Der Velomarkt boomt dank Corona, doch das Virus verursacht auch Probleme

Der Absatz steigt, doch gerade für kleinere Velomarken entstehen durch die Folgen der Pandemie auch sehr schwierige Situationen. «Für uns ist Corona Fluch und Segen», so Alberto Fernandez, Mitinhaber von DesignYourBike.

Der Velomarkt wächst: Corona verhilft der Branche zu grossem Wachstum.

Der Velomarkt wächst: Corona verhilft der Branche zu grossem Wachstum.

Chris Iseli / LTA

Der Schweizer Velomarkt wächst. So wurde im Jahr 2020 ein Rekordumsatz von 2,4 Milliarden Franken erwirtschaftet. Dies entspricht im Vergleich zum Vorjahr einer satten Zunahme von 24,4 Prozent. Das zeigen die Zahlen des «Marktbulletins Velohandel Schweiz 2021», das vom Fahrradbüro Dynamot mit Geschäftsführer Urs Rosenbaum erstellt wird. Insgesamt dürften gemäss Dynamot rund 640’000 Velos und Elektrovelos verkauft worden sein.

Speziell das Elektrovelo erfreute sich einer grossen Verkaufssteigerung. Zum ersten Mal wurden über 200’000 E-Bikes in den Schweizer Markt geliefert, was einem Plus von 10,4 Prozent im Vergleich zum Jahr 2019 bedeutet.

Und der Aufwärtstrend setzt sich fort, wie die neuesten Zahlen vom Brachenverband Velosuisse zum 1. Halbjahr 2021 zeigen. So schnellte der Verkauf von E-Bikes noch einmal um 16,5 Prozent im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2020 in die Höhe. In absoluten Zahlen bedeutet das eine Steigerung von 95’416 auf 111’105 Fahrräder.

Aber auch der Absatz von herkömmlichen, muskelbetriebenen Velos zog 2021 weiter an. Im Vergleich zum gleichen Zeitraum im Vorjahr stieg die Auslieferungszahl von 186’404 auf 200’861 Stück.

Undurchsichtiger Markt

Nur eine Minderheit der knapp 400 Velomarken, die in der Schweiz vertrieben werden, machen ihre Geschäftszahlen öffentlich. Wie sie sich den 2,4-Milliarden-Kuchen aufteilen ist dementsprechend unklar. Zu den grössten Playern dürften gemäss Schätzungen aber etwa Scott oder auch Jumbo mit seinen diversen Eigenmarken gehören.

Corona als Verkaufstreiber

So unklar die genauen Zahlen auf dem Velomarkt auch sein mögen, eines ist klar: Das Velo wird immer wie beliebter als Fortbewegungsmittel. Die Gründe dafür sind vielfältig.

Da ist natürlich die Coronapandemie. Das Risiko sich auf dem Fahrrad mit dem Virus anzustecken ist gleich null. So ist es in der Pandemie vielen Schweizerinnen und Schweizern wohler sich aufs Velo zu schwingen, als sich in einen vollgestopften Bus oder Zug zu zwängen. Zudem bietet das Elektrovelo auf den kürzeren Pendlerrouten eine konkurrenzfähige Alternative zum öffentlichen Verkehr.

Aber nicht nur die Pandemie treibt die Veloverkäufe in die Höhe. Der Zweiräder profitiert auch vom steigenden Umweltbewusstsein in der Schweiz. Zudem können viele Menschen besser abschalten nach der Arbeit, wenn sie an der frischen Luft nach Hause radeln.

«Individualität ist absolut zentral»

Auch kleinere Marken versuchen im Dschungel des riesigen Velomarktes eine Nische zu finden. Doch wie soll das gelingen? Alberto Fernandez von DesignYourBike meint: «Individualität ist für uns absolut zentral, denn technisch kann man sich nicht mehr gross von der Konkurrenz abheben und auch die Komponenten sind mehr oder weniger bei allen Anbietern die gleichen.»

Adil Bikti, Geschäftsführer vom Zürcher Stadtvelo-Hersteller Siech, ist der Meinung, dass es klar sein muss, auf welche Zielgruppe man sich konzentriert. «Wir wollen Junge ansprechen, deshalb sollen die Velos cool sein und für alle erschwinglich.» Konkret bedeutet das, dass ein Siech-Velo zwischen 500 und 800 Franken kostet.

Nachschubprobleme als Spielverderber

Profitieren also auch die «kleinen» Marken vom Corona-Veloboom? «Für uns ist Corona Fluch und Segen», sagt Fernandez. «Einerseits hatten wir riesige Verkaufszahlen im Jahr 2020, so waren wir bereits im August ausverkauft. Jedoch leiden wir seither unter Lieferengpässen, da die Lieferindustrie weltweit am Anschlag ist, dies kann existenzbedrohend sein.»

Die Lieferungen sind aber nicht nur verspätet, sondern werden auch immer wie teurer, wie Bikti erklärt: «Die Lieferkosten sind zehnmal grösser geworden, da während Corona die Nachfrage derart gestiegen ist und als Folge der Platz auf den Containerschiffen knapp wurde, was den Preis in die Höhe getrieben hat.»

«Wir versuchen aber die meisten Zusatzkosten aktuell noch selber zu tragen und nicht auf die Kunden abzuwälzen», ergänzt Bikti. Doch gut möglich, dass der Kauf eines Velos in Zukunft teurer werden wird.

MTB Cycletech

Trotz Konkurs noch immer erhältlich

Die Situation um die beliebte und namhafte Velo-Marke MTB Cycletech scheint geklärt. Im September 2020 geriet die Marke aufgrund eines Markenstreits in die Schlagzeilen. Grund dafür war, dass Markeninhaber George Meratsakis dem Vertreiber der Fahrräder, der Velobaze AG, die Markenrechte entziehen wollte. Die Velobaze AG reagierte mit einer Stellungnahme, in der sie betonte, dass Meratsakis kein Recht habe ihnen die Rechte zu entziehen. Im März 2021 «löste» sich das Problem, da die Velobaze AG aufgrund «finanzieller Engpässe» Konkurs ging. «Der Vertrieb der Bikes wird jetzt von der Revolt Cycling AG übernommen», wie Meratsakis auf Anfrage bestätigt.

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