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Die Pflege von Corona-Fällen auf der Intensivstation ist aufwändig und teuer. Die wichtigsten Fakten dazu.

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Kosten eines IPS-Patienten: Bei teuren Covid-Fällen mit längerem Aufenthalt auf der Intensivstation und am Beatmungsgerät kann ein Patient laut Santésuisse weit über 100‘000 Franken kosten.  

Kosten eines IPS-Patienten: Bei teuren Covid-Fällen mit längerem Aufenthalt auf der Intensivstation und am Beatmungsgerät kann ein Patient laut Santésuisse weit über 100‘000 Franken kosten.

20min/François Melillo

Krankheit: «Neben den Lungen kann Sars-Cov-2 andere Organe und das gesamte Gefässsystem angreifen», sagt Martina Pletscher, Mediensprecherin des Universitätsspitals Zürich. Entsprechend schwierig und aufwändig seien diese komplexen Fälle zu behandeln.

Krankheit: «Neben den Lungen kann Sars-Cov-2 andere Organe und das gesamte Gefässsystem angreifen», sagt Martina Pletscher, Mediensprecherin des Universitätsspitals Zürich. Entsprechend schwierig und aufwändig seien diese komplexen Fälle zu behandeln.

20min/Marvin Ancian

Medikamente: Covid-19-Patientinnen und -Patienten benötigen pro Tag rund 20 verschiedene Medikamente. 

Medikamente: Covid-19-Patientinnen und -Patienten benötigen pro Tag rund 20 verschiedene Medikamente.

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  • Bald könnten die Intensivstationen wegen Covid-Patientinnen und -Patienten überlastet sein.

  • Die Pflege ist aufwändig und kann pro Patient laut Santésuisse bei weit über 100’000 Franken liegen.

  • Schlafmittel, Schmerzmittel und Kreislaufmedikamente sind nur ein paar Beispiele von vielen Medikamenten, die ein Corona-Fall auf der IPS benötigt.

Die Zahl der Corona-Patientinnen und -Patienten in den Spitälern verdoppelt sich im Drei-Wochen-Rhythmus. Das BAG schliesst in den folgenden Wochen eine Überlastung der Intensivstationen (IPS) nicht aus.

Auf den IPS liegen vor allem Ungeimpfte. Wegen des abnehmenden Impfschutzes und der zu tiefen Impfquote können aber auch doppelt Geimpfte, vor allem ältere Personen, schwer am Virus erkranken. Zehn Prozent der Intensivbetten seien aktuell von Geimpften belegt, sagte Virginie Masserey, Leiterin der Infektionskontrolle beim BAG. Eine Übersicht über das Wichtigste rund um Covid-Patientinnen und -patienten:

Kosten eines IPS-Patienten

25’000 bis 30’000 Franken kostet die Behandlung eines Covid-Patienten oder einer Covid-Patientin im Spital. «Bei teuren Fällen mit längerem Aufenthalt auf der Intensivstation und am Beatmungsgerät können die Kosten pro Patient oder Patientin bei weit über 100‘000 Franken liegen», sagt Santésuisse-Mediensprecher Christophe Kaempf.

Krankheit

«Neben den Lungen kann Sars-Cov-2 andere Organe und das gesamte Gefässsystem angreifen», sagt Martina Pletscher, Mediensprecherin des Universitätsspitals Zürich (USZ). Entsprechend schwierig und aufwändig seien diese komplexen Fälle zu behandeln. Durchschnittlich lägen die Patienten und Patientinnen länger auf der IPS als andere Intensivpatienten. «Ihr Aufenthalt reicht von Tagen bis zu mehreren Wochen oder Monaten.»

Medikamente

Die angefragten Spitäler listen folgende Medikamente auf:

•Schlafmittel

•Schmerzmittel

•Kreislaufmedikamente

•Antivirale Medikamente

•Blutverdünner

•Medikamente für die Atmung (Inhalativa)

•Cortisonpräparate

•Antibiotika

•Muskelentspannungsmedikamente

•Spurenelemente, Vitamine, Elektrolyte

•Flüssignahrung

•Abführmittel

«Covid-19-Patientinnen und -Patienten benötigen pro Tag schnell einmal 15 bis 20, häufig noch mehr verschiedene Medikamente», sagt Martina Pletscher. Ein Covid-Patient mit schwerem Verlauf könne parallel durchaus zehn bis 15 Perfusoren mit diversen Medikamenten benötigen, so Marc Kohler, Sprecher des Kantonsspitals Thurgau. Philipp Lutz, Sprecher des Kantonsspitals St. Gallen, macht darauf aufmerksam, dass die Dosen für Schmerz- und Schlafmittel deutlich höher sind als bei anderen IPS-Patienten.

Geräte

Viele Covid-Patientinnen und -Patienten auf der IPS sind auf Geräte angewiesen, die ihre Organe unterstützen oder deren Funktion ersetzen. Zum Einsatz kommen laut Martina Pletscher Beatmungsgeräte und Stickstoffmonoxid-Geräte. «In schweren Fällen müssen die Patienten an eine Art Herz-Lungen-Maschine angeschlossen werden, manche Patienten brauchen Geräte zum Ersatz der Nierenfunktion.» Dazu kämen Geräte, um die Patientinnen und Patienten kontinuierlich mit Medikamenten zu versorgen und sie zu überwachen.

Pflege

Die Verantwortlichen der Spitäler beschreiben die Pflege als sehr aufwändig. Zusätzlichen Aufwand gebe es durch den Lagerungswechsel bei Bauchlage, sagt Martina Pletscher. «Dafür braucht es ein Team von mindestens fünf Personen. Die Umlagerung bis zur erneuten Stabilisierung des Patienten dauert bis zu 40 Minuten und erfolgt mehrmals täglich.» Durch das oft mehrmalige korrekte Ein- und Auskleiden beansprucht zudem die Arbeit in Schutzkleidung viel Zeit.

Personelle Ressourcen

«Wenn wir viele Covid-Patienten haben, leisten die bestehenden Mitarbeitenden in erster Linie Zusatzschichten, wie schon lange und sehr uneigennützig», sagt Marc Kohler. Dies habe natürlich Grenzen und nach so langer Zeit sowieso. Das Spital müsse zudem ausgebildete Pflegemitarbeitende in die IPS verschieben, was zur Schliessung von OP-Sälen für elektive Eingriffe und allenfalls zu Bettenschliessungen auf den Stationen führen könne.

Auch Philipp Lutz sagt, dass die Behandlung und Pflege von SARS-CoV-2 Patienten und -Patientinnen, sowohl arbeitsintensiv als auch komplex sei. «Eine qualitativ hochstehende Behandlung dieser Patienten ist nur mit hochkompetentem und erfahrenem pflegerischem und ärztlichem Personal möglich.»

Kosten Krankenkassen

Gegen eine Milliarde Franken bezahlte die Obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) seit Ausbruch der Pandemie im Frühling 2020. Laut Santésuisse wurde der Löwenanteil dieser Kosten für die Behandlung von Covid-Patientinnen und -Patienten in den Spitälern aufgewendet.

Prämien

«Wir wissen nicht, wie lange die Pandemie dauern wird und können nur schwer abschätzen, welche Wirkung sie auf die Kosten haben wird», sagt Santésuisse-Mediensprecher Christophe Kaempf. Die Kosten hängten auch davon ab, welche Therapiemöglichkeiten zukünftig gegen Covid entwickelt würden und was diese Therapien kosteten.

Laut Felix Schneuwly, Krankenkassen-Experte bei Comparis, sind Reserven wichtig für aussergewöhnliche Ereignisse wie die Pandemie. Deshalb drohe wegen der Covid-Patientinnen und -Patienten keine Extraprämienerhöhung. «Es darf aber nicht das Ziel der Pandemiebekämpfung sein, die Kapazitäten auf den IPS auszubauen, weil die Kassen genügend Reserven haben.» Ziel sei, möglichst viele Spitalaufenthalte zu verhindern.

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Ein Covid-Patient kostet 100’000 Franken und braucht 20 Medikamente
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