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Seit Monaten wird am Donnerstagabend in Bern gegen die Corona-Schutzmassnahmen demonstriert. Sicherheitsdirektor Reto Nause hat die Nase voll.

Szenen von der unbewilligten Demo gegen Corona-Schutzmassnahmen am 14. Oktober.

20 Minuten

  • Am vergangenen Donnerstag kam nur eine kleine Gruppe Gegner der Corona-Schutzmassnahmen zur Demo nach Bern.

  • Im Vorfeld war mit deutlich mehr Demonstrierenden gerechnet worden.

  • Sicherheitsdirektor Reto Nause sieht in den Demonstrationen am Donnerstag eine grosse Belastung für Gewerbe, Beizen und Bevölkerung.

20 Minuten: Herr Nause, Sie rechneten im Vorfeld der Demonstration vom vergangenen Donnerstag mit deutlich mehr Teilnehmenden, als schliesslich aufgetaucht sind. Warum kam es zu dieser Fehlkalkulation?

Reto Nause: Ob das eine Fehlkalkulation war, sei jetzt mal dahingestellt. Fakt ist, es waren 100 bis 200 Massnahmengegnerinnen und -gegner in Bern. Es gab zwar keinen sichtbaren Umzug, aber sie waren schon da. Die Mobilisierung am Donnerstagmorgen war breit und versuchte den falschen Eindruck zu erwecken, die Demo sei bewilligt.

Ist das das Undankbare an der Sache? Wenn die Polizei die Demo verhindert, sagt man nachher, es sei ja gar nichts passiert und der Aufmarsch sei übertrieben gewesen. Und wenn sie nichts macht…

Klar, danach sind wir immer schlauer. Wir können erst im Nachhinein sagen, ob 100, 1000 oder 10’000 aufmarschieren. Das ist am schwierigsten vorauszusagen. Und im Nachhinein kann man auch immer sagen, es sei zu viel Polizei vor Ort gewesen.

Die Demo vom 14. Oktober ist ziemlich eskaliert, an den letzten beiden Donnerstagen war es vergleichsweise ruhig. Sie können zufrieden sein.

Die Polizei hat einen guten Job gemacht und ihren Auftrag voll erfüllt. Aber es ist auch so, dass die Polizei mit ihrer Präsenz verhindert hat, dass sich Demonstrierende formieren konnten. Der Donnerstag hinterlässt trotzdem einen Zwiespalt, solche Aufrufe sind eine grosse Belastung. Klar kann die Polizei sagen, wir gehen nicht an eine solche Demo, aber dann sind es auf einmal 500, die während des Abendverkaufs durch die Strassen von Bern ziehen. Das ist ein zu grosses Risiko.

Aus meiner Sicht wäre es an der Zeit, endlich diese Demo-Aufrufe für den Donnerstagabend vom Netz zu nehmen.

Ist das eine Strategie der Schutzmassnahmen-Gegnerinnern und -Gegner? Sie können bequem zu Demos aufrufen und dann einfach nicht hingehen. Die Polizei muss sich dann trotzdem darauf vorbereiten – und das kostet. Will man mit diesen Aufrufen die Ressourcen der Polizei verschwenden?

Das ist möglich, aber ich bin mir sicher, dass auch am Donnerstag ein Marsch das Ziel gewesen wäre, wenn sie die Gelegenheit dazu erhalten hätten. Die Leute, die da waren, machten auf mich aber einen relativ führungslosen Eindruck. Sie wollten sich formieren, wussten aber nicht wo. Sie hatten nicht die Kraft für einen Umzug und niemanden, der den Lead übernehmen wollte. Das ist in erster Linie der Polizei zu verdanken, die bereits am Bahnhof zahlreiche Kontrollen durchgeführt hat.

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«Aus meiner Sicht wäre es an der Zeit, endlich diese Demo-Aufrufe für den Donnerstagabend vom Netz zu nehmen», sagt der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause. 

«Aus meiner Sicht wäre es an der Zeit, endlich diese Demo-Aufrufe für den Donnerstagabend vom Netz zu nehmen», sagt der Berner Sicherheitsdirektor Reto Nause.

Adrian Moser / Tamedia

Grundsätzlich habe man Mühe damit, in der Innenstadt weitere Kundgebungen zu bewilligen, weil es mittlerweile zu einer riesigen Belastung für das Gewerbe, die Beizerinnen und Beizer und die Bevölkerung geworden sei.

Grundsätzlich habe man Mühe damit, in der Innenstadt weitere Kundgebungen zu bewilligen, weil es mittlerweile zu einer riesigen Belastung für das Gewerbe, die Beizerinnen und Beizer und die Bevölkerung geworden sei.

Adrian Moser / Tamedia

Die Stadt Bern und die Kantonspolizei werden laut Nause keine unbewilligten Demos mehr zulassen.

Die Stadt Bern und die Kantonspolizei werden laut Nause keine unbewilligten Demos mehr zulassen.

Christian Pfander / Tamedia AG

Liegt das auch daran, dass Gruppen wie die Freiheitstrychler zuletzt auf die illegalen Demos verzichtet haben?

Das hat sicher einen Einfluss, ja. Aber was, wenn man sich trotzdem plötzlich zusammengefunden hätte? Ich war vor Ort und habe einige Gesichter von vergangenen Demos wiedererkannt. Und glauben Sie mir, ich kann mir die Gesichter gut merken, weil ich selber aufpassen muss, was ich mache und wie ich es mache.

Wie meinen Sie das?

Gegen mich existieren ziemlich handfeste Drohungen auf den einschlägigen Kanälen.

Am Donnerstagabend ist es kalt und dunkel. Rechnen Sie damit, dass sich die illegalen Demos auf den Samstagnachmittag verschieben werden? Sie haben gesagt, dass in Bern vor der Abstimmung am 28. November keine Demos mehr zugelassen werden.

Nein, das haben wir nicht gesagt. Wir haben gesagt, wir werden keine unbewilligten Kundgebungen mehr zulassen. Ob und wie viele und was für Gesuche wir noch bekommen, ist sehr schwierig abzuschätzen. Grundsätzlich haben wir Mühe, in der Innenstadt weitere Kundgebungen zu bewilligen, weil es mittlerweile zu einer riesigen Belastung für das Gewerbe, die Beizerinnen und Beizer und die Bevölkerung geworden ist. Aber wenn jetzt jemand auf die Allmend will, sieht das schon wieder anders aus.

Gut, man will natürlich in der Innenstadt demonstrieren. Der Bundesplatz ist ein symbolträchtiger Ort.

Ja, man hat jetzt aber auch schon 14- oder 15-mal demonstriert. (lacht)

Der Stadtrat hat entschieden, dass Kosten für gewalttätige Kundgebungen weiterhin auf gewalttätige Demonstrierende überwälzt werden können. Für Sie überraschend?

Ich bin einfach froh, dass es so rausgekommen ist. Mich dünkt es zielgerichtet, wenn man die Verusacherinnen und Verursacher von Gewalt auf diese Weise belangen kann.

Aber hat Sie der Entscheid überrascht?

Ich habe eine feurige Rede gehalten. Nein, ich glaube, es ist allen bewusst, dass wir in der Stadt Bern eine angespannte und emotional hochgradig aufgeladene Situation haben. Es ist in der Vergangenheit auch immer wieder zu Gewalt gekommen. Es ist jetzt an allen, einen Beitrag zu leisten. Und diese Argumentation hat sich verfangen.

In Bezug auf die Demo vom 14. Oktober ist ein solches Verfahren hängig. Was können Sie zum aktuellen Stand sagen?

Wir sind abhängig von den polizeilichen Ermittlungsergebnissen. Die Ermittlungen sind am laufen und wir erwarten die Informationen in den nächsten Tagen bis Wochen.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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«Es wäre Zeit, endlich diese Demo-Aufrufe vom Netz zu nehmen»
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