Delta ist in Portugal auf dem Vormarsch, die Schweiz prüft Einreisebeschränkungen – was das für Touristen heisst

Das Bundesamt für Gesundheit könnte die Schrauben demnächst anziehen. Das hätte Folgen für Reise-Rückkehrer. Und das nächste Ferienland könnte bald schon folgen.

Coronahotspot Portugal: Die Ausgelassenheit am Strand könnte bald vorbei sein.

Coronahotspot Portugal: Die Ausgelassenheit am Strand könnte bald vorbei sein.

Bild: Pedro Fiúza/Getty (Cascais, 26. Juni 2021)

Es ist ein schwerer Schlag für Portugals Tourismus. Die Virusvariante Delta breitet sich im Land rasend schnell aus. Das könnte auch die Sommerferienpläne von Tausenden Schweizern durchkreuzen.

Deutschland, traditionell das zweitwichtigste Herkunftsland ausländischer Touristen in Portugal, erklärte das Urlaubsland am Atlantik bereits wegen des Delta-Vormarsches zum Virusvariantengebiet. Daraus ergibt sich eine Quarantänepflicht für deutsche Portugal-Rückkehrer. Zieht jetzt die Schweiz nach und verhängt ebenfalls Einreisebeschränkungen?

Derzeit werde dies geprüft, heisst es beim Bundesamt für Gesundheit. Sollte es soweit kommen, werden sich auch für Schweizer Portugal-Reisende die Regeln ändern. So wie es Ende Mai mit Grossbritannien geschah, das wegen Delta zum Land mit «besorgniserregender Variante» erklärt worden war. Seitdem müssen Reisende aus Grossbritannien in der Schweiz immer dann in Quarantäne, wenn sie nicht geimpft sind oder keine in den letzten 6 Monaten durchgemachte Covid-19-Erkrankung nachweisen können.

Die Deutschen reisen bereits in Eile ab

Hunderte deutsche Touristen, die sich in Portugal aufhielten, packten in den letzten Tagen in aller Eile die Koffer. Sie wollten noch vor Beginn der 14-tägigen Zwangsquarantäne, die am 29. Juni für alle deutschen Portugal-Heimkehrer in Kraft tritt, nach Deutschland zurückreisen. Die neue Quarantänepflicht in Deutschland gilt wegen des erhöhten Ansteckungsrisikos bei Delta sogar für Geimpfte.

Noch vor einigen Tagen hatte Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel gewarnt, dass Portugal nicht entschlossen genug gegen die neue Delta-Variante vorgehe. Merkel sagte:

«Wir haben jetzt eine Situation in Portugal, die hätte man vielleicht vermeiden können.»

Dieser Pfeil zielte auf die wochenlange Weigerung Portugals, den Reiseverkehr mit Grossbritannien, dem momentan schlimmsten europäischen Delta-Brennpunkt, zu beschränken.

Auch der Champions-League-Final Ende Mai in der portugiesischen Stadt Porto zwischen den britischen Clubs Manchester City und FC Chelsea war vermutlich keine gute Idee – die meisten der 16’500 Fans im Stadion waren aus Grossbritannien angereist.

Die bisherige lockere Haltung der portugiesischen Regierung hinsichtlich Grossbritanniens, dem allerwichtigsten Tourismusmarkt Portugals, liess einen bösen Vorwurf aufkommen: War der Regierung das Tourismusgeschäft wichtiger als der Gesundheitsschutz?

Chelsea Fans feiern den Sieg ihrer Mannschaft gegen Manchester City im Champions League Final. (Porto, Portugal, 29.Mai, 2021)

Chelsea Fans feiern den Sieg ihrer Mannschaft gegen Manchester City im Champions League Final. (Porto, Portugal, 29.Mai, 2021)

Pool AP /

Keystone

Jetzt müssen Ungeimpfte in Quarantäne

Erst an diesem Montag reagierte Portugals Führung auf die internationale Kritik. Die Regierung in Lissabon verhängte nun ebenfalls eine Quarantänepflicht für Reisende aus Grossbritannien. Sie gilt nun für all jene, die noch keinen kompletten Impfschutz haben. Ob sich mit dieser späten Entscheidung die bereits übers Land rollende Delta-Welle abschwächen lässt, scheint derzeit eher zweifelhaft.

In den beiden meistbesuchten Tourismusregionen des Landes, im Grossraum Lissabon und an der Algarve-Urlaubsküste, explodieren wegen Delta bereits die Corona-Ansteckungen. In der Hauptstadtregion stieg die 7-Tage-Fallhäufigkeit auf 221 Fälle pro 100’000 Einwohnern. Dort liegt nach Behördenangaben der Delta-Anteil an den Neuinfektionen schon bei über 70 Prozent. An der Algarve betrug die wöchentliche Inzidenz zuletzt 193 Fälle. Landesweit werden inzwischen bereits mehr als die Hälfte aller Ansteckungen auf Delta zurückgeführt.

Folgt als nächstes Spanien?

Das nächste Ferienland, dessen Urlaubsstimmung durch Delta getrübt werden könnte, ist möglicherweise Portugals Nachbar Spanien. Auch in Spanien ist Delta auf Mallorca und in anderen Urlaubsregionen auf dem Vormarsch. Der Delta-Anteil wird auf der Mittelmeerinsel Mallorca, die bei Schweizern äusserst beliebt ist, bereits auf 25 Prozent geschätzt.

Spanien erlag wie Portugal der Versuchung, dem Tourismus und nicht dem Infektionsschutz Vorrang einzuräumen. Ähnlich wie Portugal hatte sich Spanien im Mai geweigert, für Reisende aus der Delta-Hochburg Grossbritannien, dem wichtigsten spanischen Urlaubsmarkt, Einreisebeschränkungen zu verhängen.

Auch Madrid reagiert nun erst mit einem Monat Verspätung und kündigte an diesem Montag an, dass britische Touristen künftig nur noch mit Impfnachweis oder negativem PCR-Test ins Land dürfen.

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