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Ab dem 1. Juli sollen Festivals mit bis zu 3000 Personen wieder möglich sein. Für viele Veranstalterinnen und Veranstalter ein Lichtblick – doch noch immer herrscht Unsicherheit.

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Zurück zur Normalität? Schon bald will der Bundesrat wieder grössere Veranstaltungen zulassen.  Ab September mit bis zu 10’000 Personen.

Zurück zur Normalität? Schon bald will der Bundesrat wieder grössere Veranstaltungen zulassen. Ab September mit bis zu 10’000 Personen.

Oskar Moyano

Das natürlich abhängig von der epidemiologischen Lage.  Zudem ist der Zutritt vorerst beschränkt auf getestete, genesene oder geimpfte Personen und es gilt Maskenpflicht. 

Das natürlich abhängig von der epidemiologischen Lage. Zudem ist der Zutritt vorerst beschränkt auf getestete, genesene oder geimpfte Personen und es gilt Maskenpflicht.

20min/François Melillo

Damit das möglich wird, will der Bundesrat den Festivals mehr Planungssicherheit geben. Falls die Veranstaltungen ins Wasser fallen, sollen Kantone und Bund einen Grossteil der Kosten übernehmen.

Damit das möglich wird, will der Bundesrat den Festivals mehr Planungssicherheit geben. Falls die Veranstaltungen ins Wasser fallen, sollen Kantone und Bund einen Grossteil der Kosten übernehmen.

20min/François Melillo

  • Geht es nach dem Bundesrat, sollen schon bald Grossveranstaltungen wieder möglich sein.

  • Möglich werden soll das mittels Nachweis, dass man getestet, geimpft oder genesen ist.

  • Zudem konkretisiert der Bundesrat, wie Kantone und der Bund die Veranstaltungen finanziell unterstützen wollen.

  • Veranstalterinnen und Veranstalter stimmen die Vorschläge «verhalten optimistisch».

Bier im Plastikbecher, Sonnenbrand und laute Musik. Geht es nach dem Bundesrat, sollen Festivals schon bald wieder möglich sein. Ab dem 1. Juli will er Grossveranstaltungen mit bis zu 3000 Personen wieder möglich machen, ab September mit bis zu 10’000 Besucherinnen und Besucher – sofern die epidemiologische Lage das dann zulässt. Ein entsprechender Vorschlag liegt derzeit bei den Kantonen.

Der Vorschlag des Bundesrates sorgt bei den Veranstalterinnen und Veranstalter der Sommerfestivals für zögerlichen Optimismus. «Die Entscheide stimmen uns verhalten optimistisch» beschreibt es Roman Pfammatter, operativer Leiter des Openair Gampel. Sie prüften derzeit intensiv, ein alternatives Festival mit 10’000 Besuchern pro Tag im September zu organisieren – das Festival wäre eigentlich für Ende August geplant gewesen.

«Wir können problemlos tausende Besucher testen»

«Um doch noch im September etwas zu machen, ist der vom Bundesrat vorgeschlagene Schutzschirm enorm wichtig für uns. Doch ebenso wichtig ist auch, dass die Kantone dem zustimmen und die Festivals dann auch bewilligen.» Denn der Vorschlag des Bundesrates sieht vor, dass die Kantone selber die Veranstaltungen bewilligen können. Wird ihnen bis zum Zeitpunkt der Veranstaltungen die Bewilligung wieder entzogen, greift der vom Parlament beschlossene Schutzschirm (siehe unten). Pfammatter zeigt sich zuversichtlich. Für eine Durchführung habe man neben dem Sicherheitskonzept grosse Testkapazitäten. «Es wird problemlos möglich sein, mehrere tausend Besucher pro Tag vor Ort zu testen.»

Auch bei der SMPA, dem Branchenverband der professionellen Schweizer Konzert-, Show- und Festivalveranstalter, zeigt man sich über die Vorschläge des Bundesrates erfreut. «Grundsätzlich stimmen uns die Ankündigungen positiv, es ist zumindest ein Licht am Ende des Tunnels», sagt Geschäftsführer Stefan Breitenmoser. «Der Teufel wird im Detail stecken. Jetzt müssen wir das Kleingedruckte lesen und werden uns in der Konsultation einbringen, damit die Auflagen auch praxistauglich sind und die Ankündigungen des Bundesrates nicht nur gut tönen.» Sorgen bereiten Breitenmoser die möglichen kantonalen Unterschiede. «Das wäre natürlich eine Katastrophe, wenn die Kantone den Schutzschirm oder Bewilligungen und Auflagen für Veranstaltungen unterschiedlich handhaben würden. Für überkantonal tätige Veranstaltende wäre das ein riesiger organisatorischer Aufwand, neben der Wettbewerbsverzerrung, die es dadurch gäbe.»

Unterschiedliche Umsetzung der Kantone

Weiterer Knackpunkt: Das Covid-Zertifikat. «Die Veranstaltungen stehen und fallen mit dem Zertifikat und der Frage, wie der Bundesrat das auslegt. Zudem fordern wir, dass im Covid-Zertifikat auch Selbsttests akzeptiert werden», so Breitenmoser. Logistisch sei es an Grossveranstaltungen mit mehreren tausend Personen nicht möglich, vor Ort die ganze Test-Infrastruktur aufzubauen. Zudem sei noch unklar, wer die Kosten für die Corona-Tests zum Einlass übernehmen werde. «Wenn die Besucher die Tests selber zahlen müsste, würde das wohl viele Leute abschrecken, eine Veranstaltung zu besuchen.» Hier liege nun der Ball beim Bund.

Kaum Grund zur Freude gibt es für Clubs. Veranstaltungen werden künftig zwar auch in Innenräumen erlaubt sein, allerdings mit Sitzpflicht. Den Clubs spiele das nicht in die Hände, sagt Alex Flach, Nightlife-Experte und Kommunikationsverantwortlicher mehrerer Clubs. Er habe aber auch nicht viel erwartet. «Vor Ende Mai wird sich gar nichts ändern für uns. Es freut mich aber, dass immerhin den Festivals jetzt eine Perspektive geboten wird.»

Festivals nur für Personen mit GGG-Status

Der Bundesrat hält für unabdingbar, gewisse Restriktionen für Grossveranstaltungen weiterhin vorzusehen. So dürfen Grossveranstaltungen im Sommer nur von getesteten, genesenen oder geimpften Personen besucht werden. Bis im Sommer soll ein schweizweit einheitliches Covid-Zertifikat vorliegen, womit die Kontrolle der Nachweise am Eingang, zum Beispiel für ein Festival, wesentlich erleichtert wird. Beim Zertifikat soll es sich um einen fälschungssicheren Impf-, Test- und Genesenen-Nachweis handeln. Das Bundesamt für Gesundheit entscheidet voraussichtlich Ende Mai, wie das Zertifikat aussieht.

Um die Durchführung von Anlässen mit überkantonaler Bedeutung zu unterstützen, hat das Parlament in der Frühlingsession im Covid-19-Gesetz einen «Schutzschirm» für die Veranstaltungsbranche eingeführt. Damit können Publikumsanlässe bewilligt werden, noch bevor klar ist, ob die epidemiologische Lage eine Durchführung erlaubt. Bund und Kantone beteiligen sich an den ungedeckten Kosten für Veranstaltungen, die aufgrund der epidemiologischen Lage abgesagt oder verschoben werden müssen.

Der Veranstalter trägt pro Veranstaltung von den ungedeckten Kosten eine Franchise von

30’000 Franken und vom verbleibenden Betrag einen Selbstbehalt von 20 Prozent. Sofern

die Kantone die Hälfte der ungedeckten Kosten übernehmen, zahlt der Bund die andere

Hälfte. Die Kostenbeteiligung von Bund und Kantonen beträgt pro Veranstaltung höchstens

fünf Mio. Franken. Die Regelung gilt für Veranstaltungen zwischen dem 1. Juni 2021 und dem

30. April 2022. Für die Umsetzung muss in den meisten Kantonen noch eine

Rechtsgrundlage geschaffen werden.

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«Festivals stehen und fallen mit dem Covid-Zertifikat»
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