Die Kampfjet-Konkurrenz staunt über Amherds Bomber-Rechnung: Liess sich die Schweiz auf ein Versprechen ein?

In Bern warten Vertreter von Kampfjet-Firmen auf den Entscheid des Bundesrats. Sie kommen aus dem Staunen nicht heraus.

Der US-Tarnkappenbomber F-35 gilt als die eher teurere Wahl.

Der US-Tarnkappenbomber F-35 gilt als die eher teurere Wahl.

Ana Brigida / AP

Manche Vertreter von ausländischen Kampfjet-Herstellern, derzeit versammelt in Bern, wirken dieser Tage etwas schlapp. Dass ausgerechnet der US-Tarnkappenbomber F-35 in der Schweizer Evaluation das klar beste Preis-Leistungs-Verhältnis erzielt haben soll, hat sie fast umgehauen. Nun wolle, so sickerte via NZZ und «Rundschau» des Schweizer Fernsehens durch, Verteidigungsministerin Viola Amherd (Die Mitte) dem Bundesrat vorschlagen, den F-35 zu erwerben.

«Das ist sehr schwierig zu verstehen», sagt ein Mitarbeiter eines F-35-Konkurrenten. Was Vertretern von Dassault (Rafale), Airbus (Eurofighter) und Boeing (Super Hornet) nicht in den Kopf will: dass der als teuer geltende F-35 ihre eigenen Jets bezüglich Lebenszykluskosten klar geschlagen haben soll. Im Fokus bei diesen Diskussionen stehen die Kosten pro Flugstunde der Jets. Sie bestimmen massgeblich die Kosten, die ein Jet über die vorgesehene Betriebsdauer von 30 Jahren verursacht. Ausgerechnet in dieser Sparte aber schneidet der Tarnkappenflieger F-35 bisher schlecht ab.

Ein Boeing F/A-18 Super Hornet.

Ein Boeing F/A-18 Super Hornet.

Valentin Flauraud / KEYSTONE

Doppelt so hoch: 36’000 Franken pro Flugstunde

Das zeigt ein Blick auf die kursierenden Flugstundenkosten, auch wenn diese Angaben mit Vorsicht zu geniessen sind. Fest steht aber: Laut Angaben von Hersteller Lockheed kostet die Flugstunde des F-35 derzeit rund 36’000 Dollar. Laut Angaben von Boeing kostet die Flugstunde eines neuen Super Hornet 18’000 Dollar, also etwa die Hälfte. Ebenfalls auf um die 20’000 Dollar sollen sich die Flugstundenpreise des Rafale und des Eurofighters belaufen. In Indien etwa, das den Rafale kaufte, wird mit 16’000 Dollar gerechnet.

Diese markanten Unterschiede der Flugstundenkosten sind ein Hauptgrund, weshalb die Konkurrenz und Experten am F-35-Sieg in der Schweiz zweifeln.

Für Kopfschütteln bei der Konkurrenz sorgt auch die Darstellung, dass Lockheed offenbar einen Teil der teuren Flugstunden durch billige Simulatorstunden ersetzen will. Keiner der anderen Anbieter erhielt von Armasuisse die Gelegenheit oder Aufforderung, im Angebot ebenfalls (günstige) Simulatorstunden einzurechnen. Nun fragen sich Konkurrenten: Kam Lockheed auf tiefe Lebenszykluskosten, weil nur sehr wenige echte Flugstunden eingerechnet wurden?

Liess sich die Schweiz auf ein Versprechen ein?

Die Konkurrenz rätselt, ob sich Armasuisse auf eine Rechnung einliess, die auf reinen Versprechen fusst. So kündigte Lockheed an, den Flugstundenpreis bis 2025 auf 25’000 Dollar zu senken, was aber gerade bei US-Experten als unrealistisch gilt. Umso mehr, als immer mehr Probleme beim Wunderjet auftauchen.

Ohnehin ist die Konkurrenz der Ansicht, dass sie der Schweiz wirtschaftlich und politisch gewichtigere «Benefits» anbieten könne als Lockheed. Und hofft, dass der Gesamtbundesrat das noch berücksichtigen wird. Auf bis zu mehreren hundert Seiten sollen Hersteller ihre wirtschaftlichen Angebote aufgelistet haben. Airbus etwa führt offenbar einen politischen Masterplan ins Feld, den die vier Eurofighter-Staaten Deutschland, Grossbritannien, Italien und Spanien unterschrieben haben. Jetzt hoffen die Hersteller, dass der Bundesrat die Gesamtangebote genügend berücksichtigt.

Wie geht die Sache aus? Die Bewerber staunen und rätseln und warten den nächsten Mittwoch ab. Dann soll, so heisst es, der Bundesrat den Entscheid fällen, welcher Jet im 6-Milliarden-Deal gekauft werden soll. Das letzte Wort aber hat so oder so das Parlament und via Initiative vielleicht sogar das Volk.

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