Dammbruch: Die Alternative Bank Schweiz erhebt neu Negativzinsen für Kleinsparer

Die Geldpolitik der Nationalbank hat nun auch Folgen für die weniger Betuchten. Doch nicht nur die nachhaltig orientierte Kleinbank dreht an der Negativzinsschraube, auch die Konkurrenz verschärft die Regeln laufend.

Die Kunden der Alternativen Bank Schweiz müssen künftig einen Negativzins bezahlen.

Die Kunden der Alternativen Bank Schweiz müssen künftig einen Negativzins bezahlen.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Vorreitertum verpflichtet: Die Alternative Bank Schweiz (ABS) mit Sitz in Olten war die erste Bank, welche ab dem 1. April 2015 von ihren Kunden Negativzinsen verlangte. Nun ist sie die erste Bank, welche bereits auf kleineren Sparbeträgen Negativzinsen erheben will – und das pünktlich zum Nationalfeiertag: Ab dem 1. August senkt sie auf all ihren Konti den Basiszinssatz um 0,25 Prozentpunkte. Bis anhin sind Sparer mit einem Vermögen bis zu 50’000 Franken oder Auszubildende gar mit bis 100’000 Franken ohne Strafzins ausgekommen.

ABS-Aktionäre erhalten heute auf ihrem Alltagskonto sogar noch einen Zins von 0.025 Prozent. Neu müssen auch sie 0,225 Prozent Negativzins zahlen. Nicht betroffen von der Strafzinserhöhung sind Vorsorge- und Mietkautionskonti, Spar- und Anlagekonti für Kinder mit bis zu 75’000 Franken, Wertschriftenkonti mit bis zu 500’000 Franken und Vermögensverwaltungsmandate. Die auf Nachhaltigkeit getrimmte Kleinbank, die bewusst auf Rendite aus Geschäften verzichtet, die ihren sozialen und ökologischen Grundsätzen widersprechen, muss auch ökonomisch nachhaltig bleiben. «Wir haben den Entscheid schweren Herzens getroffen», sagt ABS-Sprecher Rico Travella.

Die Schwellenwerte zum Schutz vor Negativzinsen

Die ABS ist nicht die einzige Bank, die ihr Negativzinsregime verschärft. Auch bei der Postfinance müssen ab Juli alle tiefer in die Tasche greifen, die insgesamt mehr als 100’000 Franken auf ihren gelben Konti haben. Sie werden auf jedem zusätzlichen Franken, der über besagten Schwellenwert liegt, 0,75 Prozent Negativzins zu zahlen haben – obwohl die Post-Tochter lieber von einer «Guthabengebühr» spricht. Andere Banken sprechen wiederum von «Gebühren für die Liquiditätshaltung».

Das Konzept des Schwellenwerts ist weit verbreitet: Damit wollten die Finanzhäuser – jedenfalls bis anhin – die Kleinsparer vor Negativzinsen bewahren. Nur dass die meisten von ihnen diesen höher angesetzt haben als die Postfinance. Die Valiant etwa erhebt erst ab 250’000 Franken Negativzinsen, ebenso wie die UBS. Die Aargauer Kantonalbank stellt ab 2 Millionen Franken eine Rechnung, ebenso wie die Credit Suisse. Bei ihrer Onlinebank CSX hingegen gibts bereits ab 100’000 Franken Strafzins, wobei die CS hier von einer Kontogebühr spricht.

Die grosse Unübersichtlichkeit

Bei den Raiffeisen wiederum kann die Zentrale den Genossenschaftsbanken nichts befehlen: Sie hat aber im Januar eine Empfehlung erlassen, in der sie ihre Raiffeisenbanken dazu appelliert, langjährige Sparkunden nicht zu belangen, hingegen Negativzinsen auf kurzfristige und grosse Geldbeträge zu erheben.

Vergleiche zwischen den Banken sind schwierig, weil alle anderen Spielregeln folgen, weil diese zusätzlich angereichert werden mit einer kaum überblickbaren Anzahl von Ausnahmen und Sonderkonditionen. So können etwa die Kunden der Postfinance den Schwellenwert erhöhen, indem sie gelbe Anlageprodukte wie Fonds kaufen. Entscheidend ist aber nicht nur die Höhe der Negativzinsen, sondern auch der Bankgebühren: Denn aus Angst vor der Einführung von Negativzinsen haben viele Finanzinstitute in den letzten Jahren lieber an der Gebührenschraube gedreht.

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