1 / 5

Seit Sommer ist Lara Dickenmann General Managerin bei GC.

Seit Sommer ist Lara Dickenmann General Managerin bei GC.

Marc Schumacher/freshfocus

Sie und GC-Spielerin Luna Lempérière sprachen exklusiv mit 20 Minuten. 

Sie und GC-Spielerin Luna Lempérière sprachen exklusiv mit 20 Minuten.

20min/Marco Zangger

Die 21-Jährige trifft am Samstagnachmittag auf ihre langjährigen Kolleginnen. Acht Jahre spielte sie für den FCZ, ehe sie im Sommer wechselte. 

Die 21-Jährige trifft am Samstagnachmittag auf ihre langjährigen Kolleginnen. Acht Jahre spielte sie für den FCZ, ehe sie im Sommer wechselte.

20min/Marco Zangger

  • Am Samstag steht in der Women’s Super League der Spitzenkampf zwischen Zürich und GC an.

  • Im Vorfeld der Partie sprechen Luna Lempérière und Lara Dickenmann exklusiv über das Projekt.

  • Sie sprechen über Kritik, Gehälter und den Glamour im Männerfussball.

GC ist derzeit auf Rang 2. Am Samstag steht das Spitzenspiel gegen die FCZ-Frauen an. Wie zufrieden sind Sie mit der bisherigen Saison?

Lara Dickenmann: (lacht) Sehr zufrieden. Jetzt ist natürlich noch nicht so viel Zeit vorbei, aber momentan läuft es bestmöglich. Wenn man von Wolfsburg kommt, dann bist du dir gewohnt, jedes Jahr um Titel zu spielen. Als das Projekt begann, wollten wir die Spielerinnen auch nicht überfordern und einfach sagen: Ab jetzt gewinnen wir alles! Das ist ein schmaler Grat, ich glaube aber, dass er uns gelungen ist. Natürlich ist es für mich cool zu siegen, aber ich schaue das Grosse und Ganze an. Die GC-Frauen sind ein mehrjähriges Projekt.

Wird GC diese Saison Meister?

Dickenmann: Die Spitze hat sich verdichtet. Ich würde mich aber niemals zur Aussage hinreissen lassen, dass wir Meister werden. Das bedeutet aber nicht, dass ich nicht daran glaube. Zu diesem Zeitpunkt sage ich es einfach nicht. Ich schaue immer, wo wir gerade stehen und von Spiel zu Spiel.

Sie haben acht Jahre beim FCZ gespielt, wechselten diesen Sommer zu GC. Wie wollen Sie Ihre Ex-Kolleginnen schlagen?

Luna Lempérière: Das Interview kommt noch vor dem Spiel raus, deswegen muss ich aufpassen (lacht) … Wir haben unsere Qualitäten und die werden wir definitiv komplett ausschöpfen. Wir haben ein sackstarkes Team. Wir werden einfach so weitermachen wie bisher.

Warten Sie eigentlich auf Ihr Nati-Aufgebot?

Lempérière: Klar, ich bin schon am Däumchen drehen. Ich sage Nils (Nils Nielsen, d.Red.) jeden Tag… Nein, Spass! Klar, die Nati ist ein Traum. Jede will das erreichen. Doch ich warte nicht darauf. Ich ziehe einfach mein Ding durch. Ob das dann reicht oder nicht, entscheidet dann immer noch Nils.

Frau Dickenmann, Sie sind seit Sommer bei GC als General Managerin. Wie waren die ersten Monate?

Dickenmann: Es war ein Sprung ins kalte Wasser. Am Anfang war es sehr viel. Langsam schaffe ich es, die Work-Life-Balance zu halten. In kurzer Zeit konnten wir viel verändern und ein super Team zusammenstellen. Nun geht es darum, noch bessere Rahmenbedingungen zu schaffen. Das ist teils sehr schwer. Generell wusste ich, dass der Job kompliziert wird.

Können Sie Beispiele nennen?

Dickenmann: Da geht es um verschiedene Sachen. Die Prozesse sind einfach manchmal super langsam und dann gibt es noch die Vereinspolitik, die ich so auch nicht gekannt habe. Auch habe ich ja eigentlich noch nie richtig gearbeitet, nur gespielt. Es ist ein mega cooler Job.

Frau Lempérière, wie würden Sie das Projekt GC beschreiben?

Lempérière: Die Abteilung wurde komplett umstrukturiert, sie wurde professionalisiert. Das sieht man schon an kleinen Dingen. Zum Beispiel macht der Insta-Kanal nun einen komplett professionellen Eindruck, hat nun einheitliche Farben. Wir haben eine Person, die nur für das zuständig ist. Auch verpflichtete der Club mehrere Spielerinnen. Hinzu kommt Trainerin Theresa Merk, die von Wolfsburg kam und natürlich Lara. Wenn solche Personen an einem Projekt teilnehmen, dann weiss man, dass da etwas dahinter steckt.

Das Projekt ist ambitioniert. Wird dementsprechend auch viel Geld investiert?

Dickenmann: Ja, absolut. Die Basis vom Projekt ist, dass sich die finanziellen Voraussetzungen geändert haben. Deshalb sind ja auch Personen wie ich oder Theresa Merk zu GC gestossen. Und deswegen können wir nun auch unseren Spielerinnen zum Teil einen besser dotierten Vertrag geben.

Anfang des Jahres berichtete das SRF, dass GC Gehälter zwischen 2500 und 6000 Franken zahlt.

Dickenmann: Für mich ist das okay, wenn diese Summen kursieren. Und ja, einige Spielerinnen bei uns können vom Fussball leben. Es sind nicht Millionäre wie Cristiano Ronaldo. Es ist das Ziel, dass bald das halbe Team oder fast alle Spielerinnen vom Sport leben können. Vielleicht ist das in der Schweiz nicht so realistisch, aber wir versuchen es. Derzeit sind wir vor allem dran, dass die Spielerinnen ihr Jobpensum auf 40-50% reduzieren können, sodass sie mehr Erholung haben. Dass nächstes Jahr alle Profis sind, ist unrealistisch.

Wie viele Spielerinnen können denn bei Ihnen vom Lohn leben?

Dickenmann: Salopp gesagt: Wir haben vier Ausländerinnen und wenn du gute Ausländerinnen in die Schweiz holst, dann müssen diese hier leben können. Sie kommen nicht in die Schweiz, wenn wir ihnen einen 50-Prozent-Job anbieten.

Auch hiess es in den Medien, dass GC Spielerinnen abwirbt, ohne zuvor richtig mit deren Vereinen gesprochen zu haben. Was war da los?

Dickenmann: Sportchef Johannes Moos kam vom Jugendfussball und war mega motiviert. Er wollte mit den neuen finanziellen Möglichkeiten das Team für die Rückrunde verbessern. Er fand einige Spielerinnen interessant und ist diese angegangen. Er hat aber nun gelernt, dass man in der Schweiz den Verein anschreibt und das Interesse bekundet. Dann kann der Verein nicht «nein» sagen. Es ist eher eine formelle Sache, aber es ist eine wichtige Sache. Die ist aber vergessen gegangen. In der Zwischenzeit weiss er das. Er hat dies nicht aus böser Absicht gemacht, sondern einfach, weil er super motiviert war.

Haben Sie manchmal Angst, dass das Projekt scheitert?

Lempérière: Ich war acht Jahre beim FCZ, habe mein halbes Leben beim Club verbracht. Lange Zeit habe ich gehadert, ob ich diesen Schritt gehen will. Aber jetzt bin ich mir zu 100 Prozent sicher, dass es die richtige Entscheidung war. Mit allen habe ich es auch mega gut. Die FCZ-Spielerinnen verstanden, dass ich wechselte. Sie wussten, dass ich es liebe auf dem Platz zu stehen.


Und was ist der Grund, dass auch andere Spielerinnen zu GC wechselten?

Lempérière: Der wichtigste Punkt ist sicherlich die Spielzeit. Ana Maria Markovic schaffte den Sprung in die 1. Mannschaft nicht. Ella Ljustina spielte auch nicht oft. Bei GC bekamen sie die Chance und haben sie genützt. Und dadurch, dass wir nicht Profis sind, sind wir auch wegen der Schule oder dem Job an einen Ort gebunden.

Was muss sich im Frauenfussball ändern, damit er mehr Beachtung erhält?

Dickenmann: Wichtig ist, dass die höchste Instanz eines Vereins an den Frauenfussball glaubt. Schauen wir den Frauenfussball in England an. Klar, da herrschen ganz andere Bedingungen, ist viel mehr Geld im Umlauf. Die Clubs haben es geschafft, den Frauenfussball zu professionalisieren. Sie haben das Wichtigste geschafft: eine tolle Sichtbarkeit.

Und die gibt es in der Schweiz nicht?

Dickenmann: Wie der Frauenfussball in der Schweiz verkauft wird, ist nicht gut. Wenn man die SRF-Zusammenfassungen der Spiele anschaut, weiss ich nicht, ob die uns einen Gefallen machen. Wenn man im TV sieht, auf welchen Plätzen wir spielen müssen. Wenn GC gegen Basel im Letzigrund gezeigt wird, kann man das verkaufen. Aber wenn auf anderen Plätzen gespielt wird, ist das kein Produkt, das man verkaufen kann. Dann finde ich es eigentlich besser, wenn man gar nichts zeigt.

Was wäre eine Lösung?

Dickenmann: Man müsste eine andere Strategie fahren. Jede Woche könnte eine Partie in einem Männerstadion sein. Organisatorisch sollte das möglich sein. Und diese Partie kommt dann im TV. So würde das Projekt Frauenfussball einen anderen Stellenwert erhalten. Attraktivität würde wachsen, grössere Sponsoren würden kommen. Und damit dann auch das Geld, das sehr wichtig ist.

Wieso schauen denn mehr Menschen Männer- als Frauenfussball?

Lempérière: Das ist eine schwierige Frage. Sicherlich, weil Männerfussball schon länger besteht. Auch sind wohl mehr Männer an Fussball interessiert als Frauen. Männerfussball ist die grösste Sportart weltweit.

Jetzt ist erst wieder die Männer-Nati eingerückt. Der Medienauflauf war riesig, Fussballer kommen mit Louis-Vuitton-Taschen. Vermissen Sie den Glamour im Frauenfussball?

Dickenmann: Auf dem höchsten Niveau bewegt sich der Frauenfussball auch in diese Richtung. Die Fussballerinnen haben auch Louis-Vuitton-Taschen. Per se finde ich das nicht scheisse. Wenn sie sich das leisten wollen, ist das ja ihre Entscheidung. Ich persönlich habe immer mega die Bodenständigkeit im Frauenfussball und der Spielerinnen geschätzt, die es bei den Männern nicht immer so gibt.

Junge Spielerinnen wie Ana Maria Markovic oder eine Alisha Lehmann erreichen viele Fans per Tiktok und Instagram. Ist das auch etwas für Sie, Frau Lempérière?

Lempérière: Tiktokerin bin ich gar nicht. Instagram habe ich, aber ja. Ana Maria und Alisha machen es super. Sie schaffen dadurch auch Aufmerksamkeit für den Frauenfussball. Ich fokussiere mich aber lieber auf den Fussball und mein Studium.

Helfen solche Spielerinnen mit ihren Accounts dem Frauenfussball?

Lempérière: Es kann sicherlich in beide Richtungen gehen. Einerseits sehen mega viele Menschen die Bilder und damit den Frauenfussball. Andererseits gibt es sicherlich auch Menschen, die das kritisieren. Aber Kritik gibt es doch immer. Und wenn die Fussballerinnen noch nebenbei modeln wollen, sollen sie das doch machen.

Am 26.11 spielt die Frauen-Nati gegen Italien. Wie wichtig ist das Erreichen einer WM für den Schweizer Frauenfussball?

Lempérière: Das ist unglaublich wichtig! Das kann einen mega Schub geben. Vor allem, wenn dann die Medien auch darüber berichten.

Servette hatte am Dienstag in der Champions League gegen Chelsea über 12’000 Menschen im Stadion. Bei den Nati-Spielen zuletzt im Letzigrund kamen rund 3500 Fans. Ist das Erreichen der Königsklasse nicht viel wichtiger?

Dickenmann: Es ist einfach eine regelmässige Sichtbarkeit. Servette hatte in dieser Gruppe einfach grosses Glück und auch Pech. Gegen die Top-Teams kommen die Servette-Frauen auch recht drunter. Und in der Liga tun sie sich schwer. Es braucht einfach mehr Spielerinnen und auch mehr Geld. Mein Traum wäre es, dass GC das Lyon der Schweiz wird. Dass die besten Spielerinnen der Schweiz zu uns kommen. Das wäre cool, ist derzeit aber utopisch. Es bräuchte extrem viel Geld und Attraktivität, um Stars wie Ana Maria Crnogorčević von Barcelona zu verpflichten.

Als Mitglied wirst du Teil der 20-Minuten-Community und profitierst täglich von tollen Benefits und exklusiven Wettbewerben!

«Die SRF-Zusammenfassungen machen uns wegen den Plätzen keinen Gefallen»
Source:
Source 1

LEAVE A REPLY

Please enter your comment!
Please enter your name here