Gewerbeverband will partout keine Schliessungen, Linke fordern Tempo

Die Vorschläge des Bundesrats zur Eindämmung der fünften Welle werden es wohl schwer haben. Erste Reaktionen zeigen: Die einen wollen keine Schliessungen, die anderen keine 2G-Regel.

Der Gewerbeverband will die 2G-Regel «kritisch prüfen», die SVP ist schon jetzt dagegen. (Symbolbild)

Der Gewerbeverband will die 2G-Regel «kritisch prüfen», die SVP ist schon jetzt dagegen. (Symbolbild)

Keystone

2G oder Schliessungen: Vor diese beiden Szenarien zur Eindämmung der Pandemie stellte der Bundesrat am Freitag die Öffentlichkeit. Zudem schlägt er vor, dass Arbeitnehmende wieder von zuhause aus arbeiten und dass sich Ungeimpfte nur noch maximal zu fünft treffen dürfen. Die ersten Reaktionen zeigen: Für beide Szenarien finden sich scharfe Kritiker.

Der Gewerbeverband etwa wehrt sich mit markigen Worten gegen Schliessungen. Der Vorschlag sei «absolut inakzeptabel und schädlich für Teile der Wirtschaft», schreibt er in einer Stellungnahme. Ebenso kategorisch lehnt der Gewerbeverband die Homeoffice-Pflicht ab. «Kritisch prüfen» will der Verband hingegen die 2G-Regel. Der Wirtschaftsdachverband Economie Suisse beurteilt ebenso beide Szenarien kritisch, würde notfalls aber die 2G-Regel bevorzugen, wie er in einer Mitteilung schreibt.

Gewerkschaften sagen «Ja, aber» zur Homeoffice-Pflicht

Vom Vorschlag, gewisse Branchen vorübergehend wieder zu schliessen, wären insbesondere Bars und Clubs betroffen. Deren Verband gibt sich in einer Mitteilung zurückhaltend zu den beiden Szenarien. Mit 2G müssten erst noch Erfahrungen gesammelt werden, heisst es. Kritisiert wird vom Verband vor allem, dass der Bundesrat zwar Schliessungen ins Spiel bringt, jedoch keine Unterstützung in Aussicht stellt.

Schliessungen verhindern – das ist auch der Tenor bei Travail Suisse, dem Dachverband der Arbeitnehmenden. Zur Homeoffice-Pflicht hat der Verband Bedenken: Diese soll zudem «wenn überhaupt, massvoll und zeitlich klar beschränkt umgesetzt werden», heisst es in einer Mitteilung. Für den Schweizerischen Gewerkschaftsbund ist zentral, das die Utensilien für das Homeoffice nicht auf Kosten der Arbeitnehmenden gehen und dass diese nicht überwacht werden.

SVP gegen 2G, Linke und Grüne verlieren allmählich die Geduld

Derweil sieht sich die SVP in ihrer Kritik am Covid-Gesetz bestätigt. Mit dem Vorschlag zur 2G-Regel würde eine «Vorstufe zum allgemeinen Impfzwang» geschaffen, kritisiert die Partei. «Die 2G-Regelung bringt nichts als Scheinsicherheit und noch mehr Diskriminierung für all jene, die sich nicht impfen lassen wollen oder können», heisst es in einer Mitteilung.

Gespalten zur 2G-Frage zeigen sich Mitglieder der Mitte. Parteipräsident Gerhard Pfister schreibt auf Twitter, seine Partei beobachte mit Sorgen, wie sich die vorgeschlagenen Massnahmen auf den Zusammenhalt in der Schweiz auswirken würden. Die Baselbieter Mitte-Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter kommentierte die Vorschläge kurz mit «2G mit Maske, aber es darf keine Schliessungen mehr geben!»

Links im politischen Spektrum polarisieren derzeit weniger die Massnahmen an sich, sondern das Tempo. «Die Coronamassnahmen werden nicht wirksamer, wenn der Bundesrat sie zum zweiten Mal in die Konsultation schickt, statt sie zu beschliessen», schreibt Grünen-Präsident Balthasar Glättli auf Twitter. Und SP-Nationalrätin Sarah Wyss kommentiert: «Kantone vernehmlassen – so sieht es das Gesetz vor – aber in einer Pandemiebekämpfung muss das einfach etwas schneller gehen!»

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