In Dänemark impfen jetzt auch Piloten und Verkäuferinnen – geübt wird an Orangen, Puppen und an der Ausbildnerin

Die Dänen zeigen uns, wie man beim Impfen vorwärts macht. Das Ziel der neuen Offensive: Alle Bereiche des öffentlichen Lebens möglichst offen zu halten.

Dänemark gibt beim Impfen Gas: Die Kampagne wird auf Kinder ausgeweitet - und auch das Personal musst nicht mehr zwingend einen medizinischen Hintergrund haben.

Dänemark gibt beim Impfen Gas: Die Kampagne wird auf Kinder ausgeweitet – und auch das Personal musst nicht mehr zwingend einen medizinischen Hintergrund haben.

Keystone

Statt zu neuen Restriktionen zu greifen, will Dänemark wieder wie im Sommer zum europäischen Impfchampion werden – eine Position, die dem Land bis heute eine vergleichsweise offene Gesellschaft erlaubt. Eine halbe Million Impfungen pro Woche will die Regierung schon bald verabreichen, insbesondere Booster. Dänemark hat aber auch – als eines der ersten Länder – bereits begonnen, Kinder ab 5 Jahren zu impfen, um Ausbrüche in den Schulen und Ansteckungen in den Familien zu stoppen. Positiv wirkt sich dabei aus, dass die Impfstrategie in der Bevölkerung gut akzeptiert ist: 77 Prozent sind doppelt geimpft.

Für die Offensive wurden in den letzten Tagen wie schon im Frühsommer neue Impfzentren aus dem Boden gestampft. Doch benötigt wird auch Personal, und dieses ist Mangelware. Die Behörden haben deshalb Pensionierte, Studenten und andere Personen mit Erfahrungen aus dem Gesundheitswesen aufgerufen zu helfen. Doch zusätzlich werden nun Leute ohne Medizin- oder Pflege-Hintergrund rekrutiert: Über 200 sind bisher fürs Impfen ausgebildet worden, darunter Piloten, Bauern und Verkäuferinnen.

Eine Ausbildung wie fürs medizinische Personal

Probleme sehen die Gesundheitsbehörden dabei nicht, wie der Fernsehsender DR berichtete: «Die Leute erhalten nicht nur eine Schnellbleiche, sondern werden richtig gut in Theorie und Praxis unterrichtet», erklärte die Ausbildner-Krankenschwester Bettina Tomczyk. Es sei dieselbe Impf-Ausbildung, die auch Krankenschwestern und Ärzte bekämen. Geübt wird die Anwendung der Spritzen mit Orangen und Puppen, denen die Lehrlinge Salzwasser verimpfen. Und wenn mal ein richtiger Muskel gefragt ist, hält Tomczyk eben ihren Arm hin.

Die Verkäuferin Mie Jensen fühlt sich denn auch gut vorbereitet für den Impf-Job, auch wenn sie demnächst Menschen und nicht mehr Orangen sticht. Die 46-Jährige hat seit Jahrzehnten in einem Laden gearbeitet, jetzt will sie eine etwas andere Art von Service leisten, erklärte sie – auch mit der Motivation, im Kampf gegen die Pandemie zu helfen.

Weniger Ansteckungen als in der Schweiz

Während andere Länder vermehrt wieder auf Restriktionen zurückgreifen, will Dänemark mit Impfungen als Hauptwaffe möglichst uneingeschränkt weiterfahren. Zwar sind die Zeiten, im September und Oktober, als das Land so lebte, als gäbe es die Pandemie nicht mehr, vorbei. Die Ansteckungen sind zuletzt auch wieder klar angestiegen, aber weniger steil als etwa in der Schweiz. Vor allem bleibt aber die Spitalbelegung auf vergleichsweise tiefem Niveau – laut Experten ein Effekt der hohen Impfquote. Dennoch hat die Regierung wieder eine Zertifikatspflicht eingeführt. Eine solche war allerdings schon im Frühsommer gut akzeptiert und sorgt auch jetzt nicht für Proteste, da es weiterhin ein umfassendes kostenloses Testangebot gibt. 2G-Regelungen werden nicht in Betracht gezogen.

Masken werden nur in Geschäften und im öffentlichen Verkehr verlangt, nicht aber in Schulen, am Arbeitsplatz oder bei Veranstaltungen. Home-Office oder das Erfassen von Kontaktdaten ist in Dänemark kein Thema und die Einreise ist für Geimpfte weiterhin ohne Test möglich. Henrik Ullum, Direktor des staatlichen Pandemie-Instituts, sagte:

«Ich erwarte, dass wir mit dem erneuten Impfeinsatz über den Winter eine offene Gesellschaft behalten können.»

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