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Bist du schwarz, weiss, asiatisch oder latein-amerikanisch? Das fragt die UBS ihre Angestellten. Diese reagieren teils irritiert. Die UBS begründet das Vorgehen mit der Förderung von Diversität und Gleichstellung.

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Angestellte der UBS sollen neuerdings Fragen zu ihrer ethnischen Zugehörigkeit beantworten. 

Angestellte der UBS sollen neuerdings Fragen zu ihrer ethnischen Zugehörigkeit beantworten.

Tamedia/Urs Jaudas

Die Befragung betrifft alle Mitarbeitenden in der Schweiz, wie ein Screenshot von News-Scout Lars* zeigt.

Die Befragung betrifft alle Mitarbeitenden in der Schweiz, wie ein Screenshot von News-Scout Lars* zeigt.

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Unter dem Begriff «ethnische Gruppe» können die UBS-Angestellten eine Kategorie auswählen. Zur Verfügung stehen unter anderem «asiatisch», «schwarz», «latein-amerikanisch» oder «weiss».

Unter dem Begriff «ethnische Gruppe» können die UBS-Angestellten eine Kategorie auswählen. Zur Verfügung stehen unter anderem «asiatisch», «schwarz», «latein-amerikanisch» oder «weiss».

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  • Die UBS will mehr Daten von ihren Mitarbeitenden einholen.

  • Neu sollen sie ihre ethnische Zugehörigkeit angeben – auf freiwilliger Basis.

  • Bei einigen UBS-Angestellten lösen die Fragen Unmut aus.

  • Eine Personal-Expertin prophezeit: Andere Unternehmen werden mit solchen Fragen nachziehen.

Die UBS will seit neustem wissen, welche Hautfarbe ihre Angestellten haben. Dafür sollen diese ein Formular im Intranet ausfüllen. «An alle Mitarbeitende in der Schweiz», schreibt die Grossbank dazu ganz oben auf der Startseite.

Unter dem Begriff «ethnische Gruppe» können die UBS-Angestellten eine Kategorie auswählen. Zur Verfügung stehen «asiatisch», «schwarz», «latein-amerikanisch» und «weiss». Zudem gibt es die Option «zwei oder mehr ethnische Gruppen» und «eine andere ethnische Gruppe», die man genauer beschreiben soll. Auch die Option «nichts sagen» gibt es.

Irritation bei Mitarbeitenden

Die Hautfarbe-Befragung illustriert die UBS mit einem Foto, auf dem von oben acht Espresso-Tassen in einem Kreis zu sehen sind. Der Kaffee hat jeweils eine andere Färbung – von schwarz über braun bis milchweiss. 20 Minuten liegen vom Formular Screenshots vor, die News-Scout Lars* gemacht hat.

Lars arbeitet bei der UBS und ist wegen der Befragung irritiert. «Obwohl ich hellhäutig bin, widerstrebt es mir, aufgrund meiner Hautfarbe mich auf diese Weise einordnen zu lassen», sagt er. Unter einigen Arbeitskollegen habe die Befragung für Diskussionen gesorgt.

«Ein Kollege hat Angst, sich in die ‹weissen Gruppe› einzuteilen, weil er befürchtet, dass dies in Zukunft gegen ihn verwendet wird», so Lars. Ein anderer bemängelt, dass die Kategorien zu grob und völlig unklar sind.

Diversität und Gleichstellung fördern

Für die UBS ist die Befragung zentral. Eine Sprecherin teilt mit, dass die UBS damit das Thema Diversität, Gleichstellung und Inklusion weiter fördern will. «Deshalb möchte die Bank auch einen besseren Überblick über die ethnische Zusammensetzung ihrer Belegschaft erhalten, um so auch mögliche ethnisch bedingte Herausforderungen besser erkennen und angehen zu können.»

Die Angaben seien absolut freiwillig und würden selbstverständlich vertraulich behandelt, sagt die UBS-Sprecherin. Sie betont, dass es für den Begriff der ethnischen Zugehörigkeit keine allgemeingültige Definition gebe.

«Wir wollten einfache Kategorien zur Verfügung stellen, welche wir mit verschiedenen Mitarbeitenden in der Schweiz und unseren Mitarbeiternetzwerken besprochen haben.» Die Kaffee-Illustration solle zudem sinnbildlich die Vielfalt zeigen.

Credit Suisse prüft Einführung in der Schweiz

UBS-Konkurrentin Credit Suisse (CS) bestätigt auf Anfrage, dass man zwar in bestimmten Ländern auf freiwilliger Basis nach der ethnischen Zugehörigkeit frage. In der Schweiz tue man das aber nicht. «Die Information wird erhoben, um unter anderem im Rahmen von Rekrutierungs- und Beförderungsprozessen Fairness und Gleichheit für alle Mitarbeitenden sicherzustellen», sagt ein Sprecher.

Wie es von verlässlichen Quellen aber heisst, prüft die CS derzeit die Einführung der Befragung in der Schweiz.

Wichtige Daten

Für Daniela Frau ist die Befragung gerade für Grosskonzerne wichtig. «Wenn ein Unternehmen sich für Diversität einsetzen und sehen will, ob es Probleme mit Ungleichheit oder mit Diskriminierung gibt, sind Datenerhebungen unumgänglich», so die Beauftragte für Diversity Management an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) School of Management & Law. Das komme letztlich den Mitarbeitenden zugute.

Oft kommunizieren die Unternehmen aber ungenügend über die Beweggründe der Befragung. Das sorgt für Irritation bei den Mitarbeitenden. «Viele Unternehmen sind gerade im Umgang mit Diversitätsthemen noch in einem Lernprozess», so Frau. Wichtig sei, dass die Freiwilligkeit bei der Teilnahme solcher Befragungen betont werde.

«Andere Unternehmen werden nachziehen»

Verständnis für die Unsicherheiten der Mitarbeitenden hat auch Personalexpertin Ann Forster. «Solche Befragungen sind wir in der Schweiz nicht gewohnt und sind eine Neuheit». Viele wollten sich nicht anhand grober Kategorien in eine ethnische Schublade stecken lassen. Die Kategorien seien aber in den USA schon längst Standard (siehe Box).

Letztlich wollen laut Forster die Unternehmen ethnische Vielfalt sowie Chancengleichheit ermöglichen und aufzeigen. Daher ist sich die Expertin sicher: «Andere Unternehmen in der Schweiz werden nachziehen.»

*Name von der Redaktion geändert

Dass Mitarbeitende nach ihrer ethnischen Zugehörigkeit gefragt werden, ist bei Unternehmen in den USA Standard. Alle Firmen mit über 100 Mitarbeitenden sind dazu gesetzlich verpflichtet. Die Daten aus dem Fragebogen leiten die Firmen an die US-Kommission für Chancengleichheit (EEOC) weiter. Dort werden sie nach Rasse, ethnischer Zugehörigkeit, Geschlecht und Berufsgruppe kategorisiert, wie die EEOC auf ihrer Website schreibt.

Die Daten dürfen nicht veröffentlicht werden und sollen der Kommission aufzeigen, wie Frauen und Minderheiten bei privaten Unternehmen und staatlichen Auftraggebern sowie in Branchen und Regionen vertreten sind. Auch die Firma Alcon mit Sitz in Genf und dem operativen Zentrum in Fort Worth, Texas, fragt nach der ethnischen Zugehörigkeit. Das sorgte bereits im vergangenen Jahr bei einem Alcon-Bewerber für Verwirrung.

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Die UBS fragt jetzt ihre Mitarbeitenden, welche Hautfarbe sie haben
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