Das leise Comeback der Credit-Suisse-Aktien

Warum Investoren gerade jetzt auf die Titel der Krisenbank setzen und woher sie den Mut dafür nehmen.

Trübes Bild: Aktien der Credit Suisse haben seit Anfang Jahr rund 18 Prozent an Wert verloren.

Trübes Bild: Aktien der Credit Suisse haben seit Anfang Jahr rund 18 Prozent an Wert verloren.

Walter Bieri / KEYSTONE

Man muss schon mit der Lupe hinschauen, um in den arg gebeutelten Credit-Suisse-Aktien ein Lebenszeichen zu erkennen. Ein solches lässt sich unter dem Vergrösserungsglas aber tatsächlich finden: Seit rund einer Woche liegen die Titel der krisengeschüttelten Alfred-Escher-Bank besser im Markt als der Schweizer Banken-Index und auch besser als die Valoren der UBS.

Von einer deutlichen Erholung kann freilich noch lange nicht die Rede sein. Schliesslich sind die Credit-Suisse-Valoren im Zug der beiden Milliardenpleiten Greensill und Archegos tief gefallen.

Europas Bankaktien im Vorwärtsgang

Die Kursentwicklung der Credit-Suisse-Titel seit Jahresbeginn (-18 Prozent) steht denn auch im krassen Gegensatz zu der Börsenperformance europäischer Bankvaloren. Europas Index für Bankaktien hat seit Anfang Januar mehr als 25 Prozent zugelegt. Die spanischen, italienischen, britischen, niederländischen und auch deutschen Grossbank-Aktien haben sich in den vergangenen 18 Wochen um 20 Prozent (HSBC) bis zu 40 Prozent (ING) verteuert.

Für diese starken Kursaufschläge gibt es gute Gründe. Zunächst ist der seit Anfang Jahr zu beobachtende und seit Ende März beschleunigte Anstieg der weltweiten Kapitalmarktzinsen eine gute Kunde für Bankaktionäre.

Jede im Kreditgeschäft tätige Bank verdient ihr Geld mitunter aus der sogenannten Fristentransformation. Dabei nimmt sie kurzfristig abrufbares, ultrabilliges Geld entgegen, das sie von den Sparern oder auch von der Europäischen Zentralbank in der Form von Liquiditätsspritzen erhält, um es langfristig, zum Beispiel auf eine Frist von fünf oder zehn Jahren, auszuleihen.

Aus dem Unterschied zwischen dem kurzfristigen und dem langfristigen Zinsniveau ergibt sich für die Bank die sogenannte Strukturmarge. Je grösser die Differenz beziehungsweise je steiler die Zinskurve, desto höher die Marge.

Inflationserwartungen werden befeuert

Die immensen Regierungsprogramme zur Ankurbelung der Wirtschaft nach der Pandemie waren und sind ausschlaggebend für den Anstieg der langfristigen Kapitalmarktzinsen. Erstens nähren die billionenschweren Konjunkturprogramme die Hoffnung der Investoren, dass der Wachstumseinbruch des vergangenen Jahres schnell überwunden werden kann, was ein höheres Zinsniveau rechtfertigt.

Darüber hinaus schüren die wirtschaftspolitischen Massnahmen aber auch Erwartungen hinsichtlich einer Zunahme der Teuerung, weil sich bei einer möglichen Überhitzung der Wirtschaft Knappheitserscheinungen bei besonders gefragten Vorprodukten (zum Beispiel Halbleiter) oder auch bei Arbeitskräften einstellen könnten, was zu Preis- respektive Lohnerhöhungen führen würde.

Die Inflationserwartungen werden aktuell auch durch die instabile Situation im Nahen Osten (Erdölversorgung) befeuert. Kommt die Inflation tatsächlich in Fahrt und übertrifft sie ein Mass, das die Notenbanken als gefährlich erachten, werden diese mit Zinserhöhungen reagieren.

Credit Suisse in der Regulierungsmühle

Vor diesem Hintergrund erhalten derzeit sogar die Credit-Suisse-Aktien wieder etwas Zuspruch. Allerdings ist das Zinsniveau in der Schweiz deutlich tiefer als in allen anderen Regionen der Welt, weshalb die Erholung der hiesigen Bankaktien weit weniger spektakulär verläuft als in Europa. Für die Credit-Suisse-Aktionäre könnten die Milliardenpleiten längerfristig freilich noch weitere Kosten zur Folge haben. Gerade eben hat sich die Wirtschaftskommission des Nationalrates zusammengesetzt, um die Situation der Bank zu erörtern und die regulatorischen Zügel allenfalls weiter anzuziehen.

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