«Freiheit!»-Rufe verhelfen Spaniens konservativem Politstar zum Triumph

Mit ihrer scharfen Kritik an sämtlichen Lockdown-Massnahmen gewinnt Isabel Ayuso die Madrider Regionalwahlen. Doch sie will mehr als das.

Isabel Díaz Ayuso, 42, neuer Stern am Himmel der spanischen Konservativen.

Isabel Díaz Ayuso, 42, neuer Stern am Himmel der spanischen Konservativen.

AP

Das politische Erdbeben, das sich gerade im Grossraum der spanischen Hauptstadt abspielt, erfreut Europas Lockdown-Skeptiker. In Madrid feiert die konservative Landesfürstin Isabel Díaz Ayuso einen triumphalen Sieg bei den Regionalwahlen, den sie vor allem einem Umstand zu verdanken hat: ihrem hartnäckigen Ruf nach mehr «Freiheit». Wegen Ayusos Lockdown-Verweigerung sind in Madrid trotz hoher Infektionszahlen seit Monaten Gastronomie, Fitnessstudios und Kultureinrichtungen geöffnet.

«Wir wollen keine Notstandsregeln und keine Ausgangsbeschränkungen», rief Ayuso kurz vor der Abstimmung den 6,8 Millionen Bürgern der Region zu. Und die grosse Mehrheit machte mit ihrer Stimme klar, dass sie in dieser Nonstop-Pandemie die Nase voll hat von Einschränkungen. Nahezu 45 Prozent votierten für Ayusos konservative Volkspartei, die ihren Stimmanteil gegenüber der vergangenen Wahl in 2019 verdoppeln konnte.

Auf einer Linie mit den Corona-Demonstranten in anderen Ländern

Dank der Unterstützung der Rechtsaussenpartei Vox, die Coronabeschränkungen als «totalitär» ablehnt, ist Ayusos Wiederwahl gesichert. Die beiden Parteien, deren Position an die Forderungen der Corona-Demonstranten in anderen europäischen Ländern erinnert, holten zusammen üppige 54 Prozent. Die Sehnsucht der Bürger, endlich wieder ausgehen zu können, ist offenbar so gross, dass sich damit inzwischen sogar Wahlen gewinnen lassen.

Ihre Anhänger bejubeln Ayusos Sieg in Madrid frenetisch.

Ihre Anhänger bejubeln Ayusos Sieg in Madrid frenetisch.

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Im Zuge ihrer Wahlkampagne legte sich die 42-jährige Politikerin immer wieder mit Spaniens sozialistischem Regierungschef Pedro Sánchez an und schob ihm die Schuld dafür zu, dass die Infektionszahlen in Madrid sehr viel höher sind als in den meisten anderen spanischen Regionen. Dabei liess Ayuso geflissentlich unter den Tisch fallen, dass ihre Regionalregierung und nicht Sánchez’ Kabinett für die Coronapolitik zuständig ist. Und dass ihr lockerer Coronakurs sogar in ihrer eigenen konservativen Volkspartei höchst umstritten ist.

Ayuso beendet Karriere von prominentem Politiker

Doch Ayusos harte Konfrontationsstrategie ging auf: Sánchez’ Sozialisten mussten in der Regionalwahl eine historische Niederlage hinnehmen. Sie stürzten von bisher 27 Prozent auf knapp 17 Prozent der Stimmen ab. Auch Sánchez’ linker Koalitionspartner Podemos enttäuschte auf ganzer Linie. Podemos-Chef Pablo Iglesias, der in Madrid als Spitzenkandidat angetreten war, trat deswegen noch in der Wahlnacht von allen Ämtern zurück.

Podemos-Chef Pablo Iglesias hat sich arg verkalkuliert.

Podemos-Chef Pablo Iglesias hat sich arg verkalkuliert.

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Premier Sánchez gratulierte Madrids konservativer Wahlsiegerin Ayuso mit einer versöhnlichen Geste, während diese ihren Triumph umgehend für eine neue Kampfansage nutzte: Die Tage von Spaniens «radikaler Linksregierung» seien gezählt. Nach dem Ausbau ihrer regionalen Macht in Madrid gehe es nun darum, auch die nationale Regierung zu erobern, die 2023 neu gewählt wird. Dass Ayuso dann höchstpersönlich in den spanischen Regierungspalast einziehen will, daran liess sie keinen Zweifel.

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