Die Schweiz und Norwegen sind die Corona-Musterländer: Spitzenränge in neuem Pandemie-Ranking

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hat 53 Nationen bezüglich ihrer Pandemiebewältigung verglichen.

Stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus: ETH-Professor Jan-Egbert Sturm.

Stellt der Schweiz ein gutes Zeugnis aus: ETH-Professor Jan-Egbert Sturm.

Keystone

Die Schweiz schafft es auf den zweiten Platz der Covid-Rangliste der Nachrichtenagentur Bloomberg. Bloomberg wollte wissen, welches Land wie gut durch die Pandemie gekommen ist und hat dazu 53 Nationen miteinander verglichen.

Die Agentur hat sich dafür neben Infektions- und Todeszahlen, Impfquoten oder Qualität des Gesundheitswesens auch angeschaut, wie viele Menschen wieder einkaufen gehen oder zur Arbeit unterwegs sind und welche Einschränkungen es gibt. Das einzige Land, das die Schweiz schlägt, ist Norwegen. Dessen Regierung hatte im Frühjahr 2020 als eine der ersten strikte Coronamassnahmen erlassen und die Grenzen dichtgemacht.

«Die Schweiz hat es nicht schlecht gemacht», sagt Jan-Egbert Sturm, Professor für Angewandte Wirtschaftsforschung an der ETH Zürich. «Sie hatte immer vergleichsweise milde Massnahmen. Im März und April dieses Jahres war sie Vorreiter der Lockerungsmassnahmen in Europa, und sie wurde im Infektionsgeschehen dafür nicht bestraft.»

Schweiz hätte mehr Menschenleben retten können

Die Schulen waren im Frühjahr 2020 nur kurz geschlossen. Hotels und Skigebiete konnten geöffnet bleiben. Man musste nie Tests für Einkäufe oder Restaurantbesuche vorlegen, es gab nie eine Ausgangssperre. Unübersichtliche Regeln, die sich je nach Infektionszahlen ständig ändern, gibt es nicht.

Der Schweiz kreidet ETH-Professor Sturm nur einen Fehler an: «Die zweite Welle Ende letzten, Anfang dieses Jahres hat die Schweiz nicht gut gemeistert», sagt er. Sie habe zu spät reagiert, die Geschäfte etwa erst kurz vor Weihnachten geschlossen. Natürlich hätte man bei früherem Schliessen Umsätze eingebüsst, aber das hätte Menschenleben gerettet, sagt er.

Die Schweiz hat für die milden Massnahmen aber einen Preis gezahlt: Sie hat höhere Infektionszahlen, mehr Coronapatienten auf Intensivstationen und mehr Todesfälle in Kauf genommen. Die Zahl der Todesfälle lag im Frühjahr 2020 pro Million Einwohner rund 60 Prozent höher als etwa in Deutschland, wie Daten des SRF zeigen. Professor Sturms Fazit: «Aus heutiger Perspektive würde ich sagen: Die Massnahmen an sich haben gereicht, aber sie hätten in der zweiten Welle eher kommen müssen.»

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