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Von der Vertrauensperson zum Peiniger: In Basel hat sich ein 28-Jähriger mehrfach sexuell an seinem damals neunjährigen Göttibuben vergangen. Der ehemalige Juniorenfussballtrainer wurde deswegen zu einer Freiheitstrafe über 27 Monate verurteilt.

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Das Basler Strafgericht verurteilte am Donnerstag einen 28-jährigen ehemaligen Juniorenfussballtrainer wegen sexueller Handlungen mit Kindern und verbotener Pornografie zu einer 27-monatigen Freiheitsstrafe.

Das Basler Strafgericht verurteilte am Donnerstag einen 28-jährigen ehemaligen Juniorenfussballtrainer wegen sexueller Handlungen mit Kindern und verbotener Pornografie zu einer 27-monatigen Freiheitsstrafe.

JSD Basel-Stadt

Das Opfer war der neunjährige Göttibub des verurteilten Pädokriminellen. Neben der Freiheitsstrafe wurde ihm ein lebenslanges Tätigkeitsverbot auferlegt für alle beruflichen und ausserberuflichen Tätigkeiten mit Kontakt zu Minderjährigen.

Das Opfer war der neunjährige Göttibub des verurteilten Pädokriminellen. Neben der Freiheitsstrafe wurde ihm ein lebenslanges Tätigkeitsverbot auferlegt für alle beruflichen und ausserberuflichen Tätigkeiten mit Kontakt zu Minderjährigen.

Kanton BS

Die 14-monatige unbedingte Freiheitstrafe wird zu Gunsten einer ambulanten Therapie aufgeschoben. «Vielleicht gelingt es Ihnen mit der Therapie einzusehen, was Sie hier gemacht haben», so Gerichtspräsident Dominik Kiener.

Die 14-monatige unbedingte Freiheitstrafe wird zu Gunsten einer ambulanten Therapie aufgeschoben. «Vielleicht gelingt es Ihnen mit der Therapie einzusehen, was Sie hier gemacht haben», so Gerichtspräsident Dominik Kiener.

20min/Taddeo Cerletti (Symbolbild)

  • Ein 28-jähriger Junioren-Fussballtrainer musste sich wegen sexuellen Handlungen an Kindern vor dem Basler Strafgericht verantworten.

  • Er misshandelte mehrfach seinen neunjährigen Göttibuben, der schwer an den Folgen der Übergriffe leidet.

  • Das Gericht verurteilte ihn deswegen zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe über 27 Monate und hat eine ambulante Therapie angeordnet.

Am liebsten wäre der Beschuldigte aus Scham in seinem grossen, schwarzen Hoodie versunken. Zu den zehntausenden kinderpornografischen Bildern befragt, die auf seinem Computer gefunden wurde, druckste er sich um eine Erklärung. Er sei auf einen Link gekommen, kenne sich nicht so gut aus mit Computern. «Das ist Ihnen aber nicht einfach zugeflogen», insistierte Gerichtspräsident Dominik Kiener. «Hat es Sie sexuell erregt?» Der 28-Jährige findet kaum noch Worte.

Dieses Aussageverhalten war typisch für den ehemaligen Junioren-Fussballtrainer, der am Dienstag wegen mehrfacher sexueller Handlungen mit einem Kind und verbotener Pornografie vor den Schranken des Basler Strafgerichts stand. Oder vielmehr in sich zusammengefallen vor dem Dreiergericht sass. Im Zeitraum zwischen Juli und Dezember 2019 misshandelte er mehrfach seinen neunjährigen Göttibuben. «Ein Bube ist nicht in der Lage einen solchen Angriff abzuwehren. Noch dazu vom Götti, den er mochte und dem er vertraute», so Staatsanwältin Alexandra Frank.

Die angeklagten Übergriffe gab er weitgehend zu. Einsicht liess er aber kaum erkennen. In seiner Schilderung kamen die Impulse für die sexuellen Handlungen vom Buben. Diese Täter-Opfer-Umkehr ist gerade für pädokriminelle Täter typisch und wird vor Gericht häufig vorgebracht. Ein Gutachten diagnostizierte ihm auch eine ausgeprägte pädophile Nebenströmung mit erhöhter Rückfallgefahr. Die Diagnose will er aber nicht so wirklich anerkennen und von einer Rückfallgefahr schon gar nichts wissen. «Ich bin aber trotzdem bereit, das anzugehen und will mir Hilfe holen.»

Der Bub kann bis heute nicht über die Tat sprechen

Der Anwalt machte geltend, dass der Beschuldigte ein schweres Vorleben hatte. Das Kind einer mutmasslich drogenabhängigen Mutter sei mit HIV und Hepatitis zur Welt gekommen und habe seine ersten beiden Lebensjahre in der Klinik verbracht. Die Mutter starb noch vor seinem ersten Geburtstag, der Vater ist unbekannt. Danach sei er durch Pflegefamilien durchgereicht worden und landete zeitweise in einem Heim. Auch kognitiv ist er nicht allzu leistungsfähig. «Er war nirgends zu hause, diese besonderen Umstände gilt es zu berücksichtigen», befand sein Verteidiger Moritz Gall.

Allerdings hat er mit seinen Taten auch seinen Göttibuben schwer traumatisiert. Bis heute ist dieser gemäss Bericht der Universitären Psychiatrischen Kinder- und Jugendklinik nicht in der Lage, über das Geschehene zu sprechen. Im vergangenen Frühling musste der Junge drei Monate stationär behandelt werden und lebt seit dem Austritt in einem Heim, weil er die normale Schule nicht mehr besuchen kann. «Die Misshandlungen haben die ganze Familie zerstört. Auch die Mutter ist in ein tiefes Loch gefallen, das hatte auch Auswirkungen auf den Buben», führte Privatklägerin Bettina Brodbeck aus.

Vielleicht bringt die Therapie Einsicht

Das Gericht sprach ihn schuldig im Sinne der Anklage und verurteilte ihn zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von 27 Monaten, wobei der unbedingte Teil von 14 Monaten zu Gunsten einer ambulanten Therapie aufgeschoben wird. «Vielleicht gelingt es Ihnen mit der Therapie einzusehen, was Sie hier gemacht haben», so Gerichtspräsident Dominik Kiener. Hinzu kommt ein lebenslanges Tätigkeitsverbot für alle beruflichen und ausserberuflichen Tätigkeiten mit Kontakt zu Minderjährigen.

Dem Opfer muss er eine Genugtuung von 7000 Franken bezahlen. Hinzu kommen Schadenersatz für Therapiekosten über 5000 Franken sowie Verfahrens- und Urteilskosten über 40’000 Franken.

Bist du minderjährig und von sexualisierter Gewalt betroffen? Oder kennst du ein Kind, das sexualisierte Gewalt erlebt?

Hier findest du Hilfe:

Kokon, Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

Castagna, Beratungsstelle bei sexueller Gewalt im Kindes- und Jugendalter

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Bist du selbst pädophil und möchtest nicht straffällig werden? Hilfe erhältst du bei Forio und bei den UPK Basel.

«Die Misshandlungen haben die ganze Familie zerstört»
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