Gesundheitspolitikerin Ruth Humbel fordert Triage auf Intensivstationen

Ende November kommt die Booster-Impfung für unter 65-Jährige. Gleichzeitig stellen Gesundheitspolitiker neue Forderungen für den Corona-Winter.

Mitte-Nationalrätin Ruth Humbel.

Mitte-Nationalrätin Ruth Humbel.

Keystone

Ursprünglich wollte der Bundesrat Mitte November über die Aufhebung der erweiterten Zertifikatspflicht beraten. Davon ist man derzeit weit entfernt. Der Bundesrat wird sich an der heutigen Sitzung wohl damit beschäftigen, wie das Land durch den Corona-Winter geführt werden kann.

Denn die Fallzahlen und die Hospitalisierungen steigen wieder an, die Impfwoche war kein Erfolg und der Winter hat erst angefangen. In zahlreichen europäischen Staaten mussten die Massnahmen verschärft werden, in Österreich gilt für Ungeimpfte ein Lockdown.

Patientenverfügung für Ungeimpfte?

Viele Politikerinnen und Politiker schauen hierzulande mit Besorgnis auf die epidemiologische Lage. So auch Ruth Humbel, Präsidentin der nationalrätlichen Gesundheitskommission.


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Sie plädiert für eine Triage, falls sich die Situation auf den Intensivstationen wieder zuspitzen sollte. Eine Triage zwischen Geimpften und Ungeimpften. «Es kann nicht sein, dass Herzoperationen von geimpften Patienten verschoben werden, weil Ungeimpfte schwer an Corona erkranken und die Intensivbetten belegen», so die Mitte-Politikerin.

Es sei auch nicht fair gegenüber dem Gesundheitspersonal. «Wir müssen diese Diskussion führen, auch wenn sie unangenehm ist; es ist eine politische Frage.» Jeder und jede müsse sich darüber Gedanken machen, was man in Kauf nehme, wenn man sich nicht impfen lasse. Humbel zieht verschiedene Ideen in Betracht.

Zum Beispiel könnten Ungeimpfte eine Patientenverfügung auf sich tragen, die bezeuge, dass man bei schweren Corona-Erkrankungen auf eine Behandlung auf der Intensivstation verzichte. «Viele Ungeimpfte meinen, es würde sie nicht schwer treffen, und wenn doch, dann können sie auf beste medizinische Behandlung im Spital vertrauen», so Humbel. «Das ist nicht Eigenverantwortung, sondern Eigennutz.»

Hospitalisierungen nehmen wieder zu

Ähnlich sehen das auch andere Politiker. So schlug die Zürcher Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli im Sommer vor, dass Impfgegner eine Patientenverfügung ausfüllen und bestätigen, dass sie bei einer Covid-Erkrankung keine Spital- und Intensivbehandlung wollen.

Auch FDP-Nationalrat Philippe Nantermod sagt: «Für mich ist klar, dass Ungeimpften nicht der Vorrang vor anderen dringenden Fällen eingeräumt werden darf.» Er verweist aber darauf, dass dies Sache der Kantone und Spitäler sei.

Und die SVP-Nationalrätin Verena Herzog sagt: «Es kann nicht sein, dass Geimpfte, die auch für die Gesellschaft ihre Verantwortung wahrgenommen haben, aufgrund von Notfällen von Ungeimpften sterben müssen.» Auch wenn man hoffe, dass nicht triagiert werden müsse, so sei vor allem für die Ärzte wichtig, dass die äusserst schwierigen Triage-Kriterien vorgängig festgelegt würden.

Jedenfalls stellt sich die Frage nach dem Umgang mit Hospitalisierten derzeit wieder. Wie Virginie Masserey vom Bundesamt für Gesundheit (BAG) gestern vor den Medien sagte, verdoppelt sich die Zahl der Hospitalisierungen alle drei Wochen. Auch die Kommission für Impffragen (Ekif) macht vorwärts.

Ende November soll die Booster-Impfung für alle unter 65-Jährigen folgen, sagte deren Präsident gestern. Denn der Impfschutz nehme auch bei unter 65-Jährigen ab, allerdings bleibe es bei milden Verläufen – anders als bei den Älteren. Letztere hätten daher Vorrang.

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