Publiziert

Lange war unklar, wie stark die Schweizer Firma Emix auch im Ausland Geschäfte machte. In Deutschland streitet sich die Firma nun offenbar um einen Teil des Auftrags.

1 / 5

Die beiden Jungunternehmer Luca Steffen (links) und Jascha Rudolphi Rechts (rechts) haben während der ersten Coronawelle Schutzmasken im Wert von mehreren hundert Millionen Euro verkauft – auch nach Deutschland.

Die beiden Jungunternehmer Luca Steffen (links) und Jascha Rudolphi Rechts (rechts) haben während der ersten Coronawelle Schutzmasken im Wert von mehreren hundert Millionen Euro verkauft – auch nach Deutschland.

Emix Trading AG

In der Schweiz werden die Geschäfte von Emix schon länger diskutiert. Die beiden Firmengründer von der Zürcher Goldküste sind ehemalige Mitglieder der Jungen SVP (hier im Bild mit Christoph Blocher).

In der Schweiz werden die Geschäfte von Emix schon länger diskutiert. Die beiden Firmengründer von der Zürcher Goldküste sind ehemalige Mitglieder der Jungen SVP (hier im Bild mit Christoph Blocher).

Archivbild

Nun wurde bekannt, dass Emix im März 2020 einen Vertrag über 950 Millionen mit der deutschen Bundesregierung unterschrieb.

Nun wurde bekannt, dass Emix im März 2020 einen Vertrag über 950 Millionen mit der deutschen Bundesregierung unterschrieb.

AFP

  • Die deutsche Regierung hat letzten Frühling insgesamt 360 Millionen Masken bei Emix bestellt.

  • Dabei kam es bereits im letzten Frühling zu Streitigkeiten zwischen Berlin und der Schweizer Firma.

  • Emix musste einen Teil der Masken wegen ungenügender Qualität austauschen.

  • Seither streiten sich die Parteien um noch ausstehende Lieferungen.

Das Schweizerische Unternehmen Emix Trading sorgt nun auch in Deutschland für Schlagzeilen. Laut einem Bericht in den Tamedia-Zeitungen liegt die Firma von zwei Zürcher Jungunternehmern nämlich bereits seit Mai vergangenen Jahres wegen der Lieferung von insgesamt 360 Millionen Masken mit der Bundesregierung im Clinch. Publik geworden ist der Fall aufgrund eines Berichts des deutschen Gesundheitsministeriums.

Emix verrechnete hohe Preise – aber nicht so hoch wie der Schweiz

Emix machte im letzten Frühling riesige Geschäfte mit Masken – in der Schweiz und ausserhalb. Den Deutschen verrechnete sie 60 Cent pro Stück für Hygienemasken (210 Millionen Stück) sowie 5,58 Euro pro Stück für Atemmasken (150 Millionen Stück). Insgesamt betrug das Volumen der Bestellungen ursprünglich 950 Millionen Euro. Besonders brisant dabei: Der Schweizer Armee verrechnete Emix bis zu 9,90 Franken pro Atemschutzmaske.

Wie das deutsche Gesundheitsministerium berichtet, seien damals 14 Prozent der gelieferten Masken beim Qualitätstest durchgefallen, wobei die meisten anderen Anbieter noch höhere Mangelquoten hätten. Zwar habe Emix «verzugslos und komplikationslos» die Masken ausgetauscht, trotzdem war man in Berlin nicht mehr zufrieden mit dem Geschäftspartner und einigte sich auf eine Reduzierung des noch ausstehenden Liefervolumens an Atemschutzmasken und Hygienemasken. Die tatsächlich gelieferten Masken haben einen Wert von etwa 650 Millionen Euro.

Vom Gesamtvolumen der Aufträge sind zurzeit noch 50 Millionen strittig. Es ist unklar, ob die Firma mit Sitz in Zug diese auch liefern darf. Der deutsche Bund beharrt darauf, dass der aktuelle Marktpreis für die Masken nur einen Bruchteil davon betrage, was man im März 2020 vereinbart hat. Aus dem eigenen Parlament droht der deutschen Bundesregierung nämlich Ärger. Der zuständige Ausschuss hatte dort ursprünglich einen Höchstpreis von 4,50 Euro pro Maske ausgegeben. In Bayern hat zudem ein SPD-Politiker Klage gegen Emix eingereicht, wie der «Spiegel» berichtet.

Masken-Beschaffung sorgt in Deutschland für eine Polit-Krise

Der aktuelle Vorfall rund um die Emix-Masken erweitert eine Affäre um ein neues Kapitel, die Deutschland seit mehreren Wochen bewegt. Verschiedene Exponenten der CDU/CSU hatten demnach Geschäfte bei der Bestellung von Schutzmaterialien gemacht. Auch beim Emix-Deal soll eine der Partei nahestehende Person ihre Finger im Spiel gehabt haben, nämlich die Tochter des ehemaligen CSU-Politikers Gerold Tandler. Emix gab auf Anfrage der Tamedia-Zeitungen bekannt, dass sie unlautere Mittel «nach bestem Wissen und Gewissen» ausschliessen könne und sich in aller Form von den bekannt gewordenen politischen Machenschaften distanziere.

Deutschland bestellte bei Emix Masken für mehrere hundert Millionen Euro
Source:
Source 1

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here