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Nach mehreren Abstimmungen, Krawallen, Zwist und Chaos liegt nun endlich der Entscheid des Stimmvolkes vor: Das Städtchen Moutier wird vom Kanton Bern zum Kanton Jura wechseln. Die Separatisten haben das Politikum für sich entschieden.

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Das Stimmvolk hat entschieden: Moutier wechselt zum Kanton Jura.

Das Stimmvolk hat entschieden: Moutier wechselt zum Kanton Jura.

20min/Vanessa Lam

In Moutier ist heute ein historischer Tag. Das Städtchen stimmte über seine Kantonszugehörigkeit ab.

In Moutier ist heute ein historischer Tag. Das Städtchen stimmte über seine Kantonszugehörigkeit ab.

20min/Vanessa Lam

Im ganzen Jubel wurden die Corona-Regeln aber ziemlich vergessen. 

Im ganzen Jubel wurden die Corona-Regeln aber ziemlich vergessen.

Twitter / alexandrerosse

Ein unerbittlicher Kampf um die Kantonszugehörigkeit von Moutier scheint nun endlich ein Ende gefunden zu haben: Das Städtchen soll gemäss dem heutigen Resultat nun definitiv vom Kanton Bern zum Kanton Jura wechseln. Mit 2114 Ja- gegen 1740 Nein-Stimmen entscheiden sich Moutiers Stimmberechtigte, aus dem Kanton Bern auszutreten. Eine deutliche Mehrheit, genau 54.9 Prozent der Stimmberechtigten, sagen also Ja zum Kantonswechsel. Die Behörden haben dieses Ergebnis am Sonntagnachmittag um 18 Uhr verkündet.

Eine Stunde nach Bekanntgabe des Resultats wollen die Behörden zum Resultat öffentlich Stellung nehmen. Der Livestream der Medienkonferenz können Sie hier verfolgen.

Party in Moutier

Bei den Autonomen – den Siegern der Abstimmung – gibt es jetzt kein Halten mehr. Der Wechsel zum Kanton Jura, für den sie und teils auch ihre Vorfahren seit Jahrzehnten gekämpft haben, soll nun also definitiv stattfinden. So wird in Moutier schon seit den Nachmittagsstunden rege gefeiert. Die Jurafreunde gaben sich schon in den frühen Nachmittagsstunden siegessicher: Es wird rege Bier getrunken, gefeiert – die Corona-Regeln gehen dabei auch gerne vergessen.

Strenge Behörde gegen ewigen Klamauk

Nicht immer ging es in Moutier ganz so leicht zu und her wie an diesem Abstimmungssonntag: Insgesamt neun Urnengänge rund um die Jurafrage und ein immenser administrativer Aufwand waren nötig, um diese äusserst hitzige Abstimmung unter Dach und Fach zu bringen. Die letzte Durchführung wurde 2018 wegen Unregelmässigkeiten für ungültig erklärt.

So wurden für den Urnengang vom 28. März 2021 noch drastischere Massnahmen ergriffen. Die Bundesregierung hat neutrale Beobachter nach Moutier entsandt, um die Abstimmung vor Ort minutiös und mit Argusaugen zu überwachen. Auch patrouilliert am Wahlsonntag die Polizei verstärkt im 7500-Seelen-Städtchen, welches aus Sicherheitsgründen kurzerhand zweigeteilt wurde: Das Komitee «Moutier ville jurassienne» musste sich im Osten der Ortschaft einrichten, während sich das gegnerische Lager, das «MoutierPlus» -Komitee, sich im Westen des Städtchen niedergelassen hat. Beide Lager, die Autonomen wie auch die Antiseparatisten, haben diese Teilung der Stadt zu respektieren. Demonstrationen sind in ganz Moutier zudem verboten. Trotz des plötzlichen Menschenandrangs bei den Abstimmungssiegern hält sich die Polizei im Hintergrund.

Aufregung kurz vor Wahlsonntag

Vor wenigen Stunden gab es jedoch nochmals grössere Unruhen, da die Berner Kantonsregierung plötzlich auf noch ungeklärte, mutmassliche Abstimmungstouristen aufmerksam machte. Gegenüber der «Berner Zeitung» sagte Jean-Christophe Geiser, Jurabeauftragter im Bundesamt für Justiz, jedoch: «Es ändert sich nichts am Abstimmungsprozedere vom Sonntag.» Man habe umfangreiche Sicherheitsmassnahmen für die Abstimmung getroffen und Moutiers Stimmregister über Monate kontrolliert.

Diese Kontrolle des Wahlregisters, aber auch Versand von Abstimmungsmaterial durch das Bundesamt für Justiz und Verteilung von Abstimmungsmaterial durch Bundesbeobachter in Krankenhäusern und medizinischen Einrichtungen waren weitere Massnahmen, die im Vorfeld für einen fairen Ausgang des Referendums getroffen wurden.

Die Abstimmungsgewinner – jetzt also die Projurassier – dürfen nun feiern. Aus den eigentlich erlaubten Kleingruppen von maximal 15 Personen wurde inzwischen eine grosse Masse. Corona scheint hier im Jura gerade zweitrangig geworden zu sein. Und ganz klar scheint es, als ob der lange Kampf um die Kantonszugehörigkeit nun ein Ende gefunden hat. Doch: In der Jura-Frage gab es bislang stets viele unerwartete Wendungen…

(MIW)

Die Stadt Moutier wird jurassisch
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