Die Labore sollen künftig weniger Geld für die Auswertung von Corona-Tests erhalten

Der Bund will die Tarife für die Analyse von Corona-Tests senken. Die Labore können damit leben. Das macht Politiker stutzig.

Um bis zu 22 Prozent soll die Pauschale der Labore gesenkt werden.

Um bis zu 22 Prozent soll die Pauschale der Labore gesenkt werden.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Letzte Woche hat der Bundesrat die grosse Testoffensive ausgerufen. Überall soll künftig mehr getestet werden: in den Betrieben, den Schulen, den Haushalten. Rund eine Milliarde Franken will die Regierung sich das alles im Jahr 2021 kosten lassen.

Wenig beachtet worden ist bisher ein Systemwechsel bei der Entschädigung der Schweizer Labore, den das Bundesamt für Gesundheit im Zuge seiner neuen Teststrategie vorschlägt und den der Bundesrat heute beschliessen dürfte. Was das BAG plant, geht aus dem Verordnungsentwurf hervor, den das Amt letzte Woche in Konsultation gegeben hat. Es will die Labortarife für die Auswertung von Corona-Tests neu abgestuft vergüten.

Je mehr getestet wird, desto tiefer die fällt die Pauschale aus

Das BAG schlägt einen Mechanismus vor, der sich an der Zahl der insgesamt pro Woche durchgeführten PCR-Tests orientiert. Je mehr getestet wird, so der neue Grundsatz, desto weniger Geld gibt es pro Test für die Labore. Oder ganz konkret: Wenn über 200’000 Tests pro Woche gemacht wurden, erhält ein Labor für die Analyse eines Tests künftig noch 64 Franken. Liegt die Zahl der Tests zwischen 150’000 und 200’000, sollen es neu 70 Franken sein. Und wenn wie zuletzt wöchentlich um die 130’000 PCR-Tests durchgeführt werden, beträgt die Entschädigung künftig 74 Franken.

Aktuell steht in der Covid-19-Verordnung noch ein Fixbetrag von 82 Franken. Der Bund hat diesen in der Vergangenheit schon mehrfach gesenkt: Von satten 180 Franken am Anfang der Pandemie Ende April zunächst auf 95 Franken. Seit September gilt der Tarif von 82 Franken. Bis im Juni kamen noch die Versicherer für die Analysen auf; seither ist es der Bund.

Die bisherigen Kürzungen gingen jeweils nicht ohne Proteste des Verbands der medizinischen Laboratorien FAMH über die Bühne. Nun sollen die Labore nochmals bis zu 18 Franken weniger erhalten. Das entspricht einer Einbusse von maximal 22 Prozent. Dennoch begrüsst Willi Conrad, Vorstandsmitglied und ehemaliger Präsident der FAMH, die Vorschläge aus dem Bundessamt für Gesundheit. Man könne hinter dieser Lösung stehen, weil sie Realität in den Laboren abbilde, sagt Conrad. «Je mehr Tests wir machen, desto günstiger wird der einzelne dank der Automatisierung», so Conrad.

Weiter runten wollen die Labore nicht mehr

Allerdings ist es den Schweizer Laboren auch wichtig zu betonen, dass ihre Skaleneffekte nun aufgebraucht seien. «Zu einer weiteren Senkung können wir nicht mehr Hand bieten», sagt Conrad, der durchblicken lässt, dass das BAG anfangs wohl auf einen tieferen Fixtarif drängte – und das neue, abgestufte System für die Labore bereits einen Verhandlungserfolg darstellt. «Wir haben einen gutschweizerischen Kompromiss gefunden», sagt Conrad.

Christian Lohr lässt dieser neue Kompromiss indes aufhorchen. Der Thurgauer sitzt in der Gesundheitskommission des Nationalrats und kämpft schon länger gegen Labortarife, die in der Schweiz in seinen Augen zu hoch sind. Mit Blick auf die Sars-CoV-2-Analysen sagt der CVP-Politiker, er finde es gut, dass das BAG Druck mache und Kosten senken wolle. Gleichzeitig wundert sich Lohr darüber, dass die Labore nun plötzlich auch mit 64 Franken pro Analyse noch über die Runde kommen, nachdem sie anfangs noch 180 Franken kassiert hatten. «Es stellt sich für mich hier schon die Frage, ob sich die Labors hier sehr, sehr grosszügig im Gesundheitswesen bedient haben», sagt Lohr.

BAG und Labore wehren sich gegen Abzocker-Vorwurf

Das BAG und die Labore wehren sich gegen diesen Vorwurf. Das Amt schreibt, man prüfe die Tarife engmaschig und in regelmässigen Abständen. Es verweist darauf, dass zu Beginn der Pandemie die Laborkapazitäten beschränkt waren und die Auswertung der Tests viel arbeitsintensiver war, weil automatisierte Verfahren fehlten. Zudem seien Reagenzien knapp gewesen. Aktuell komme es zu einer Normalisierung in den Versorgungsketten, was den Preis beeinflusse.

Auch Willi Conrad vom FAMH betont, die tiefere Pauschale sei wegen der tieferen Selbstkosten verkraftbar. Daneben weist er darauf hin, dass die Schweizer Labore während der Pandemie ohne staatliche Unterstützung die Testkapazitäten erhöht hätten. «Das war etwa in Deutschland anders», sagt Conrad.

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