Flug verschoben: SEM-Direktor spricht von prekärer Sicherheitslage in Kabul

Der Rettungsflug nach Taschkent für Schweizer Staatsangehörige und lokale Angestellte verzögert sich. Derweil erteilt SEM-Direktor Mario Gattiker Forderungen nach mehr Aufnahmen eine Absage.

Forderungen, mehr gefährdete Personen aufzunehmen, seien unrealistisch und nicht sachgerecht, so Mario Gattiker.

Forderungen, mehr gefährdete Personen aufzunehmen, seien unrealistisch und nicht sachgerecht, so Mario Gattiker.

Keystone

Am Samstag hätte ein Charterflug des Eidgenössischen Departements für Auswärtige Angelegenheiten (EDA) nach Taschkent in Usbekistan fliegen sollen. Doch die Sicherheitslage um den Flughafen Kabul hat sich laut EDA deutlich verschlechtert. Der Flug wurde verschoben, wie die Behörde am Samstag mitteilte.

In dem Flugzeug hätten 230 Schweizer Staatsangehörige sowie lokale Angestellte und deren engste Familienmitglieder nach der Machtübernahme der Taliban in Sicherheit gebracht werden sollen. Im Verlauf der Woche forderten SP und Grüne, dass die Schweiz viel mehr Menschen aus Afghanistan Schutz bieten solle. Der Bund wollte davon nichts wissen.

Migrations-Direktor: «Man könnte immer mehr machen»

Gegenüber CH Media verteidigte Bundesrätin Karin Keller-Sutter die Entscheidung des Bundesrats, aktuell keine weiteren Menschen aufzunehmen. Auch der ihr unterstellte Chef des Staatssekretariats für Migration (SEM), Mario Gattiker, rechtfertigte am Samstag den Kurs der Regierung gegenüber Radio SRF. Es sei logistisch derzeit nicht möglich, mehr Leute als geplant auszufliegen.

Grund sei die Sicherheitslage in Kabul. Auf dem Weg zum Flughafen gebe es viele Checkpoints, an denen selbst Personen mit korrekt ausgestelltem Visum teils nicht vorbeikämen. Forderungen bis zu 10’000 Menschen aufzunehmen seien deshalb «völlig unrealistisch und nicht sachgerecht», so Gattiker. Den Kritikern dieser Haltung warf er vor, die Lage vor Ort nicht gut genug zu kennen.

Auf die Frage, ob die Schweiz angesichts der Perspektivlosigkeit, die den Menschen in Flüchtlingslagern rund um Afghanistan drohten, genug tue, sagte Gattiker: «Man könnte immer mehr machen.» Was es jetzt brauche, sei humanitäre Hilfe vor Ort. Hoffnung machte Gattiker einzig den 230 Personen, die derzeit auf eine Ausreise in die Schweiz warten. «Die Schweizer Behörden machen alles, damit diese Leute so schnell wie möglich ausser Land kommen.»

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