Die amerikanischen Währungshüter haben es nicht allzu eilig: Mit einer Zinserhöhung ist wohl erst im Sommer 2022 zu rechnen

Die US-Notenbank gibt eine Reduktion der Stützungskäufe an, mit denen sie seit März 2020 die amerikanische Volkswirtschaft stabilisierte. Über den Zeitpunkt einer Zinserhöhung will Fed-Chef Jerome Powell aber nicht spekulieren.

Der amerikanische Währungshüter Jerome Powell, hier während eines Auftrittes vor dem amerikanischen Kongress.

Der amerikanische Währungshüter Jerome Powell, hier während eines Auftrittes vor dem amerikanischen Kongress.

Kevin Dietsch / EPA

Der Offenmarktausschuss der amerikanischen Notenbank tritt leicht auf die Bremse. Bereits ab November will das geldpolitische Gremium der Federal Reserve die Stützungskäufe auf den Finanzmärkten von 120 Milliarden Dollar pro Monat reduzieren, auf vorderhand 105 Milliarden Dollar pro Monat. Diese Massnahme reflektiere den «substanziellen Fortschritt», den die amerikanische Volkswirtschaft verzeichne, hiess es in einer Stellungnahme.

Hingegen zeigt der oberste Währungshüter Jerome Powell kein Interesse daran, an der Zinsschraube zu drehen. Eine Abkehr von der Nullzinspolitik, die von der Federal Reserve im Krisenfrühjahr 2020 eingeleitet wurde, steht damit wohl frühestens im Sommer 2022 an. Zu diesem Zeitpunkt würden dann auch die Stützungskäufe vollständig beendet. Powell wollte am Mittwoch allerdings keine Auskunft über das Timing der ersten Zinserhöhung nach der Corona-Krise geben. Er sagte bloss: «Wir können Geduld zeigen.»

Fed-Chef Powell auf das Wohlwollen des Präsidenten angewiesen?

Powell verteidigte dieses vorsichtige Vorgehen in einer schriftlichen Stellungnahme und in seinen Ausführungen an einer Pressekonferenz. Er verwies auf die Versorgungsengpässe, die wichtigen Branchen wie der Autoindustrie aktuell Kopfzerbrechen bereiten. Auch sprach er die hohe Teuerungsrate an. In den Augen der Federal Reserve droht die Inflation aber nicht ausser Kontrolle zu geraten. Im laufenden Quartal werde die Wirtschaft wieder an Schwung gewinnen, sagte Powell, auch weil die Corona-Pandemie wirtschaftliche Aktivitäten immer weniger behindere. Und im zweiten oder dritten Quartal 2022 werde deshalb die Inflation wieder unter das Fed-Zielband von 2 Prozent fallen.

Die Finanzmärkte reagierten zufrieden auf diese Entscheidung, waren doch nicht wenige Börsianer davon ausgegangen, dass die Federal Reserve ein aggressiveres Tempo anschlagen würde. Eine Rolle bei dieser Entscheidung mag vielleicht auch gespielt haben, dass Powell auf das Wohlwollen von Präsident Joe Biden angewiesen ist. Seine vierjährige Amtsperiode als Fed-Chef läuft im Februar 2022 ab. Bisher hat Biden nicht bekannt gegeben, ob er den 68-Jährigen für eine zweite Amtszeit nominieren will. Der Präsident kündigte diese Woche aber an, dass er sich bald entscheiden werde.

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