Ein dickes Lob an die Bevölkerung für ihre Disziplin, Ausdauer und Eigenverantwortung

Die SVP sprach von Diktatur. Eine Umfrage der «Schweiz am Wochenende» zeigt aber: Die Behörden gehen überraschend milde vor gegen Covid-Sünder. Das hat auch damit zu tun, wie die Bevölkerung der Pandemie trotzt.

Ein symbolischer Tag: Am 6. Juli 2020 tritt die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr in Pflicht. Und plötzlich trägt die ganze Schweiz Maske.

Ein symbolischer Tag: Am 6. Juli 2020 tritt die Maskenpflicht im öffentlichen Verkehr in Pflicht. Und plötzlich trägt die ganze Schweiz Maske.

Keystone (Bern, 6. Juli 2020)

Was mussten sich die Behörden nicht alles anhören. Christoph Blocher bezeichnete Bundesrat Alain Berset als «Diktator». SVP-Nationalrat Roger Köppel sprach vom «Bundesrat der Unfreiheit». Nicolas A. Rimoldi, Gründer von «Mass-Voll», brachte den Begriff Faschismus ins Spiel.

Eine grosse Umfrage der «Schweiz am Wochenende» in allen Kantonen zu Bussen, Anzeigen, Kontrollen und Schliessungen von Betrieben zeigt nun: Diese Vorwürfe treffen nicht zu. 30000 Ordnungsbussen verteilten die Kantone zwischen März 2020 und Oktober 2021 zu Covid-Massnahmen. Zum Vergleich: Alleine die Stadtpolizei Zürich sprach 2019 ganze 892000 Ordnungsbussen aus, davon 421461 Parkbussen.

Die Behörden gingen mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vor

Das verdeutlicht: Die Behörden gingen mit Augenmass und gesundem Menschenverstand vor gegen Covid-Sünder. Man kann sogar von einer überraschenden Milde sprechen. Die Eskalation in Zermatt mit verhafteten Familienmitgliedern und Betonblöcken vor der «Walliserkanne» scheint ein Einzelfall zu sein.

Ein kleiner Schönheitsfehler zeigt sich aber doch. 10106 der 13000 Anzeigen ging auf das Konto von drei Kantonen: Genf (6063), Zürich (2385) und Waadt (1658). Das deutet darauf hin, dass sie systematisch Anzeigen aussprachen.

Die Milde der Behörden hat mit dem Verhalten der Bevölkerung zu tun. Die Covid-Pandemie dauert nun eineinhalb Jahre. Es ist für die Schweiz die grösste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg. Sie hat alle auf dem linken Fuss erwischt: Regierung, Behörden, Polizei, Bevölkerung. Der Schweiz fehlte die Erfahrung in der Krisenbewältigung. 2019 hätte sich niemand im Traum Szenarien vorstellen können, wie wir sie heute erleben.

Die Krise ist langwierig und zäh und zehrt an den Nerven

Die Krise ist langwierig und zäh. Es ist eine schwierige Zeit, die an den Nerven zehrt. Umso höher ist es einzuschätzen, wie krisenfest sich der Grossteil der Bevölkerung verhält. Natürlich haben die Spannungen zugenommen. Aber das ist normal in einer Krise.

Die überwältigende Mehrheit der Menschen trotzt der Pandemie mit viel Eigenverantwortung, Disziplin und Ausdauer. Ein Tag steht symbolisch dafür: der 6. Juli 2020, als mit der Maskenpflicht alle wie auf Kommando im ÖV eine Maske trugen. Das ist bis heute weitgehend so geblieben. Dafür verdient die Bevölkerung ein dickes Lob. Sie kann stolz auf sich sein.

Ein dickes Lob an die Bevölkerung für ihre Disziplin, Ausdauer und Eigenverantwortung
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