Zur Erhöhung der Impfrate nimmt der Bundesrat 96 Millionen Franken in die Hand. Geplant ist unter anderem eine nationale Impfwoche. Die Impfgutscheine sind nach Kritik von den Kantonen vom Tisch.

Gesundheitsminister Alain Berset stellte am Mittwoch die Pläne des Bundesrats zur Impfoffensive vor.

Gesundheitsminister Alain Berset stellte am Mittwoch die Pläne des Bundesrats zur Impfoffensive vor.

Keystone

Der Bundesrat will doch keine 50-Franken-Gutscheine für Personen, die andere vom Impfen überzeugen. Das hat er nach teils heftiger Kritik von den Kantonen am Mittwoch beschlossen. An der Idee einer Impfoffensive hält der Bundesrat jedoch fest. «Mit der Impfung haben wir es in der Hand, zu entscheiden, wann die Pandemie vorbei ist», sagte Gesundheitsminister Berset in Bern vor den Medien.

Aktuell sind in der Schweiz 65 Prozent der Gesamtbevölkerung geimpft. Ab wie vielen Geimpften die Coronamassnahmen aufgehoben werden, konnte Berset nicht beantworten. «Der Bundesrat hat kein klares Impfziel gesetzt», so der Gesundheitsminister. Im Laufe der Medienkonferenz sagte Berset aber, dass aktuell noch eine Million Impfungen nötig sein, um an die Impfrate der Nachbarländer anzuschliessen.

Zugang soll «so einfach wie möglich sein»

An den restlichen drei Punkten seiner Impfoffensive will der Bundesrat festhalten. So will er vom 8. bis 14. November eine nationale Impfwoche durchführen und dafür 15,2 Millionen Franken ausgeben. Ziel dieser Woche sei es, den Zugang zur Impfung «so einfach wie möglich» zu gestalten, wie Berset mehrmals sagte. «Es geht nun darum, die Hürden für eine Impfung für alle zu senken.»

Neben der Impfwoche soll das mit einer Aufstockung des mobilen Impfangebots in den Kantonen geschehen. Der Bundesrat ist bereit, dafür 38 Millionen Franken auszugeben. Letzter Kostenpunkt sind mit 43 Millionen Franken individuelle Beratungen für noch unentschlossene Personen. Berset betonte mehrmals, dass sich die Impfwoche nicht an Personen richte, die sich nicht impfen lassen wollen, sondern an jene, die noch zögerten. Der Bund habe aber keine Daten dazu, wer geimpft sei und wer nicht, sagte Berset.

Beratungsgespräche über soziale Medien

Wer genau in der Schweiz noch zu den Impfzögerern gehört, ist laut Bundesrat schwierig zu wissen. «Wir haben kein wissenschaftlich erstelltes Profil, wen wir primär ansprechen sollen». Es gebe noch in allen Alterskategorien Luft nach oben, machte Berset klar. Um besonders Junge noch besser zu erreichen, sollen Beraterinnen und Berater auch auf sozialen Medien aktiv sein. Bei den Beratungen soll es laut Berset darum gehen, Menschen beim Finden eines Termins oder Impfzentrums zu unterstützen, Übersetzungen anzubieten oder medizinische Fragen zu klären.

Insgesamt fallen für den Bund Kosten in der Höhe von 96 Millionen Franken an. Nach Ansicht des Bundesrats lohnt es sich aber, dieses Geld auszugeben. Im Schnitt könne pro 100 Impfungen eine Hospitalisierung und pro 250 Impfungen eine Belegung auf der Intensivstation vermieden werden. Eine Spitaleinweisung kostet laut Berset mehrere Zehntausend Franken.

Berset: Gutschein war «sehr unkonventionelle Idee»

Die Umsetzung der Impfoffensive ist grösstenteils Sache der Kantone. Auf die Frage eines Journalisten, wie die Kantone das dafür benötigte Fachpersonal zur Verfügung stellen sollten, sagte Berset, er sei sich bewusst, dass der Personalmangel eine Herausforderung darstelle. «Aber es muss möglich sein, für die Impfmobile das nötige Personal zu finden.» Das sei auch eine Frage der Priorisierung.

Eine weitere Frage betraf den Vorschlag, Gutscheine für Personen zu verteilen, die andere vom Impfen überzeugen. Berset konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen, als er sagte, es habe sich dabei um eine «sehr unkonventionelle Idee» gehandelt. «Insofern war es keine grosse Überraschung, dass die Idee auf Kritik stiess», so Berset. «Aber eine unkonventionelle Situation erfordert, dass unkonventionelle Massnahmen diskutiert werden müssen.»

Wirtschaftsverbände fordern klares Ausstiegsszenario

Dass der Bundesrat kein Ziel festgelegt hat, ab welcher Impfrate die Coronamassnahmen aufgehoben werden können, stösst bei Wirtschaftsverbänden auf Kritik. So schreibt etwa Economiesuisse in einer Mitteilung, dass es nun einen «kollektiven Motivationsschub» brauche, den die Leute zum Impfen bewege. Dazu brauche es die Gewissheit, «dass bei Erreichung dieses Ziels die Massnahmen wie Zertifikats- und Maskenpflicht aufgehoben werden», wie es in einer Mitteilung des Verbands heisst.

Auch der Arbeitgeberverband und der Gewerbeverband zeigen sich enttäuscht darüber, dass kein Ausstiegsszenario vorliege. «Sämtliche einschränkende Massnahmen, welche über die Logik des gezielten Schutzes hinausgehen, müssen in einem definierten Fahrplan abgebaut werden», schreibt dazu der Gewerbeverband. «Versäumt der Bundesrat weiter, diesen Weg aufzuzeichnen, gefährdet er bei der Abstimmung um das Covid-19-Gesetz seinen Erfolg an der Urne», heisst es weiter.

Impfgutscheine sind vom Tisch: Bundesrat lanciert Impfoffensive
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