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Der Online-Übersetzer von Google liefert massenhaft Übersetzungen, die Klischees reproduzieren. Warum das so ist und was man dagegen tun könnte.

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Google Translate übersetzt so, dass Geschlechter-Klischees zementiert werden.

Google Translate übersetzt so, dass Geschlechter-Klischees zementiert werden.

20min/Marco Zangger

Deutlich wird das anhand von finnischen Übersetzungen.

Deutlich wird das anhand von finnischen Übersetzungen.

REUTERS

Denn Finnisch kennt in der 3. Person keine geschlechtsspezifischen Personalpronomen.

Denn Finnisch kennt in der 3. Person keine geschlechtsspezifischen Personalpronomen.

AFP

  • «Hän on lastentarhanopettaja» kann auf Finnisch sowohl «Sie ist Kindergärtnerin» als auch «Er ist Kindergärtner» heissen.

  • Trotzdem entscheidet sich Google Translate immer für die weibliche Übersetzung.

  • Auch in anderen Bereichen produziert Google Übersetzungen, die alte Klischees bedienen.

Wenn man ins englische Übersetzungsfeld von Google Translate den englischen Begriff «nurse» eintippt, so übersetzt Google auf Deutsch: die Krankenschwester. «Nurse» kann aber auf Englisch auch einen männlichen Angestellten im Gesundheitsbereich bezeichnen.

Ähnlich im umgekehrten Fall mit Französisch. Tippt man auf Deutsch das Wort «Krankenpfleger» ein, übersetzt Google Translate auf Französisch: «l’infirmière». Das aber bezeichnet eine Krankenschwester. Die Übersetzung ist falsch – und zementiert alte Geschlechterbilder. Wer sich um Kranke kümmert, ist eine Frau – diese Deutung schwingt in der Übersetzung mit.


Ungenaue finnische Übersetzungen

Besonders deutlich wird das anhand finnischer Übersetzungen, wie das Online-Magazin Republik (Bezahlartikel) schreibt. Finnisch unterscheidet bei Sätzen in der 3. Person Einzahl nicht zwischen Geschlechtern. Das Personalpronomen «hän» kann sowohl mit «sie» als auch mit «er» übersetzt werden.

Ein Beispiel: «Hän on opettaja» kann man übersetzen mit «Er ist Lehrer». Oder auch mit: «Sie ist Lehrerin». Beides ist korrekt. Trotzdem entscheidet sich Google Translate in jedem Fall für eine Variante. Die «Republik» fütterte Google Translate mit den finnischen Sätzen der 100 gängigsten Berufsbezeichnungen in der Schweiz und schaute, wie der Übersetzer sie ins Deutsche übertrug.

Resultat: In 80 von 100 Fällen wählte der Übersetzer die männliche Form. Das liegt am Algorithmus hinter Google Translate. Er wird mit tausenden von Texten trainiert. Je nachdem, wie oft darin ein Wort – zum Beispiel die Berufsbezeichnung «Lehrer» – in Zusammenhang mit Personen weiblichen oder männlichen Geschlechts auftreten, desto eher übersetzt der Algorithmus später auch mit «sie» respektive «er».

Zahlreiche Geschlechter-Klischees

Anders ausgedrückt: Bei Berufen, die in den Texten als klassisch männlich gelten, wählt Google Translate später auch die männliche Übersetzung. Bei klassisch weiblich konnotierten Berufen wählt Google Translate hingegen die weibliche Übersetzung. Darum übersetzt der Dienst entsprechende finnische Sätze mit «Er ist Programmierer» und «Sie ist Kindergärtnerin». Solche Resultate bezeichnet man als «Gender Bias».

Noch stärker fällt dieser Gender Bias bei Adjektiv-Zuschreibungen aus. Wiederum fütterte die «Republik» den Google-Übersetzer mit finnischen Sätzen, dieses Mal aber nicht mit Berufen, sondern mit persönlichen Eigenschaften. Wieder ein Beispiel:

«Hän on älykäs» kann auf Finnisch sowohl «Er ist intelligent», als auch «Sie ist intelligent» heissen. Das Resultat nach 50 Adjektiven: In 45 Fällen übersetzt der Algorithmus mit «Er ist…», darunter «mutig», «stark», «erfolgreich» und so weiter. Frauen bleiben dagegen nur fünf Eigenschaften: Sie sind gemäss Google Translate «schön», «hübsch», «attraktiv», «locker» und «depressiv» – durchs Band Geschlechter-Klischees.

Gender Bias wegtrainieren

Was lässt sich dagegen tun? Es gibt durchaus statistische Möglichkeiten, den «Gender Bias» loszuwerden. In solchen Fällen werden die Wortfelder und Wortkombinationen, die stereotyp auftreten – zum Beispiel «Frau» und «Kindergarten» – maschinell entfernt.

Mit einem anderen Verfahren prüft ein Algorithmus, ob neben der Standard-Übersetzung, die möglicherweise sexistisch ist, eine genderneutrale existiert. Falls ja, wird diese parallel übersetzt. Das Experiment der «Republik» zeigt aber: Beide Techniken funktionieren noch nicht wunschgemäss.

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, aufgrund des Geschlechts diskriminiert?

Hier findest du Hilfe:

Logib, Lohngleichheits-Analyse des Bundes

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Darum spuckt Google Translate sexistische Übersetzungen aus
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