FDP-Präsidentin: Jaqueline de Quattro ist eine aussichtsreiche Anwärterin auf die Nachfolge von Petra Gössi

Nach dem Rücktritt von Parteipräsidentin Gössi sucht die FDP eine Person mit grosser Führungserfahrung. Der Name der früheren Waadtländer Staatsrätin Jacqueline de Quattro fällt in der Partei oft.

In der Waadt zu Hause, spricht aber auch Schweizerdeutsch: Nationalrätin Jacqueline de Quattro.

In der Waadt zu Hause, spricht aber auch Schweizerdeutsch: Nationalrätin Jacqueline de Quattro.

Gaetan Bally / KEYSTONE

Wer ersetzt Petra Gössi als Präsident der FDP? Die freisinnigen National- und Ständeräte redeten in der letzten Woche der Sommersession eifrig über diese Frage. Es dauert noch lange, bis Mitte August die offiziellen Kandidaten feststehen. Und es dauert noch länger, bis der neue Präsident am 2.Oktober gewählt wird. Trotzdem kristallisiert sich bereits eine aussichtsreiche Anwärterin heraus.

Es ist Jacqueline de Quattro, 60, Waadtländer Staatsrätin von 2007 bis 2019 und seither Nationalrätin. De Quattro ist respektiert in der Partei und hat einige Fürsprecher. Sie zählen ihre Qualitäten auf – zum Beispiel ihre Vielsprachigkeit. De Quattro wuchs teilweise in Zürich auf und spricht Schweizerdeutsch, neben Französisch, Italienisch und Englisch.

Verschiedene Parlamentarier weisen darauf hin, dass de Quattro als Regierungsrätin in einem grossen Kanton über Führungserfahrung verfüge. Sie finden, dass da in der FDP einiges im Argen liege: Die Partei sei in letzter Zeit zu wenig straff geführt worden. Es seien an Mandatsträger keine klaren Aufträge erteilt worden, und es habe gehapert mit den Absprachen.

Viele Freisinnige sind gegen eine Co-Präsidium

Tritt de Quattro an? Auf Anfrage erklärt sie: «Unsere Partei sollte meiner Meinung nach zunächst eine klare Strategie festlegen. Auf welchem Weg gehen wir weiter, namentlich in der Umweltpolitik?» Erst wenn diese Fragen geklärt seien, könne sie eine Kandidatur prüfen. Die Aufgabe sei anspruchsvoll. «Vielleicht bräuchte es ein Co-Präsidium.»

Ob die FDP von zwei Personen geführt werden soll, ist unter Freisinnigen umstritten. Nationalrätin Maja Riniker hält nichts von einem Co-Präsidium. «Die FDP braucht ein Gesicht, nicht zwei», sagt sie. Und der neue Präsident sollte nicht einem Flügel der Partei angehören.

Das links- und das rechtsfreisinnige Lager führen zunehmend ein Eigenleben. FDP-Mandatsträger, deren Meinung von der Parteilinie abweicht, geben das in den Medien bekannt oder schliessen sich gegnerischen Komitees an. Ständerat Ruedi Noser betont, der Teamgeist in der Partei müsse wieder besser werden. Und es brauche mehr Disziplin; die Regeln müssten eingehalten werden. Wer mit dem Beschluss einer FDP-Delegiertenversammlung nicht einverstanden sei, solle sich möglichst still verhalten.

De Quattro ist keinem der beiden Lager zuzuordnen. Sie war in der Waadtländer Regierung für Sicherheits- und Umweltbelange zuständig. Als Staatsrätin führte sie ein Vermummungsverbot ein; sie war dann auch für die Burka-Initiative, im Unterschied zur FDP.

Nun fordert de Quattro, dass sich die FDP nach dem Scheitern des CO2-Gesetzes überlegt, welchen umweltpolitischen Kurs die Partei fortsetzt. «Unsere Basis will eine liberale Umweltpolitik. Wir müssen dabei mehr auf Anreize setzen als auf Strafen», sagt sie. Das klingt nach einer Modifikation der ökologischen Linie, die Petra Gössi einschlug. Grundsätzlich in Frage stellen will de Quattro die Ausrichtung aber nicht.

Ohne gutes Team ist der Job kaum zu schaffen

Mehrere freisinnige Politiker betonen, dass de Quattro ein gutes Team um sich scharen sollte – wenn sie denn Präsidentin werde. Maja Riniker meint: ««Wichtig ist, dass das Vizepräsidium gut besetzt ist und mitzieht. Alleine ist das Amt kaum zu bewältigen. Es braucht eine klare Verteilung der Aufgaben.»

In diesem Zusammenhang verweisen einige auf Philipp Müller. Er führte die FDP erfolgreich, propagierte glaubwürdig den «Volksfreisinn», der nicht als verlängerter Arm von Grossunternehmen operiert – und arbeitete bis zur Erschöpfung.

Auf den Präsidenten wartet immer eine Parteisektion, die noch besucht werden will. Es gibt immer Medienanfragen, die beantwortet werden sollten. Es wartet immer die nächste Sitzung. Wer sich nicht mit tatkräftigen Leuten umgibt, die möglichst auf Gebieten stark sind, wo der Präsident eher schwach ist, reibt sich bald auf im Amt. Es ist darum nicht besonders begehrt. In der FDP sind einige überzeugt, dass Jacqueline de Quattro die Partei zurück zum Erfolg führen kann. Wenn sie ein gutes Team zusammenstellt.

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