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Im europäischen Vergleich schneiden die drei Länder mit einer deutschsprachigen Mehrheit am schlechtesten ab, wenn es ums Impfen geht. Die Ursachen dafür sind für die Zeitung «Financial Times» vielfältig.

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Die englische Zeitung «Financial Times» analysiert in einem ausführlichen Bericht die relativ tiefe Impfquote in den deutschsprachigen Ländern. 

Die englische Zeitung «Financial Times» analysiert in einem ausführlichen Bericht die relativ tiefe Impfquote in den deutschsprachigen Ländern.

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In der Schweiz bleiben viele Impfzentren derzeit genau so leer…

In der Schweiz bleiben viele Impfzentren derzeit genau so leer…

20min/Matthias Spicher

… wie in Deutschland.

… wie in Deutschland.

imago images/Joerg Boethling

  • Die englische «Financial Times» hat sich mit der tiefen Impfquote im deutschsprachigen Raum beschäftigt.

  • Nirgendwo sonst in Europa würden sich so viele Menschen der Impfung verweigern.

  • Von populistischen Rechtsparteien über wenige emotionale Kampagnen trage Verschiedenes dazu bei.

Die «Financial Times» (FT) hat am Donnerstag einen grossen Hintergrundbericht auf ihrem Onlineportal publiziert, der sich mit der Pandemiebekämpfung im deutschsprachigen Raum beschäftigt. Um diese stehe es nämlich nicht besonders gut, erklärt die altehrwürdige Zeitung ihren Leserinnen und Lesern. «Nein Danke» würden viele Menschen in den drei Ländern auf die Aufforderung ihrer Staaten sagen, sich impfen zu lassen. Als Einstieg in den Artikel hält eine Szene aus dem Zürcher Hauptbahnhof hin, in dem die Polizei das neu eingerichtete Impfdorf schützen muss.

FT nimmt Aussagen Markus Söders über Impfskepsis als «Virus» auf

Nirgendwo sonst in Westeuropa würden sich so wenige Menschen bereit erklären, sich impfen zu lassen wie in Deutschland, Österreich und der Schweiz, resümiert die FT. Knapp ein Viertel der Bevölkerung über zwölf Jahren habe sich bislang gegen eine Impfung entschieden. Wenig überraschend würden demnach die Fallzahlen zurzeit in die Höhe schnellen. Das österreichische Bundesland Oberösterreich verzeichnete vergangene Woche mehr Corona-Fälle als Spanien und Portugal zusammen.

Stellvertretend für die 14 Millionen Deutschen, die sich nach wie vor gegen eine Impfung sträuben, sprechen die Autoren mit einer Frau in einem Impfzentrum in Berlin. Sie lasse sich nur impfen, weil sie dazu gezwungen sei, um überhaupt noch arbeiten gehen zu können. Ob das Vakzin sicher sei, wisse sie nicht. Aussagen des bayrischen Ministerpräsidenten Markus Söder, der von zwei Viren gesprochen hat, die im Land zirkulierten – dem Coronavirus und der Impfskepsis – werden von den beiden britischen Journalisten herangezogen, um zu verdeutlichen, wie dramatisch die Lage in unserem nördlichen Nachbarland ist.

Kommunikationsexpertin bemängelt «emotionslose» Kampagnen

Als Gründe für den fehlenden Impf-Enthusiasmus kommen gemäss den Autoren verschiedene Aspekte in Frage. Eine davon seien rechtspopulistische Parteien, die sich in den drei Ländern dem Thema angenommen hätten. In Österreich etwa die impfskeptische Partei MFG, die bei den letzten Wahlen erfolgreich Sitze im oberösterreichischen Landtag gewinnen konnte. Aber auch die FPÖ und die deutsche AFD würden mit dem Thema flirten. Schwer tun sich die Journalisten in der Übersetzung der hiesigen Begriffslandschaft, die im Zuge von Corona entstanden ist. Aus dem Begriff «Querdenker» wurden so die «lateral thinkers», aus «Schwurblern» «burbling yokels».

Die Schweiz ist mit den bekannten Gesichtern und Namen des Widerstandes gegen die Corona-Massnahmen hierzulande im Artikel vertreten. Nicolas Rimoldi und Mass-Voll kommen genau so vor wie die Freiheitstrychler. Der Erfolg dieser Organisationen scheint Eindruck zu machen. Die Autoren verweisen darauf, dass das Instagram-Profil von Mass-Voll schon mehr Follower und Followerinnen habe als die Juso oder die Jungen Grünen. Auch, dass die Impfquote in den französisch- und italienisch-sprachigen Landesteilen höher ist als in Kantonen in der Ostschweiz, kommt zur Sprache. Eine Kommunikationswissenschaftlerin aus Lugano sieht in den Informationskampagnen hierzulande einen der Gründe für den fehlenden Impf-Enthusiasmus: «Sie sind eher funktional als emotional».

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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Englische Zeitung staunt über tiefe Impfquote im deutschsprachigen Raum
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