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Kilian S. starb an Weihnachten auf einer Berner Polizeiwache. Nun tritt die Familie des Verstorbenen erstmals an die Öffentlichkeit.

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Seit Ende 2018 steht ein Mahnmal vor der Polizeiwache Waisenhaus in Bern.

Seit Ende 2018 steht ein Mahnmal vor der Polizeiwache Waisenhaus in Bern.

Foto: Facebook

Kilian S. wurde dort am 26. Dezember tot in seiner Zelle gefunden.

Kilian S. wurde dort am 26. Dezember tot in seiner Zelle gefunden.

Foto: Keystone

Der 20-Jährige war nach einer Goa-Party von der Polizei aufgegriffen worden. Er hatte Partydrogen intus und auf sich.

Der 20-Jährige war nach einer Goa-Party von der Polizei aufgegriffen worden. Er hatte Partydrogen intus und auf sich.

  • Kilian S. starb an Weihnachten auf einer Polizeiwache in Bern.

  • Der 20 -Jährige war wegen Drogenkonsums in einem schlechten gesundheitlichen Zustand.

  • Der präsente Arzt entschied dennoch, dass Kilian S. nicht in ein Spital musste. Am Morgen wurde er jedoch tot in seiner Zelle aufgefunden.

  • Der Fall ist momentan vor dem Bundesgericht.

  • Nun tritt die Schwester von Kilian S. an die Öffentlichkeit.

«Ich will nicht auf die Tränendrüse drücken und mich als Opfer inszenieren», sagt Laura S. in einem Interview mit der «Berner Zeitung». Doch sie möchte das Bild ihres Bruders, das eines «Drögelers», über welches die Öffentlichkeit verfügt, korrigieren. Stimmen, die meinten, dass er sein Leben nicht im Griff hatte, dass er selber Schuld an seinem Tod war – schmerzten zu sehr.

Ihr Bruder, Kilian S., war 20 Jahre alt, als er am Weihnachtsmorgen 2019 in Polizeigewahrsam verstarb. Er hatte an dem Abend auf einer Party Drogen konsumiert – Laura S. wusste jedoch: oft Drogen nahm er keine. Das bestätigte auch ein Gerichtsmediziner. Kilian konsumierte weder regelmässig, noch war er abhängig. In der medialen Berichterstattung stand der Drogenkonsum des 20-Jährigen jedoch im Vordergrund. Dass «ein junger Mann, in einem offensichtlich schlechtem Gesundheitszustand, in einer Polizeistelle stirbt», rückte aus dem Blickfeld, sagt Laura S. Sie fragt sich: Wie kann so etwas in der Schweiz passieren?

Es ist das erste Mal, dass sich die Familie öffentlich zum Vorfall äussert: «Es gab nie von irgendeiner Stelle eine Entschuldigung oder das Eingeständnis, dass Fehler passiert sind», sagt Laura S. Die Familie will keine finanzielle Entschädigung. Sie möchte Gewissheit, dass so etwas nie wieder passiert. S. verurteilt keine Einzelperson, wie sie gegenüber der Zeitung sagt: «Ich hege auch keinen Groll gegen die Polizei. Die führen zum Teil auch nur aus und sind ‹armi Sieche›.» Sie verweist auf den Missstand des Systems: «Der Staat hat seine Verantwortung nicht wahrgenommen und will dies auch weiterhin nicht tun.»

Einsamer Tod an Weihnachten

Am 25. Dezember 2019 wurde Kilian S. nach einer Party im Tscharnergut am frühen Morgen von einer Polizeipatrouille aufgegriffen und auf einen Polizeiposten gebracht. Der anwesende Arzt musste entscheiden: entweder würde Kilian S. auf eine spezielle Überwachungsstation im Inselspital gebracht werden oder auf die Wache, unter der Bedingung, dass alle zwei Stunden jemand nach dem 20 Jährigen sehe. Am Morgen des 26. Dezembers wurde Kilian S. tot in der Zelle aufgefunden.

Am Waisenhausplatz wurde eine Gedenkstätte errichtet. Die Familie trauerte. Die Behörden begannen mit den Ermittlungen. Das Verfahren – dem Arzt wurde fahrlässige Tötung vorgeworfen – wurde im Frühling letzten Jahres eingestellt. Laura S., ihre Familie, der Anwalt – sie wehrten sich, reichten Beschwerde ein. Trotzdem wurde der Arzt auch von der Beschwerdekammer des Obergerichtshofs freigesprochen.

Fall könnte in Strassburg landen

Grund für die Freisprechung: Das Rechtsmedizinische Institut der Universität Bern führte ein Gutachten durch, welches zeigte, dass eine Hospitalisierung Kilian S. nur «möglicherweise» gerettet hätte. Für eine Verurteilung hätte das nicht gereicht. Im Moment ist der Fall vor dem Bundesgericht. Bereits ist klar: Falls sie einen negativen Bescheid bekommen würden, soll der Fall vor den internationalen Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strassburg weitergezogen werden.

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«Es gab weder eine Entschuldigung noch ein Fehler-Eingeständnis»
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