009

Wo: In einer Datscha bei Moskau (Russland)

«Ich bin nur ein alter Wachmann» (Putin)

Als sich Barack Obama zum ersten Mal mit Wladimir Putin aussprach, residierte dieser gerade nicht im Kreml – in der ersten Amtszeit Obamas, von 2008 bis 2012, amtierte Putin über weite Strecken «bloss» als Ministerpräsident unter dem damaligen Präsidenten Dmitri Medwedew. Und obwohl Obama der neuen Machtbalance in Moskau nicht traute, glaubte er doch, dass er einen gewissen Spielraum besitze, um die bilateralen Beziehungen auf ein neues Fundament zu stellen. Putin allerdings hatte daran kein Interesse. Spätestens im Jahr 2011 liess er Medwedew auflaufen – nachdem dieser den Regimewechsel in Libyen befürwortet hatte. In der zweiten Amtszeit Obamas, die mit den russischen Cyber-Angriffen auf den US-Wahlkampf 2016 endete, gab es für den russischen Präsidenten dann kein Halten mehr. Im Gegenzug verhängte Obama scharfe Sanktionen gegen den Kreml. Den beiden habe es wohl am gegenseitigen Respekt gefehlt, sagte später ein Berater Obamas. In der Tat verglich der Amerikaner den Russen häufig mit einem Klassenflegel. Putin hingegen sah in Obama einen Intellektuellen ohne Bodenhaftung. «Ich bin nur ein alter Wachmann; sie sind ein studierter Mann», soll Putin einst zu Obama gesagt haben.

Am G20-Gipfel in Hamburg: Wladimir Putin und Donald Trump verstehen sich prächtig.

Am G20-Gipfel in Hamburg: Wladimir Putin und Donald Trump verstehen sich prächtig.

Agency / Anadolu

Treffen mit Donald Trump

Wann: 7. Juli 2017

Wo: Am G20-Gipfel in Hamburg (Deutschland)

«Es läuft gut» (Trump)

Von Beginn weg lag ein Schatten über der Präsidentschaft von Donald Trump: Der Verdacht, dass der Republikaner nur dank russischen Einmischungsversuchen das Rennen ums Weisse Haus gewonnen hatte – und er oder zumindest sein Beraterstab von diesem Assist des Kremls gewusst hätten. Obwohl sich letzterer Verdacht nie vollständig erhärten liess, sah sich Trump in seiner vier Jahre dauernden Amtszeit mit der Herausforderung konfrontiert, seine innenpolitischen Kritiker eines Besseren zu belehren, ohne dabei Russland aussenpolitisch zu provozieren. Seine Treffen mit Putin waren von diesem Spagat geprägt. So gab sich Trump am G20-Gipfel im Sommer 2017 dem Russen gegenüber servil und hob hervor, wie gut die Gespräche liefen. Ein Jahr später nahm er Putin in Helsinki (Finnland) gegen den Vorwurf in Schutz, der Kreml sei mitverantwortlich für seinen Sieg in der Präsidentenwahl. Und noch im vergangenen Jahr sagte Trump: «Ich schätze Putin. Er schätzt mich. Wir können es gut.» Derweil isolierte seine Regierung Russland auf der Weltbühne und verhängte mit einer gewissen Regelmässigkeit neue Wirtschaftssanktionen gegen das Regime.

Schüttelten sich schon 2011 die Hände: Der damalige US-Vizepräsident Joe Biden und Russlands Präsident Wladimir Putin.

Schüttelten sich schon 2011 die Hände: Der damalige US-Vizepräsident Joe Biden und Russlands Präsident Wladimir Putin.

Alexander Zemlianichenko / AP

Treffen mit Joe Biden

Wann: 10. März 2011

Wo: Im Weissen Haus in Moskau (Russland)

«Ich glaube nicht, dass Sie eine Seele haben» (Biden)

Joe Biden war von 2009 bis 2017, als er Barack Obama als Vize diente, der Ausputzer des Weissen Hauses. Der langjährige und weltgewandte Senator übernahm heikle Mandate, für die sein Chef keine Zeit oder keine Geduld hatte. So reiste Biden im Frühjahr 2011 nach Moskau, um sich mit dem damaligen Ministerpräsidenten Putin zu treffen. Während dieses Gesprächs soll der Amerikaner dem Russen klar gemacht haben, dass er kein Interesse an Nettigkeiten habe. «Ich glaube nicht, dass Sie eine Seele haben», sagte Biden angeblich zu Putin, eine Anspielung auf den Bush-Ausspruch aus dem Jahr 2001. Putin habe erwidert: «Wir verstehen uns.» Seit seiner Wahl zum Präsidenten hat Biden diese Kritik auch öffentlich wiederholt. So stimmte er der Einschätzung eines TV-Journalisten zu, Putin sei «ein Mörder». Sofern hinter diesem barschen Tonfall eine Strategie steckt, dann ist es wohl diese: Biden will verhindern, dass er in dieselbe Falle tritt, die Putin seinen Vorgängern stellte. Er will keine Zeit damit verschwenden, eine persönliche Beziehung aufzubauen, die sich dann im Krisenfall als nicht belastbar erweist.

Clinton, Bush, Obama, Trump und Biden: Wladimir Putin hat sie alle getroffen
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