Explosion in deutschem Chemiewerk: ein Toter, mehrere Verletzte und Vermisste – Chempark-Leiter hofft, Vermisste lebend zu finden

Im Leverkusener Chempark ereignet sich am Morgen eine Explosion in einer Müllverbrennungsanlage. Die Anwohner des Chemiebetriebs sollen Fenster und Türen geschlossen halten. Es gibt mehrere Verletzte und auch Vermisste. Ein Mitarbeiter verstarb.

Eine dunkle Rauchwolke steigt über dem Chemiepark auf.

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Bei einer Explosion im Chempark Leverkusen sind am Dienstagmorgen nach Angaben der Kölner Polizei mehrere Menschen verletzt worden. Vier weitere wurden nach dem Unglück am Dienstagnachmittag nach Angaben der Betreiberfirma Currenta noch vermisst. 16 Menschen verletzten sich, darunter zwei schwer. Die Ursache für die gewaltige Explosion war vorerst unklar. Ein vermisster Mitarbeiter habe nur noch tot geborgen werden können.

«Wir haben Hoffnung, dass die Vermissten noch lebend gefunden werden»

«Wir sind tief betroffen über diesen tragischen Unfall und den Tod eines Mitarbeiters. Unser besonderes Mitgefühl gilt vor allem den Angehörigen, aber auch den Kollegen, die mit ihm zusammengearbeitet haben», sagte Chempark-Leiter Lars Friedrich. Es seien schwere Stunden, viele Anwohner hätten Angst, berichtete Friedrich bei einem eilig anberaumten Pressetermin am Nachmittag. Nach den vermissten Personen werde mit Hochdruck gesucht. «Wir haben Hoffnung, dass die vier Vermissten noch lebend gefunden werden.»

Leverkusens Oberbürgermeister Uwe Richrath (SPD) sprach von einem «tragischen Tag» für die Stadt mit ihren mehr als 167 000 Einwohnern, die eng mit der Chemie verbunden sei. Auch er selbst habe die Erschütterung gespürt.

Explosion weithin spürbar

Die gewaltige Explosion, die laut Zeugenaussagen noch im Umkreis von gut zehn Kilometern zu hören war, ereignete sich nach Angaben des Betreibers gegen 9.30 Uhr im Tanklager des Entsorgungszentrums Bürrig. Die Ursache war zunächst unklar. Eine gewaltige Rauchwolke stieg auf. Die Erschütterung war derart heftig, dass sogar mehrere Stationen des Geologischen Dienstes Nordrhein-Westfalen sie messen konnten. Unter anderem sei sie an einer Station im Hespertal registriert worden – rund 40 Kilometer entfernt.

Danach kam es zu einem Brand in dem Tanklager. Anwohner des Chemiebetriebs wurden aufgefordert, geschlossene Räume aufzusuchen sowie Fenster und Türen geschlossen zu halten. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ordnete das Ereignis in die Warnstufe «Extreme Gefahr» ein. Die Stadt Leverkusen sperrte vorübergehend Spielplätze in den Stadtteilen Bürrig und Opladen. Wegen des möglichen Schadstoffausstosses warnte die Stadt die Anwohner darüber hinaus vor dem Verzehr von Obst und Gemüse aus dem Garten. Eine Einschätzung, ob in den Niederschlägen nach dem Brand «relevante Stoffe» zu finden seien, sei nach Auskunft des Landesumweltamtes (LANUV) noch nicht möglich.

Den Bewohnern des Rheinlandes machte der Vorfall auch deshalb so grosse Sorgen, weil sie innerhalb weniger Wochen ein weiteres Mal bang auf die Warn-Meldungen der Behörden blicken mussten. Jüngst hatte man ja schon die Hochwasserkatastrophe erlebt – in Leverkusen etwa musste eine Klinik zeitweise geräumt werden. Nun erneut eine Gefahr, wieder vom Himmel.

Einsatzkräfte der Werksfeuerwehr und Luftmesswagen waren im Einsatz. Erste Luftmessungen der Umweltschutzeinheiten im Kölner Norden ergaben laut Feuerwehr gegen Mittag, dass derzeit keine Gefahr für die Bevölkerung bestehe. Die Messungen würden fortgesetzt. Gleichwohl wurden Autofahrer aufgefordert, Fahrzeugfenster geschlossen zu halten und die Lüftungen auszustellen.

Löscharbeiten starteten gegen Mittag

Nach der Explosion brannte nach Angaben der Stadt ein Tank mit Lösungsmitteln. «Die Löscharbeiten mussten warten, bis eine Stromleitung vom Netz getrennt war. Das ist nun geschehen. Die Löscharbeiten beginnen», teilte die Kommune am Mittag mit. Der Brand ist unterdessen gelöscht.

Die gesamten Auswirkungen der Explosion im Stadtteil Wiesdorf waren laut einer Leverkusener Stadtsprecherin zunächst unklar. «Ausmass und Ursache der Schadenslage sind aktuell noch nicht bekannt», erklärte auch die Polizei zur «derzeit noch unübersichtlichen» Lage. «Wir sind mit vielen Polizeikräften vor Ort und klären die Situation.»

Wegen der «grösseren Schadenslage» wurden zahlreiche Autobahnen gesperrt. Von der Vollsperrung betroffen waren das Autobahnkreuz Leverkusen -West, die A1 zwischen dem Autobahnkreuz Leverkusen und Köln-Nord, die A3 zwischen dem Autobahnkreuz Leverkusen und dem Autobahndreieck Langenfeld sowie die A59 zwischen Autobahnkreuz Monheim-Süd und Autobahnkreuz Leverkusen -West, wie die zuständige Autobahn GmbH mitteilte. Sofort eingestellt wurden auch die Arbeiten an der unmittelbar angrenzenden Baustelle der Leverkusener Rheinbrücke. Selbst die Rheinfähre «Fritz Middelanis» stellte den Betrieb zwischen Köln-Langel und Leverkusen -Hitdorf für mehrere Stunden ein.

Der Chempark ist nach Unternehmensangaben einer der grössten Chemieparks Europas. An den drei Standorten Leverkusen, Dormagen und Krefeld-Uerdingen sind über 70 Firmen angesiedelt.

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