Die Swisscom zieht in der Rabattschlacht den Kürzeren – ihr Chef lobt die Qualität trotz den Notrufpannen

Der Telekomriese legt beim Umsatz im ersten Halbjahr zu. Doch beim Schweizer TV- und Mobilgeschäft ist die Luft draussen. Erneut rettet die italienische Tochter Fastweb die Bilanz.

Die Swisscom ist zufrieden mit dem ersten Halbjahr.

Die Swisscom ist zufrieden mit dem ersten Halbjahr.

Keystone

Swisscom-Chef Urs Schaeppi ist zufrieden. «Wir haben solide, gute Zahlen abgeliefert», sagt er am Donnerstag an einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Der Telekomanbieter konnte den Umsatz in den ersten sechs Monaten um 2,6 Prozent auf 5,583 Milliarden Franken steigern, das konsolidierte Betriebsergebnis vor Abschreibungen liegt mit 2,317 Milliarden Franken 4,9 Prozent über dem Vorjahr. Besonders die Italien-Tochter Fastweb macht der Geschäftsleistung Freude. Sie steigerte ihren Umsatz wie schon in den Jahren zuvor um 6,9 Prozent und legte bei den Mobilfunkkunden im Vergleich zum Vorjahr um fast 20 Prozent zu.

Doch im Schweizer Kerngeschäft bricht der Umsatz weg. Die Swisscom zählt mit 6,169 Millionen Mobilfunkkunden 1,5 Prozent weniger als Ende Juni 2020, die Zahl der TV-Anschlüsse ging um 0,1 Prozent auf 1,582 Millionen zurück und jene der Breitbandanschlüsse um 1,0 Prozent auf 2,027 Millionen.

Die Rabattschlacht tobt

Noch stärker sank der Umsatz in diesen Bereichen. In den Büchern steht im ersten Halbjahr ein Umsatzminus mit Telekomdiensten von 3,1 Prozent. Das hat seinen Grund in der derzeit herrschenden Rabattschlacht. Insbesondere die seit letztem Jahr fusionierte Sunrise UPC lockt Kunden mit Rabatten von 50 Prozent oder mehr zu sich. Das scheint zu funktionieren: Im ersten Halbjahr konnte Sunrise UPC die Kundenzahl um 57’800 steigern, wie der Anbieter letzte Woche bekannt gab.

Den Tiefpreis-Angeboten kann sich auch die Swisscom nicht entziehen. «Aktuell werden in der Schweiz Neukunden hohe Rabatte gewährt, um Marktanteile zu gewinnen», sagte Schaeppi kürzlich im Gespräch mit CH Media. «Im Moment ist das extrem. Wir stellen uns diesem Wettbewerb.» Ein Blick auf die Internetseite der Swisscom zeigt, mit wie viel Abschlag die Kunden geködert werden: Statt für 125 Franken pro Monat bietet die Swisscom etwa ihr Internet- und TV-Kombiangebot für 59 Franken pro Monat an.

Fast nur Wingo profitiert

Noch extremer tobt der Preiskampf im Mobile-Bereich. Sunrise UPC bietet 50 Prozent auf viele Abos, der kleinste und preislich aggressivste Mitbewerber Salt gar 60 Prozent. Die Swisscom schielt vor allem über ihre Marke Wingo auf die preisbewusste Kundschaft: Statt für 55 Franken offeriert sie momentan lebenslang unlimitiertes Telefonieren und Surfen in der Schweiz für 25 Franken pro Monat – ein Abschlag von 55 Prozent.

Kunden können im gesättigten Mobilfunkmarkt beinahe nur noch über tiefe Preise gewonnen werden. Von den 89’000 Neuabschlüssen der Swisscom im Mobilfunkbereich im ersten Halbjahr entfielen 86’000 auf die Zweitmarken. Dazu gehört neben Wingo etwa auch M-Budget Mobile. Das zeigt: Selbst im angeblich so qualitätsbewussten Schweizer Markt spielt der Preis eine ganz entscheidende Rolle.

Hat die Swisscom ein Qualitätsproblem?

Das trifft die traditionell teurere Swisscom umso härter als ihre Konkurrenz, als zuletzt auch Zweifel an der Qualität ihrer Dienstleistungen aufkamen. Eine eigentliche Pannenserie hat in den letzten 18 Monaten wiederholt zu Ausfällen wichtiger Infrastrukturen bei der Swisscom geführt. Zuletzt fiel der Notruf in der Nacht auf den 9. Juli stundenlang aus – nicht das erste Mal.

Swisscom-Chef Schaeppi verteidigt allerdings sein Unternehmen. «Die Swisscom hat eine sehr gute Qualität. Unsere Netze sind stabil», sagt er am Donnerstag. Die Swisscom habe reagiert und analysiere die Störung und Sofortmassnahmen im Bereich der Netze. Zudem gebe es eine interne Arbeitsgruppe und auch Themen der Netzarchitektur würden vertieft geprüft. Das Gesamtsystem sei noch zu wenig robust.

Nach einer grösseren Störung im letzten Jahr habe die Swisscom ihre Systeme durchleuchtet und schon viele Verbesserungen umgesetzt. «Das hat das System verbessert», so Schaeppi. Darüber hinaus, das machte der Swisscom-Chef klar, werden die Störungen aber keine grösseren Konsequenzen haben – weder personelle noch im Bereich der Lieferanten. Zumindest fürs erste scheinen auch die Kunden die Vorfälle noch zu verzeihen: «Wir haben wegen den Störungen keine Kunden verloren», sagt Schaeppi – und insgesamt sei die Stabilität der Swisscom in den letzten Jahren sowieso besser geworden.

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