Jair Lapid von der liberalen Partei Jesch Atid hat 28 Tage Zeit, eine israelische Regierung zu bilden. Der Schauspieler könnte «Bibis» Karriere beenden.

Jair Lapid könnte Benjamin Netanjahu gefährlich werden.

Jair Lapid könnte Benjamin Netanjahu gefährlich werden.

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Vier Wahlgänge in zwei Jahren und eine politische Schlammschlacht, wie sie der junge Staat noch selten zuvor gesehen hatte, haben Israel nicht näher ans Ziel gebracht. Noch immer hat das Land keine stabile Regierung – und schon wieder ist Premierminister Benjamin Netanjahu daran gescheitert, innert nützlicher Frist eine regierungsfähige Koalition aufzustellen. Deshalb hat Israels greiser Präsident Reuven Rivlin jetzt den Regierungsauftrag an den liberalen Politiker und ehemaligen Schauspieler Jair Lapid von der Partei Jesch Atid erteilt.

Der 57-Jährige hat genau 28 Tage Zeit, um mindestens 60 der 120 Parlamentsabgeordneten auf seine Seite zu bringen. Schafft er das, verliert der Langzeit-Regierungschef Netanjahu seinen Posten – und damit seine Immunität vor Strafverfolgung. Die drei gegen ihn angestrebten Korruptionsverfahren könnten ihm schlimmstenfalls eine mehrjährige Haftstrafe einbrocken.

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Doch ganz soweit ist Israel noch nicht. Ob der liberale Lapid wirklich eine mehrheitsfähige Koalition auf die Beine stellen kann, ist fraglich. Stand jetzt hat er nur 56 der 120 Parlamentarier auf seiner Seite, darunter die Vertreter der rechten Partei „Die Neue Rechte“ des ehemaligen Bildungsministers Naftali Bennett. Bennett sagte, er wolle alles tun, um einen fünften Urnengang in Israel zu verhindern. Falls die beiden weitere Unterstützer finden, könnten sie sich das Amt des Regierungschefs in einer Art Job-Sharing teilen: Zuerst käme dann wohl Bennett zum Zug und würde das Amt nach zwei Jahren an Lapid abgeben.

Naftali Bennett hat mit seinem einstigen Verbündeten Netanjahu gebrochen.

Naftali Bennett hat mit seinem einstigen Verbündeten Netanjahu gebrochen.

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Netanjahu derweil übt grossen Druck auf Bennetts Parteiangehörige aus und hat damit mindestens teilweise Erfolg. Er weiss um seine brisante Lage und wird alles tun, um die Koalitionsverhandlungen zu sabotieren.

Sollte Jair Lapid in 28 Tagen keine Mehrheit zusammen kriegen, würde eine dreiwöchige Übergangsphase folgen, während der jeder Abgeordnete des israelischen Parlaments – der Knesset – sich als Regierungsmacher versuchen könnte. Danach wären neue Wahlen nötig. Ob die Israel aus dem politischen Schach befreien könnten, bleibt unklar.

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