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Eine Auswertung von 30’000 Datensätzen zeigt: Das Wachstum der Felchen im Brienzer-, Thuner- und Bielersee hat sich in den letzten 35 Jahren verlangsamt.

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Auf dem Thunersee verlief die Felchen-Netzfischerei über die letzten 35 Jahre vergleichsweise stabil. 

Auf dem Thunersee verlief die Felchen-Netzfischerei über die letzten 35 Jahre vergleichsweise stabil.

20min/Simon Glauser

Anders auf dem Brienzersee: Während dort Mitte der 1980er Jahre noch über 30 Tonnen Felchen pro Jahr in den Netzen der Berufsfischer zappelten, waren es 2018 gerade mal noch zwei Tonnen.

Anders auf dem Brienzersee: Während dort Mitte der 1980er Jahre noch über 30 Tonnen Felchen pro Jahr in den Netzen der Berufsfischer zappelten, waren es 2018 gerade mal noch zwei Tonnen.

Wikipedia/Adrian Michael

Der Grund für das verlangsamte Wachstum der Fische: Das Wasser ist ihnen zu sauber. «Der Bau von Kläranlagen und das Phosphatverbot für Textilwaschmittel hatten zur Folge, dass zunehmend weniger Nährstoffe in die Gewässer gelangten», erklärt Andreas Hertig, Bereichsleiter Fischereimanagement beim Fischereiinspektorat.

Der Grund für das verlangsamte Wachstum der Fische: Das Wasser ist ihnen zu sauber. «Der Bau von Kläranlagen und das Phosphatverbot für Textilwaschmittel hatten zur Folge, dass zunehmend weniger Nährstoffe in die Gewässer gelangten», erklärt Andreas Hertig, Bereichsleiter Fischereimanagement beim Fischereiinspektorat.

20min/Simon Glauser

  • Die Felchen in den drei Berner Seen haben in den vergangenen Jahrzehnten an Länge und Gewicht eingebüsst.

  • Am stärksten eingebrochen sind die Erträge im Brienzersee.

  • Als Hauptgründe werden Nährstoffrückgang und Klimawandel ausgemacht.

Seit 35 Jahren dokumentiert das Fischereiinspektorat des Kantons Bern Alter, Länge und Gewicht der Felchen, die im Brienzer-, Thuner- und Bielersee gefangen werden. Heute hat es seinen Monitoring-Bericht veröffentlicht. Die wichtigste Erkenntnis aus den rund 30’000 Datensätzen: Die Fische sind kleiner und schlanker geworden.

Besonders betroffen ist der Brienzersee: Während dort Mitte der 1980er Jahre noch über 30 Tonnen Felchen pro Jahr in den Netzen der Berufsfischer zappelten, waren es 2018 gerade mal noch zwei Tonnen – ein Einbruch von über 90 Prozent. Früher waren die gefangenen Felchen durchschnittlich 30 Zentimeter lang und wogen 250 Gramm. Heute sind es noch 20 Zentimeter respektive 50 Gramm.

Fischen ist das Wasser zu sauber

Der Grund für das verlangsamte Wachstum der Fische: Das Wasser ist ihnen zu sauber. «Der Bau von Kläranlagen und das Phosphatverbot für Textilwaschmittel hatten zur Folge, dass zunehmend weniger Nährstoffe in die Gewässer gelangten», erklärt Andreas Hertig, Bereichsleiter Fischereimanagement beim Fischereiinspektorat. Zu saubereres Wasser hemmt das Plankton-Wachstum, folglich wird das Nahrungsangebot für die Fische knapp. «Gleichzeitig braucht der einzelne Fisch mehr Energie, um Nahrung zu suchen», sagt Hertig. Kein Wunder also, purzeln bei den Flossentieren die Gramme.

Ob der Nährstoffrückgang indes zu einer Reduktion des Felchenbestandes in den drei Seen geführt hat, lässt sich laut Hertig nicht abschliessend sagen. «Ich gehe zwar schon davon aus, dass es heute weniger Fische hat als vor 35 Jahren. Der Rückgang steht aber in keinem Verhältnis zum Gewichtsverlust.» Grundsätzlich würden in den Gewässern nach wie vor sehr viele Felchen gedeihen.

Flucht in kühlere Tiefen

Das dürfte im besonderen Masse auf den Thunersee zutreffen: Anders als im Brienzersee verlief dort die Felchen-Netzfischerei über die Jahrzehnte relativ stabil: Die Fänge schwanken zwischen 20 und 40 Tonnen pro Jahr. Die gefangenen Felchen sind etwas leichter und kleiner und gleichzeitig ist das Fangalter höher.

Stabil-schwankend präsentierten sich die Erträge auch im Bielersee. Allerdings ist hier ein Rückgang seit 2012 zu beobachten. Vor allem die letzten beiden Jahre, die der Monitoring-Bericht nicht berücksichtigt, seien katastrophal gewesen, merkt Hertig an. Er geht davon aus, dass der Bielersee durch die tiefere Höhenlage deutlich stärker vom Klimawandel und den gehäuften Hitzesommern betroffen ist als die anderen Seen. «Er wird zumindest in der Oberflächenregion sehr warm – doch die Felchen lieben gerade das kalte Wasser.» Denkbar sei, dass sie dann in Tiefen flüchten, wo das Futter knapp wird, einen Wachstumsstopp erleiden – und folglich den Fischern durch die Maschen gehen. «Das ist allerdings nur eine reine Hypothese», fügt Hertig an.

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(sul)

Felchen in Berner Seen sind kleiner und schlanker geworden
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