Er investiert in Fussball, wohnt in der Schweiz ‒ und in Deutschland läuft eine Strafuntersuchung gegen ihn

Er wurde von einem deutschen Kanzler zum Wunderkind gemacht, dann ging er Konkurs. Sein Comeback war fulminant, aber begleitet von Rechtsstreitereien und einer Verurteilung.

Die deutsche Staatsanwaltschaft untersucht gegen ihn: Unternehmer Lars Windhorst

Die deutsche Staatsanwaltschaft untersucht gegen ihn: Unternehmer Lars Windhorst

Christophe Gateau / DPA

Die deutsche Bankenaufsicht Bafin hat Strafanzeige eingereicht gegen das einstige IT-Wunderkind Lars Windhorst. Worum es genau geht, ist nicht bekannt. Die zuständige Staatsanwaltschaft in Berlin sagte zur «Financial Times» wenig: es gebe den Verdacht, dass gegen das Kreditwesengesetz verstossen worden sei. Die Bafin sagte gar nichts. Die «Financial Times» berief sich auf «mit den Abläufen vertraute Personen». Ein Finanzvehikel von Windhorst solle wie eine Bank agiert haben, ohne die nötigen Lizenzen zu haben. Es habe Spareinlagen angenommen und verliehen. In Deutschland ist so etwas kriminell und wird mit Gefängnis bestraft.

Es ist die neueste Wendung in einem ohnehin filmreifen Leben.

Einst war Lars Windhorst der deutsche Jungunternehmer-Star schlechthin. Er schmiss das Gymnasium. Gründete mit 16 Jahren ein Unternehmen. Hatte mit 18 Jahren schon 80 Angestellte und einen Umsatz von 50 Millionen Dollar. Er wurde von Helmut Kohl auf Kanzlerreisen nach Asien mitgenommen. Der ewige Kanzler zeigte sich mit ihm den Fotografen und schwärmte: «Deutschland braucht mehr Wunderkinder wie ihn.» Er wurde von Medien rund um die Welt hochgelobt. «Der deutsche Bill Gates» wurde er genannt und ein «Ein-Mann-Wirtschaftswunder». Wer so hoch gelobt wird, der fällt oft tief.

Immer noch «digge» mit der politischen Elite: Lars Windhorst mit CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet.

Immer noch «digge» mit der politischen Elite: Lars Windhorst mit CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet.

Keystone

Niederlage wird zum leicht schwülstigen Comeback umgedeutet

2003 war Windhorst der Gescheiterte. Er musste für seine Firmengruppe die Insolvenz anmelden. Er war 27 Jahre alt, und auch als Privatperson pleite. Doch zu seinen vielen Talenten gehört es, solche krachenden Niederlagen mit Leichtigkeit umdeuten zu können in leicht schwülstige Comeback-Dramen. Noch in diesem Juni sagte er im Interview mit der NZZ: «Ich habe gelernt, mich so zu akzeptieren, wie ich nun mal bin.» Er wisse, wenn er alles gebe, dann «ertrage ich alles andere leichter, das Schmerzhafte, das Traurige, das Negative, das Scheitern.»

Es ging weiter im Eilzugtempo. Ein Jahr nach der Insolvenz gab Windhorst das Stehaufmännchen. Er hatte ein neues Unternehmen gegründet. 2007 war er Überlebender eines Flugzeugabsturzes, ein verlorenes Ohrläppchen erinnert noch daran. 2010 war das nächste Comeback nötig. Er wurde zu einer einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt, er hatte 900’000 Euro veruntreut. Da war er 34 Jahre alt. Die Schlagzeile damals: «Gericht verhängt Bewährungsstrafe gegen früheren IT-Wunderknaben». Doch ein Geschäftspartner sollte später über ihn sagen, er habe die neuen Leben einer Katze. Im nächsten Leben war er Finanzvirtuose.

Windhorst erfindet sich als Finanzvirtuose neu

Er wechselte nach London und bezog ein prestigeträchtiges Büro an der Savile Row, berühmt für seine zahlreichen Herren-Massschneider. Von dort schuf er komplizierte Finanztransaktionen. Rechtsstreitereien sind seither sein ständiger Begleiter und hartnäckige Rechercheure der «Financial Times». Er weiss sich zu helfen.

Kritische Artikel kontert er direkt auf Twitter. Und wenn Klagen drohen, macht Windhorst manchmal einen Deal daraus. Er hatte Krach mit dem Eigentümer von «La Perla», einen italienischen Hersteller von Luxusunterwäsche. Windhorst kaufte «La Perla» auf. Und er zieht noch immer grosse Komplimente auf sich. Ein Grossinvestor sagte über ihn: «Er ist extrem talentiert.»

Hey @TwitterDE, nice to meet you! Nachdem ich in den letzten Jahren hier stiller und aufmerksamer Beobachter war, werde ich mich ab sofort zu Wort melden. Leider werden immer wieder Dinge über mein Unternehmen und mich berichtet, die ich nicht unkommentiert lassen kann und will.

— Lars Windhorst (@LarsWindhorst) June 20, 2021

Windhorst macht weiter, als wollte er mehrere Leben in ein einziges packen. Er bezieht einen Wohnsitz in der Schweiz, hat ein Büro nahe des prestigeträchtigen Zürcher Paradeplatzes. Zu seinen Beraterinnen gehört Nadja Schildknecht, die zur schweizerischen Prominenz von Wirtschaft und Kultur zählt. Sie leitete lange das Zurich Film Festival und ist Lebenspartnerin von Urs Rohner, ehemals Präsident der Grossbank Credit Suisse. Der NZZ sagte Windhorst kürzlich, er sei morgens in Saint Tropez, zu Mittag in München, am Nachmittag in Zürich und am nächsten Tag in London.

Windhorst der Fussball-Investor: Er kontrolliert Hertha BSC

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All das reicht noch nicht. Seit kurzem kontrolliert er den Berliner Bundesligaklub Hertha BSC, wo er sich unter anderem vom ehemaligen Torwarthelden Jens Lehmann vertreten lässt. Zuletzt fügte er «viel Lärm um Nichts» hinzu, wie er selbst sagte, weil er eine versprochene Millionen-Zahlung verspätet überwies. Als sich die Aufregung gelegt hatte, platzte der Bericht der «Financial Times» hinein. Windhorst streitet alles ab. Auf Twitter liess er spöttisch ausrichten: «Liebe FT, das sind alte Neuigkeiten.»

Dear @FT, that is old news. We are not concerned and continue to focus on our business. We were informed about Bafin’s complaint in early May and we immediately contacted the #Berlin prosecutor to assist with any investigation. (1/3) https://t.co/TgEv1xuVxt

— Lars Windhorst (@LarsWindhorst) July 5, 2021

Er investiert in Fussball, wohnt in der Schweiz ‒ und in Deutschland läuft eine Strafuntersuchung gegen ihn
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