Der Bund forciert Corona-Tests an Schulen – wird schon bald auch in Kinderkrippen gespuckt?

Der Bundesrat rechnet mit einem Anstieg der Coronainfektionen im Herbst. Er will dieses Mal besser vorbereitet sein. Mit seiner Planung hat er aber die kantonalen Erziehungsdirektoren erbost.

Coronatests in Schulen sind für den Bundesrat zentral zur Kontrolle der Pandemie.

Coronatests in Schulen sind für den Bundesrat zentral zur Kontrolle der Pandemie.

«Wir sind nie ganz aus der Chaosphase herausgekommen», gestand Finanzminister Ueli Maurer gestern in einem Interview mit der NZZ offenherzig ein. Der Bundesrat habe oft schnell und unter Druck entscheiden müssen. Fertig Chaos, hat sich nun der Bundesrat gesagt. Die Landesregierung hat sich einen Plan für die Herbst- und Wintermonate zurechtgelegt. Um gerüstet zu sein, falls die Fallzahlen wieder ansteigen werden. Denn, so sagte Gesundheitsminister Alain Berset:

«Die Pandemie ist noch nicht fertig.»

Der Bundesrat geht davon aus, dass das Coronavirus nicht ganz verschwinden, sondern in der Bevölkerung zirkulieren wird. Jeder werde mit dem Virus in Kontakt kommen, entweder durch die Impfung oder eine Infektion. Für den Bundesrat ist klar, was die bessere Option ist. Die Impfkampagne schreite gut voran, so Berset, doch wir müssten noch besser werden. Berset hütete sich vor den Medien davor, eine offizielles Impfziel zu benennen. Im Bericht zur Mittelfristplanung wird aber eine Einschätzung der Swiss Covid Taskforce wiedergegeben. Die Wissenschafter warnen vor einer Welle unter ungeimpften und ungeschützten Personen, die zu einer Überlastung des Gesundheitssystems führen könnte: «Wenn der Anteil der Immunen unter den Erwachsenen geringer ist als 80 Prozent, dann steig die Wahrscheinlichkeit für eine Infektionswelle, die ohne Intervention den Zugang zu medizinischer Pflege relevant einschränken könnte», heisst es im Bericht. Liegt der Anteil darüber ist das Risiko dafür geringer – zumindest bei den bis heute bekannten Varianten.

Schliessungen sollen verhindert werden

Der Bundesrat sieht drei möglichte Szenarien: ein optimistisches, ein pessimistisches und ein mittleres. Er stellt sich zusammen mit den Kantonen auf das mittlere Szenario ein. Es geht von einem Anstieg der Fallzahlen spätestens im Herbst oder Winter aus – beispielsweise wegen einem zu tiefen Anteil an Geimpften, aufgehobenen Massnahmen oder neuen und ansteckenderen Virusvarianten. Dadurch würde das Gesundheitswesen so stark belastet, dass der Bundesrat gewisse Massnahmen weiterführen oder wiedereinführen müsste.

Dazu zählen etwa die Maskenpflicht oder Abstandsvorschriften. Auch Auffrischimpfungen könnten notwendig werden. Ziel sei es, Schliessungen von Einrichtungen zu verhindern, sagte Berset. Allenfalls könnte in dieser Phase aber auch das Covid-Zertifikat verstärkt zum Einsatz kommen.

Erziehungsdirektoren sind empört

Und wie bereiten sich Bund und Kantone auf dieses Szenario vor? Die Palette der Massnahmen ist breit. Wichtigstes Element ist die Erhöhung der Durchimpfungsraten. Entscheiden sind auch repetitive Tests an Schulen. Er will gar die Einführung von Tests in Kindergärten und Tagesschulen prüfen. Grund dafür ist die Delta-Variante, bei der es überdurchschnittlich viele Ansteckungen an Schulen gebe.

Bundesrat Berset sagte klipp und klar:

«Testen in der Schule ist von zentraler Bedeutung, um eine Kontrolle über die Pandemie zu haben.»

Er habe Mühe mit gewissen Kantonen, die sich sperren würden. Bei den kantonalen Erziehungsdirektoren kamen Bersets Worte schlecht an. Sie reagierten umgehend mit einem Brief an den Bundesrat und hielten fest, dass die Kompetenz für die Tests bei den Kantonen liege. «Viele Kantone setzenrepetitive Testungen flächendeckend um, andere knüpfen Testungen an entsprechende Fallzahlen oder andere Kriterien», heisst es im Brief. Die Kantone würden ihre Aufgabe wahrnehmen.

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