Die Dänen setzen auf die Schnelltests – trotz ihrer Schwächen

Um den Lockdown zu beenden und das Land wieder öffnen zu können, nimmt das skandinavische Land in Kauf, dass die Schnelltests nicht immer ein wirklich zuverlässiges Bild liefern.

Für die dänische Öffnungsstrategie sind die Selbsttests unverzichtbar.

Für die dänische Öffnungsstrategie sind die Selbsttests unverzichtbar.

Keystone

Dänemark hat einen weitgehenden Plan für die Öffnung der Gesellschaft in den nächsten Wochen. Dabei sollen enorm viele Tests Sicherheit geben, 400’000 pro Tag waren es zuletzt. Das Gratis-Angebot in den vielen Testzentren ist dabei das eine, Druck das andere: Ohne negatives Testresultat (oder Impfung) gibt es keinen Zugang zu Coiffeur, Restaurant oder Hallensport.

Auch Arbeitnehmer sollen sich zweimal wöchentlich testen lassen. Dabei spielt es keine Rolle, ob man einen PCR- oder einen Schnelltest wählt – beide gelten als negatives Testresultat, auch wenn der PCR-Test eindeutig zuverlässiger ist.

Wie gross der Unterschied ist, haben die dänischen Gesundheitsbehörden nun in einer Studie untersucht. Dazu wurden bei 118’000 Personen sowohl ein PCR-Test wie auch ein Antigen-Schnelltest in der Nase gemacht. Per PCR-Test wurden 4069 positive Fälle gefunden, mit dem Schnelltest jedoch nur 2159. Fast die Hälfte der Infizierten erhielten also mit dem Antigen-Test fälschlicherweise ein negatives Resultat.

Diese 50-prozentige Treff-sicherheit ist klar tiefer als die 70 Prozent, die die Hersteller angeben und die auch frühere dänische Untersuchungen ergaben. Schnelltests sind vor allem bei Personen ohne Symptome weniger sensitiv. Und die Nasenprobe kann markant weniger Virusmaterial enthalten als ein Rachenabstrich.

Schnelltests erlauben effizientes Massenscreening

Für die dänischen Gesundheitsbehörden ist das Resultat der neuen Studie nicht beunruhigend, wie Forschungsdirektor Henrik Ullum erklärte: Schnelltests seien bei Personen mit geringer Virenlast weniger zuverlässig, doch diese Personen stellten auch ein geringeres Ansteckungsrisiko dar. Man dürfe sich mit einem negativen Schnelltestresultat nicht einfach sicher fühlen; Umarmungen lägen nicht drin – auch gälten weiterhin Hygiene- und Abstandsregeln.

Für die dänischen Behörden geht es um ein Abwägen: Schnelltests erlauben ein effizientes Massenscreening, zu dem die Bevölkerung leichter motiviert werden kann – sie bieten aber nur ein «grobmaschiges Sieb». Doch da immerhin die Hälfte und vielleicht die ansteckendsten Personen gefunden werden, können dennoch Infektionsketten unterbrochen werden.

Der Schnelltest müsse einfach richtig eingeschätzt werden, erklärte der Kopenhagener Virologe Allan Randrup: Er gebe eine Momentaufnahme, die für den Tag des Testes Gültigkeit habe, und vielleicht für 24 Stunden. Wer darüber hinaus ein zuverlässiges Resultat wolle, brauche einen PCR-Test.

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