Covid-Gratistests: Bundesrat knickt nicht ein – nun lanciert er eine Impfoffensive

Der Bundesrat bleibt standhaft: Ab dem 11. Oktober müssen asymptomatische Personen ihren Coronatest selber berappen. Um die Impfquote zu erhöhen, bläst die Landesregierung jetzt zur Impfoffensive.

Sollen Tests künftig kostenpflichtig werden? Darüber ist eine hitzige Debatte entbrannt. (Symbolbild)

Sollen Tests künftig kostenpflichtig werden? Darüber ist eine hitzige Debatte entbrannt. (Symbolbild)

Keystone

58 Prozent der Bevölkerung sind hierzulande vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Das sei eine der tiefsten Impfquoten in Europa. Aus Sicht des Bundesrates sind es zu viele Ungeimpfte, um die Krise zu beenden. Die Landesregierung hat am Freitag einen Plan für eine Impfoffensive vorgestellt. Dieser geht nun bei den Kantonen in die Konsultation. Der definitive Entscheid fällt am 13. Oktober.

Der Bundesrat möchte so viele unentschlossene Menschen wie möglich von einer Impfung überzeugt. Gesundheitsminister Alain Berset verwies vor den Medien auf Länder wie Spanien, Portugal oder Dänemark. Dort sei die Bevölkerung vor dem Winter weitgehend geimpft. Als Zielgrösse bei den 16- bis 64-Jährigen nannte er 80 Prozent. Dazu fehlten noch mindestens zehn Prozent. Vor Weihnachten werde diese Quote hierzulande kaum erreicht werden, betonte Virginie Masserey vom Bundesamt für Gesundheit (BAG).

Jetzt kommt die Impfoffensive des Bundesrats

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50-Franken-Gutschein für Impfberatung

Die Impfoffensive beruht auf verschiedenen Pfeilern: Neben einer nationalen Impfwoche und einem ausgebauten Beratungsangebot sollen 170 zusätzliche Impfbusse die Impfung direkt zu den Menschen bringen. Es gehe darum, einen möglichst niederschwelligen Zugang zu schaffen, so Berset.

Der Bundesrat möchte aber auch finanzielle Anreize schaffen. Wer jemanden zu einer Impfung motiviert, soll vom zuständigen Kanton einen Gutschein über 50 Franken erhalten. «Ich gestehe, es ist unkonventionell», bemerkte Bundesrat Berset. Aber es sei einfach ein Versuch, aus der Krise zu kommen.

Motivationsspritze: 50 Franken-Gutschein für erfolgreiche Impfberatung

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Die Impfoffensive lässt sich der Bundesrat 150 Millionen Franken kosten. Aus Sicht der Landesregierung ist das gerechtfertigt. Der Nutzen einer hohen Impfrate sei unbestritten. Gemäss BAG kann pro 100 Impfungen eine Hospitalisierung, pro 250 Impfungen eine Belegung auf der Intensivstation verhindert werden.

Bundesrat läutet Ende der Gratistests ein

Für den Bundesrat ist das eine nachhaltige Investition – auch im Vergleich zu den wöchentlichen Testkosten von 50 Millionen Franken. Am Freitag hat er nun das Ende der Gratistests eingeläutet: Ab Montag in einer Woche sind Coronatests nicht mehr in jedem Fall gratis.

Wer sich weiterhin nicht impfen lassen will, muss dann die Kosten aus dem eigenen Portemonnaie bezahlen, um ein Zertifikat zu erhalten. Gratis bleiben die Tests für Erstgeimpfte und Menschen mit Symptomen. Das Kalkül des Bundesrates: Impfzögerer sollen damit nochmals eine Chance für eine Impfung erhalten. Diese Übergangsregelung gilt bis Ende November.

Anreiz für repetitives Testen

Damit hält der Bundesrat an seinen letzte Woche präsentierten Vorschlägen fest. Bestärkt haben dürfte ihn auch das positive Echo der Kantone in der Konsultation. Es könne nicht Aufgabe der Allgemeinheit sein, die Testkosten für Impfunwillige zu bezahlen, hatte Berset bereits letzte Woche argumentiert.

Eine Ausnahme macht der Bundesrat für Jugendliche. Wer jünger als 16 Jahre ist, soll weiterhin nichts für die Coronatests bezahlen. Als Anreiz für repetitive Tests – etwa in Betrieben oder auch Universitäten– soll der Bund künftig auch die Ausstellung eines Covidzertifikats bezahlen. Heute verzichteten einige Anbieter darauf, weil die Kosten durch den Auftraggeber bezahlt werden müssen.

Bundesrat hält Druck stand

In den letzten Wochen war der Druck auf den Bundesrat gestiegen. Grund dafür ist ein Sinneswandel in der Politik. Im August hatte die Landesregierung noch mit Rückhalt der Parteien die Einführung der Kostenpflicht beschlossen. Seit der Ausweitung der Zertifikatspflicht hat der Wind jedoch gedreht.

Im Parlament sprachen sich die Parteien danach fast geschlossen für eine Beibehaltung von Gratistests aus. Einzig die FDP hielt an der Kostenpflicht fest. Erst letzte Woche forderte die Gesundheitskommission des Nationalrates den Bundesrat in einem Brief auf, dass der Bund die Kosten für Covid-Tests weiterhin übernehmen soll. Den Bundesrat hat das wenig beeindruckt. Er hörte auf die Kantone. Das Ende der Gratistests ist nun besiegelt.

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