Erste Prognosen zeigen: Netanjahus rechtskonservative Partei hat Chancen auf eine weitere Amtszeit

Ministerpräsident Netanjahu und sein Likud gehen laut Prognosen als stärkste Kraft aus der Parlamentswahl in Israel hervor. Ob der 71-Jährige Regierungschef bleiben kann, hängt aber vor allem von einem Rivalen ab.

Benjamin Netanjahu und seine Frau Sara geben ihre Stimmen ab.

Benjamin Netanjahu und seine Frau Sara geben ihre Stimmen ab.

Ronen Zvulun/Pool/EPA

(dpa) Am Wahltag gibt Benjamin Netanjahu noch einmal alles. Via Twitter kündigt der Ministerpräsident erneut Direktflüge zwischen Israel und Mekka in Saudi-Arabien an. Sein Kalkül dahinter ist klar: Der 71-Jährige will Regierungschef bleiben, da könnte er die Gunst arabischer Wähler oder Abgeordneter noch gut gebrauchen.

Am Dienstagabend zeigen dann aber die Prognosen, dass dies gar nicht nötig ist: Netanjahus rechtskonservative Likud-Partei geht als stärkste Kraft aus der Parlamentswahl hervor – der vierten binnen zwei Jahren. Sie büsst demnach zwar Sitze in der Knesset ein. Das von Netanjahu angestrebte Bündnis rechter und religiöser Parteien kann aber dennoch eine knappe Mehrheit von 61 der 120 Abgeordneten erreichen.

Auf die Unterstützung anderer Parteien angewiesen

Dafür wäre er angewiesen auf die Unterstützung einer umstrittenen ultrarechten Partei. Zugleich muss sich aber auch ein grosser Rivale auf seine Seite schlagen. Naftali Bennett und seine siedlerfreundliche Jamina-Partei könnten für ihn die Rolle des Königsmachers spielen. Allerdings könnte Bennett auch Mehrheitsbeschaffer des Anti-Netanjahu-Lagers werden. Dies halten Experten aber für eher unwahrscheinlich.

Der frühere Verteidigungsminister Bennett hatte im Wahlkampf als Ziel ausgegeben, Netanjahus Zeit als Regierungschef zu beenden. Allerdings hat er es auch nicht ausgeschlossen, in eine Koalition unter Netanjahu einzutreten. Was er aber hingegen ausgeschlossen hat, das ist der Eintritt in eine Koalition mit Jair Lapid, dem zweitplatzierten Oppositionsführer, an der Spitze.

Bennett sagte am Abend in einer ersten Reaktion: «Ich werde nur das tun, was für den Staat Israel gut ist.» Eine Regierungsbildung könnte sich lange hinziehen. Mit dem vorläufigen Endergebnis könnte sich das Bild noch deutlich verschieben. Es wird nicht vor Freitag erwartet.

Auszählung dauert coronabedingt länger

Wegen der coronabedingten Umstände der Wahl dauert es diesmal damit länger. So soll die Auszählung der sogenannten doppelten Umschläge mit Stimmen von Soldaten, Diplomaten, Häftlingen und Corona-Kranken erst Mittwochabend beginnen. Einem Medienbericht zufolge wird sich deren Zahl, die bei der Wahl vor einem Jahr noch 330’000 betragen hatte, diesmal fast verdoppeln. Dies entspricht demnach etwa 15 der 120 Mandate.

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